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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
19. Juni 2006

Hormonrefraktäres Prostatakarzinom – offene Fragen und aktuelle Empfehlungen

Bis vor wenigen Jahren galt das hormonrefraktäre Prostatakarziom (HRPC) noch als chemotherapieresistent. Inzwischen ist in mehreren Studien für das HRPC eindeutig ein Überlebensvorteil durch Docetaxel belegt. Trotz effektiver Chemotherapie bestehen zum Einsatz dieser Behandlung noch viele offene Fragen, sagte Prof. Kurt Miller, Berlin.
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Es gibt große Unterschiede in der Prognose von Patienten mit HRCP. So haben zum Beispiel Patienten mit einem PSA-Anstieg unter Hormontherapie, die keine messbaren Metastasen aufweisen, eine gute Prognose. Am anderen Ende des Spektrums stehen die Patienten mit hoher Tumorlast und Metastasen, bei denen die Krankheit sehr rasch fortschreitet. Unklar ist derzeit, ob schon asymptomatische Patienten, die noch keine Symptome und erkennbaren Metastasen aufweisen, behandelt werden müssen. Ebenfalls kontrovers diskutiert wird, ob man die hormonelle Behandlung wirklich ausreizen oder schon früher mit der Chemotherapie beginnen sollte. Denn es ist nicht bekannt, ob sich der PSA-Abfall unter Hormontherapie positiv auf das Überleben auswirkt oder vielleicht nur einen Zeitverlust bedeutet.
Konsens besteht jedoch, dass eine Chemotherapie mit Docetaxel begonnen werden soll bei Patienten
-mit Progression, wenn diese mit einer klinischen Symptomatik verbunden ist
-bei fehlenden Symptomen und einem raschen PSA-Anstieg (PSA-Verdopplung < 3 Monate)
-bei fehlenden Symptomen und Nachweis einer Progression in bildgebenden Untersuchungen sowie
-bei dringendem Wunsch des Patienten

Standard ist heute das 3wöchentliche Schema mit 75 mg/m2 bei einer Infusionsdauer von 60 Minuten. In der TAX 327-Studie konnte ein medianer Überlebensvorteil von 2,5 Monaten durch Docetaxel im Vergleich zu Mitoxantron nachgewiesen werden. Den Überlebensvorteil durch Docetaxel bestätigte unabhängig davon auch die amerikanische Studie SWOG 9916.
Es gibt laut Miller Hinweise darauf, dass jüngere Patienten in gutem Allgemeinzustand besser von Docetaxel profitieren als ältere Patienten in schlechtem Allgemeinzustand. Für die weniger fitten Patienten würde sich das wöchentliche Schema eher empfehlen, meinte Miller. Der Ausgangs-PSA ist jedoch kein für den Response entscheidendes Kriterium. Eine erste PSA-Kontrolle ist erst 3 Monaten nach Beginn der Chemotherapie sinnvoll.
Die Nebenwirkungen der Chemotherapie lassen gut beherrschen, so Miller. Die Neigung zu Ödemen erfordert die kurzfristige Gabe von Dexamethason, zeitnah zur Infusion mit Docetaxel. Zur Prophylaxe von Nagelveränderungen hätten sich eisgekühlte Handschuhe bewährt. Bisphosphonate sind bei Knochenmetastasen sinnvoll, zur Zeit läuft auch eine Studie zur prophylaktischen Gabe.
Die Behandlung des hormonrefraktären Prostatakarzinoms erfordert darüber hinaus die enge Kooperation von Urologen und Onkologen, da spezifische urologische Probleme wie z.B. Harnentleerungsstörungen oder Nierenstauungen auftreten können, die in der Hand des Urologen verbleiben.

Pressekonferenz: „Die systemische Therapie des HRPC: Aktuelle Empfehlungen zur Behandlung mit Taxotere®“, Berlin, 23. März 2006.

as

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