Donnerstag, 13. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
CAR T Prelaunch
CAR T Prelaunch
 
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
17. Februar 2010

Hodgkin-Lymphom und multiples Myelom: Vielversprechender Deacetylasehemmer

Ein neuer, molekular zielgerichteter Ansatz in der Tumortherapie ist die Hemmung von Deacetylasen (DACs). DACs sind intrazelluläre Enzyme, welche die Transkription beeinflussen und an der Kontrolle des Zellzyklus beteiligt sind. Sie regulieren diese Vorgänge, indem sie Acetylgruppen von Zielproteinen entfernen. Der Wirkstoff Panobinostat (LBH589) ist ein potenter Pan-Deacetylaseinhibitor, der in ersten Studien bei verschiedenen onkologischen Indikationen vielversprechende Antitumoreffekte erzielte. Der DAC-Inhibitor Panobinostat fördert die Apoptose gezielt bei Tumorzellen.
Panobinostat ist ein wirksamer Hemmer aller Klassen der Deacetylasen (DACi) aus einer neuen Klasse von Verbindungen, den Deacetylasehemmer Zimt-Hydroxamsäure-Derivaten. Die bisher in klinischen Studien mit Panobinostat beobachteten häufigsten Nebenwirkungen betreffen den Gastrointestinaltrakt und das hämatopoetische System und waren meist leicht bis moderat ausgeprägt.


Studie bei Hodgkin-Lymphom

Erste klinische Studien weisen auf eine gute Antitumorwirkung von Panobinostat bei Hodgkin-Lymphomen hin. Für Patienten mit Hodgkin-Lymphomen und einem Rezidiv nach autologer Stammzelltransplantation existieren bislang keine etablierten Therapiestandards. Diese Patienten könnten von einer Behandlung mit Panobinostat profitieren. Im Rahmen des 50th Annual Meeting of the American Society of Hematology (ASH) im Dezember 2008 wurden vielversprechende Daten vorgestellt [1], die die Grundlage einer Phase-II-Studie in dieser Indikation bildeten. Die Rekrutierung dieser offenen, multizentrischen Phase-II-Studie CLBH589E2214 war bereits drei Monate vor dem geplanten Termin abgeschlossen. Im Rahmen der Studie erhielten die Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem klassischen Hodgkin-Lymphom nach Versagen einer hochdosierten Chemotherapie mit autologer Stammzellübertragung Panobinostat oral in einer Dosierung von 40 mg an drei Tagen pro Woche.

#Die Patienten konnten bis zur Progression ihrer Erkrankung teilnehmen. Primäres Studienziel war die Bestimmung der Ansprechrate. Sekundäre Zielparameter waren unter anderem die Sicherheit und Verträglichkeit von Panobinostat und das pharmakokinetische Profil.
Die ersten Daten dieser Studie wurden im Dezember 2009 im Rahmen des ASH in New Orleans präsentiert [2]. Die Daten belegen eine hohe Effektivität. Bei 69% (47/68) der Patienten mit rezidiviertem/refraktärem Hodgkin-Lymphom kam es unter Panobinostat zu einer Tumorverkleinerung. Die Krankheitskontrollrate (CR+PR+SD) lag bei 88% (60/68). Es waren zum Zeitpunkt der Auswertung bereits 2 komplette und 16 partielle Remissionen zu verzeichnen. Es zeigte sich ein sehr rascher Wirkeintritt (mediane Zeit bis zum Ansprechen: 6 Wochen (4-24)). Die mediane Ansprechdauer lag bei 22 Wochen (6-47). Die Therapie erwies sich als gut verträglich. Die häufigste unerwünschte Wirkung war eine reversible Thrombozytopenie. Mehr als 60% der Patienten befinden sich noch in Therapie. Mit der Endauswertung der Studie ist dieses Jahr zu rechnen. Im Sommer 2010 wird in Kooperation mit der Deutschen Hodgkin Studiengruppe eine Phase-III-Studie für Patienten in kompletter Remission gestartet.

Ermutigende Ergebnisse beim Multiplen Myelom

Bei Patienten mit Multiplen Myelom zeigten erste klinische Studien ermutigende Hinweise auf die Wirksamkeit von Panobinostat. Primärer Endpunkt einer prospektiven, multizentrischen, offenen Phase-Ib-Dosiseskalationsstudie zur Kombinationstherapie von Panobinostat mit Bortezomib ist die maximal tolerable Dosis von Panobinostat in der Kombination mit Bortezomib in der Zweitlinientherapie. Sekundäre Endpunkte sind Sicherheit und Verträglichkeit, die Pharmakokinetik und Pharmakodynamik sowie die Wirksamkeit.

Die beim 12. Internationalen Myelom Workshop im März 2009 präsentierten Ergebnisse dieser Studie [3] zeigten eine hohe Ansprechrate bei den mit Panobinostat behandelten Patienten. Die beobachtete Ansprechrate von Panobinostat ist überzeugend: Sowohl Patienten, die auf Bortezomib zuvor nicht angesprochen hatten als auch solche, die refraktär auf die Bortezomib-Behandlung waren, profitierten von der Kombinationstherapie mit Panobinostat. Das auf dem ASH 2009 präsentierte Update der Studie [4] bestätigte die hohe Ansprechrate der Kombination in den beiden Patientengruppen (68 bzw. 62%).
Im Dezember 2009 startete die Rekrutierung für die Phase-III-Studie PANORAMA 1. Diese multizentrische, randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie wird Panobinostat in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason bei Patienten mit rezidiviertem oder fortgeschrittenem Multiplen Myelom untersuchen.

Literatur:
1. Ottmann et al., Phase IA/II Study of Oral Panobinostat (LBH589), a Novel Pan-Deacetylase Inhibitor (DACi) Demonstrating Efficacy in Patients with Advanced Hematologic Malignancies. Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2008; 112: Abstract 958.
2. Younes et al., Efficacy of Panobinostat in Phase II Study in Patients with Relapsed/ Refractory Hodgkin Lymphoma (HL) After High-Dose Chemotherapy with Autologous Stem Cell Transplant. Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2009; 114: Abstract 923.
3. Sezer et al., Panobinostat & Bortezomib Phase I Trial In Multiple Myeloma.Clin Lymphoma Myeloma 2009; 9 (1).
4. San Miguel et al., A Phase IB, Multi-Center, Open-Label Dose-Escalation Study of Oral Panobinostat (LBH589) and I.V. Bortezomib in Patients with Relapsed Multiple Myeloma. Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2009; 114: Abstract 3852.

Quelle:


Das könnte Sie auch interessieren
Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum
Frauen%C3%A4rzte+der+GenoGyn+fordern+Ma%C3%9Fnahmen+gegen+riskanten+Alkoholkonsum
© karepa / Fotolia.com

Beim Alkoholkonsum belegt Deutschland im weltweiten Vergleich stets Spitzenplätze: Rund zehn Liter reinen Alkohols werden hierzulande nach aktuellen Informationen des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr pro Kopf getrunken und verursachen alljährlich volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 26,7 Milliarden Euro. „Obwohl Erkenntnisse über das Suchtpotenzial von Alkohol in der Gesellschaft inzwischen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hodgkin-Lymphom und multiples Myelom: Vielversprechender Deacetylasehemmer"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.