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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
29. Dezember 2012

Immunthrombozytopenie - Fortschritte im Management

DGHO 2012 - Immunthrombozytopenie

Die Immunthrombozytopenie (ITP) ist eine Autoimmunerkrankung, die durch eine isolierte Thrombozytopenie (periphere Thrombozytenzahl < 100.000/µl) definiert ist (1). Sie geht sowohl mit einem beschleunigten Abbau als auch mit einer gestörten Neubildung der Thrombozyten einher, was zu einer verstärkten Blutungsneigung führen kann. Vorrangiges Ziel sei nicht die Anhebung der Thrombozytenzahl, sondern die Verringerung des Blutungsrisikos und Verbesserung der Lebensqualität, so Prof. Martin Griesshammer, Minden.

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Patienten mit WHO-Grad-III- und -IV-Blutungen sollten unabhängig von der Thrombozytenzahl behandelt werden. Auch bei Patienten, die aufgrund ihres Lebensstils (Beruf, Freizeitaktivitäten) oder Komorbiditäten einem erhöhten Blutungsrisiko  ausgesetzt sind, sollte eine medikamentöse Therapie in Erwägung gezogen werden. Der Ansatzpunkt früherer Therapien bestand darin, die Immunreaktion zu unterdrücken. So empfehlen die Leitlinien aus dem Jahr 2010 noch den Einsatz von Kortikosteroiden als Erstlinientherapie (1). Viele Patienten sprechen zwar initial gut auf Immunsuppressiva an, allerdings sind die Rückfallraten mitunter hoch. Griesshammer kritisierte den häufig zu langen Einsatz von Kortikosteroiden und verwies darauf, dass sich die Behandlungsdauer auf maximal 2-3 Monate beschränken sollte. Das gelte vor allem dann, wenn sich die Blutungssymptomatik unter der Therapie nicht rasch bessere. Therapie der 2. Wahl ist die Splenektomie, die aber von den Patienten häufig abgelehnt wird.

Mittlerweile weiß man, dass neben dem immunologisch bedingten Thrombozytenabbau eine beeinträchtigte Neubildung von Thrombozyten einen entscheidenden Aspekt im Krankheitsgeschehen darstellt. Letztlich bestehe bei einer ITP ein relativer Mangel an Thrombopoetin, so Griesshammer. Auf dieser Erkenntnis basiert die Anwendung von Thrombomimetika wie Romiplostim (Nplate®). Im Gegensatz zu Kortikosteroiden unterdrückt der 1x wöchentlich s.c. applizierbare Thrombopoetin-Rezeptoragonist nicht das Immunsystem, sondern simuliert die Wirkung endogenen Thrombopoetins und regt damit die Thrombozytenproduktion an. Studien zeigen, dass die allgemein gut verträgliche Substanz bei einer Vielzahl der teilweise mehrfach behandelten Patienten ein dauerhaftes Ansprechen der Thrombozytenzahl erreicht und Blutungen signifikant gegenüber Placebo reduziert (2). Romiplostim ist in Deutschland bislang nur für Patienten nach Splenektomie, oder wenn diese kontraindiziert ist, zugelassen, bemängelte Griesshammer im Hinblick auf das häufig persistierende Blutungsrisiko unter den Erstlinientherapien.

Literaturhinweise:
(1) Matzdorff A, et al. Onkologie 2010; 33(Suppl 3):2-20.
(2) Kuter DJ, et al. Lancet 2008; 371:395-403.

Pressekonferenz, 19.10.2012; Veranstalter: Amgen


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