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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
30. Oktober 2008

Hochintensiv fokussierter Ultraschall (HIFU) - Effektive Therapieoption beim lokalisierten Prostatakarzinom

Die Applikation von hochintensivem fokussierten Ultraschall (HIFU) ist eine effektive Therapieoption für Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom. Studienergebnisse mit einem Follow-up von bis zu 8 Jahren belegen, dass die minimal-invasive Methode auch langfristig mit einer hohen Überlebensrate und einem niedrigen Komplikationsrisiko assoziiert ist [1,2]. Aufgrund der soliden Datenlage hat die französische Gesellschaft für Urologie (AFU) in ihren aktuellen Empfehlungen für die Behandlung uro-onkologischer Erkrankungen den Einsatz von HIFU als Primärtherapie des lokalisierten Prostatakarzinoms ausdrücklich befürwortet [3]. Nach Auffassung der Expertengruppe können insbesondere Patienten über 70 Jahre mit einem lokal begrenzten Prostata-Ca (T1-T2, Gleason-Score ≤ 7, PSA ≤ 15 ng/ml) von dem innovativen Verfahren profitieren. Die Erfolgsraten entsprechen denen einer Radiatio oder Prostatektomie – bei rascherer Erholung und besserer Lebensqualität.
Für die Bewertung der HIFU-Therapie beim Prostatakarzinom hat die französische Expertengruppe die Ergebnisse von 37 Artikeln oder Abstracts aus den Jahren 2005 bis 2007 analysiert [1]. Die systematische Auswertung der Daten führte dazu, dass die AFU weltweit als erste Fachgesellschaft die HIFU-Methode als Primärtherapie empfiehlt. Die in den Studien eingeschlossenen Patienten waren durchschnittlich 70 Jahre alt und hatten ein Prostatakarzinom im Stadium T1-T2 N0M0. Der Gleason-Score lag unter 7, das PSA (Prostata-spezifisches Antigen) betrug maximal 28 ng/ml, das Prostatavolumen weniger als 40 ml. Alle Patienten wiesen Kontraindikationen für eine radikale Prostatektomie auf. Von den 37 ausgewerteten Studien waren 25 unter Einsatz der Ultraschallsonde AblathermTM durchgeführt worden. Mit AblathermTM wurden in den meisten Studien (51 bis 96%) nach 3 Monaten bei 80 bis 90% der Patienten negative Biopsieraten erzielt. Mit dem Vergleichsprodukt wurde in 64 bis 87% der Fälle eine negative Biopsie dokumentiert. Der PSA-Nadir wurde bei den meisten Patienten innerhalb von 3 bis 4 Monaten nach HIFU-Therapie erreicht. Nach der Behandlung mit AblathermTM fiel der Nadir-Spiegel des Serum-PSA bei 42 bis 84% der Männer auf Werte unter 0,5 ng/ml. Für die Vergleichssonde liegen keine PSA-Nadir-Daten vor.

Hohe Überlebensraten im Langzeitverlauf
Für die AblathermTM-Ultraschallsonde wurden in den analysierten Studien krankheitsfreie Überlebensraten von 60 bis 70% nach 5 Jahren und 61% nach 7 Jahren berichtet [1]. In einer aktuellen Studie wurden erstmals auch die Ergebnisse von 140 Patienten vorgestellt, die über einen Zeitraum von bis zu 8 Jahren nachbeobachtet worden sind [2]. Der PSA-Wert wurde 3 Monate nach der HIFU-Therapie bestimmt und danach alle 6 Monate. Nach der Behandlung sank das PSA durchschnittlich auf 0,16 ng/ml. Der Nadir-Spiegel des Serum-PSA wurde nach 4,9 Monaten erreicht und betrug im Mittel 0,62 ng/ml. Bei 68,4% der Patienten lag er unterhalb von 0,5 ng/ml. Bei der letzten Messung betrug der mittlere PSA-Wert 1,9 ng/ml. Bei 132 der Studienteilnehmer wurden während der Nachbeobachtungszeit Kontrollbiopsien durchgeführt. Diese waren bei 114 Patienten (86,4%) negativ. Nach 5 Jahren lebten noch 90% der Männer, nach 8 Jahren noch 83%. Die Prostatakrebs-spezifische Überlebensrate betrug 100% nach 5 Jahren und 98% nach 8 Jahren. Nur ein Patient (0,7%) verstarb an metastasierenden Prostatakrebs. Bei 59% der Studienteilnehmer zeigten sich auch nach 7-jähriger Nachbeobachtungszeit keinerlei Hinweise für ein Wiederauftreten des Tumors. Die biochemisch rezidivfreie Überlebensrate betrug 5 und 7 Jahre nach dem HIFU-Eingriff 77 bzw. 69%. Nur 21 Patienten (15%) benötigten nach der HIFU-Behandlung eine Hormontherapie oder eine Bestrahlung der Prostata als Salvage-Therapie.

Im Vergleich zu anderen etablierten Therapieverfahren beim lokalisierten Prostatakarzinom geht die Behandlung mit transrektalem HIFU mit einer geringeren Komplikationsrate einher [1,2]. Als minimal-invasive Methode führt HIFU gegenüber der Prostatektomie zu einer schnelleren Erholung und kürzeren Krankenhausaufenthalten. Nach dem Eingriff kommt es seltener zu Harninkontinenz und erektiler Dysfunktion. Die französischen Forscher raten dazu, vor der HIFU eine TUR-P durchzuführen [1]. Die vorgeschaltete TUR-P verkleinert die Drüse und verringert das Risiko eines Harnverhaltes.

„Nach über 10 Jahren Erfahrung mit der HIFU Behandlung mit AblathermTM können wir mit unseren Behandlungsergebnissen die Entscheidung der AFU begrüßen, diese unterstützen und hoffen, dass derselbe Standard europaweit umgesetzt wird“, so Prof. Wolf F. Wieland, Direktor der Urologischen Universitätsklinik Regensburg. Als ideale Indikation für HIFU als Primärtherapie werden ältere Patienten (≥ 70 Jahre) mit Prostata-Ca (T1-T2 N0M0), einem Gleason-Score <7, einem PSA-Wert von <15 ng/ml und einem Drüsenvolumen von <40 ml erachtet, die für eine Operation nicht geeignet sind oder diese ablehnen [1].

Quelle: 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Stuttgart, 12.9.2008
[1] Rebillard X et al. BJU Int 2008; 101: 1205-1213
[2] Blana A et al. Eur Urol 2008;53:1194-1203
[3] Progrès en Urologie, vol. 17., Nr. 6, November 2007; mité de Cancérologie de l’Association Française d’Urologie ; Recommandations 2007 en Onco-Urology ; ISDN 1761-676X


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