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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
23. April 2010

Gynäkologische Krebszentren zur Leitlinienorientierten und qualitätsgesicherten Behandlung

Stefan Buchholz, Gynäkologisches Krebszentrum der Frauenklinik der Universität Regensburg.
Ziel der Gynäkologischen Krebszentren ist eine Leitlinien-orientierte und qualitätsgesicherte Behandlung der Patientinnen mit Genitalmalignomen. Dem zugrunde liegt der gesetzliche Anspruch im SGB V Paragraph 135a, der vorsieht, dass die Leistungserbringer die Leistungen dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis und in der fachlich gebotenen Qualität erbringen. Jährlich erkranken ca. 30.000 Patientinnen an einem Genitalmalignom. Das Therapiekonzept ist komplex und involviert eine Reihe von Fachdisziplinen, die hier interdisziplinär zusammenarbeiten. Die Implementierung des Brustzentrums als eines der ersten Organzentren hat den Vorteil hinsichtlich der Ergebnisqualität einer durchgeführten Therapie im Rahmen eines Zentrums belegt.
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Zur Verbesserung der Versorgungsqualität der Patientinnen mit Genitalmalignomen wurden 2009 die ersten Gynäkologischen Krebszentren zertifiziert. Die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Regensburg unter der Leitung von Prof. Dr. Ortmann war eines der ersten zertifizierten Zentren in Deutschland. Diese Zentrumsbildung erfolgte analog zu den der bereits seit einigen Jahren eta-blierten Brustzentren. Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) hatte in Kooperation mit anderen Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe im Vorfeld zur Zertifizierung „Gynäkologisches Krebszentrum“ fachübergreifend einen Kriterienkatalog für die Behandlung von Frauen mit gynäkologischen Krebserkrankungen erarbeitet. Nur wenn eine Klinik alle Anforderungen erfüllt, erhält sie das Gütesiegel.

Definition, Ziele und Aufgaben

Das Konzept des Gynäkologischen Krebszentrums (GKZ) ist abgebildet im Erhebungsbogen (AGO) zusammen mit den Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Die Frauenklinik bildet den Kern des Gynäkologischen Krebszentrums. Es behandelt Patientinnen mit Genitalmalignomen und verfügt über die dafür erforderlichen diagnostischen, therapeutischen als auch personellen, logistischen und strukturellen Möglichkeiten. Ziel des Zentrums ist die Leitlinien-orientierte und qualitätsgesicherte Behandlung der Patientinnen mit Genitalmalig-nomen. Ein zentraler Bestandteil des Genitalkrebszentrums ist die Weiterbildung für den Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie, welche die Weiterbildungsverordnungen der Landesärztekammern und die internationalen Anforderungen der European Society of Gynecology (ESGO) beinhaltet. Voraussetzung für ein GKZ ist die Durchführung von klinischen Studien.

Personelle Voraussetzungen

Im GKZ sollten mindestens zwei Gynäkologen mit der Schwerpunktbezeichnung Gynäkologische Onkologie tätig sein. Sie sind für die ganzheitliche Versorgung und die operative und medikamentöse Therapie verantwortlich. Die Anzahl der in Weiterbildung befindlichen Ärzte richtet sich nach der Größe der Institution und der Zahl der erbrachten Leistungen. Derzeit haben in Deutschland ca. 130 Ärzte die Schwerpunktbezeichnung Gynäkologische Onkologie. Der Bedarf an Gynäkologischen Onkologen liegt gemessen an der Anzahl der zu implementierenden Zentren bei ca. 430 Ärzten mit der Anerkennung des Schwerpunkts.

Leistungszahlen

Die Anforderung der zu operierenden Patientinnen mit Genitalmalignomen im GKZ sind für die Erstzertifizierung mit 75 Fällen definiert. Hierfür sind mindestens 50 Primärfälle notwendig. Primärfälle sind definiert als Patientinnen, die erstmalig mit einer Neudiagnose oder erstmalig in der metastasierten Situation im GKZ behandelt werden. Nach der Erstzertifizierung müssen 100 Patientinnen, davon 75 primär Fälle mit Genitalmalignomen, behandelt werden. Neben der operativen Behandlung beträgt die Gesamtzahl der jährlich medikamentös behandelten Patientinnen mit Genitalkarzinom 25.

Kooperationspartner und Vernetzung

Die Kernbereiche in Diagnostik und Therapie müssen in Verbund verfügbar sein. Dies bedeutet nicht, dass sie innerhalb der Institution lokalisiert sein müssen. Zu den wesentlichen Kooperationspartnern bzw. der Netzwerkstruktur zählen neben den etablierten Abteilungen eines Akutkrankenhauses die Palliativtherapie, onkologische Pflege, psychoonkologische Betreuung, die Strahlentherapie und die medikamentöse Onkologie.
Im Rahmen dieser Vernetzung sind die regelmäßige Durchführung von interdisziplinären Tumorkonferenzen, die Partizipation von Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte, Pflege und Psychoonkologie eine wichtige organisatorische Voraussetzung. Die genannten Strukturen sollten in einem der bekannten Qualitätsmanagementsysteme eingebettet sein. Die erhobenen Daten des GKZ sind in ein Tumorregister einzubringen und müssen dem Erhebungsbogen der AGO/DGGG/DKG entsprechend ab dem ersten Re-Audit im Sinne der Qualitätssicherung inklusive der Nachbeobachtung vorhanden sein.

Das Gynäkologische Krebszentrum der Frauenklinik der Universität Regensburg

Als eines der ersten 10 Pilotzentren in Deutschland werden am GKZ in Regensburg über 300 Patientinnen mit Genitalmalignomen behandelt. An dem Zentrum werden neben der primären Operation auch Rezidivioperationen durchgeführt. In der onkologischen Tagesklinik werden bei Patientinnen mit Genitalmalignomen die medikamentösen Therapien appliziert. Im Gynäkologischen Krebszentum der Frauenklinik sind die geforderten Vorgaben gut implementiert.


Abstract

Stefan Buchholz, Gynäkologisches Krebszentrum der Frauenklinik der Universität Regensburg.
Treatment of genital cancer combines surgery, chemotherapy and radiation. In order to improve treatment outcome Genital cancer centers where established. In 2009 the Arbeitsgemeinschaft für Onkologie (AGO) certified 10 centers in Germany. In order to be certified as a center of high level of excellence, a trained medical and non medical staff, a certain amount of patients who have been treated and psychological treatment offers have to be present at the site. The goal is to raise the efficacy of the treatment and do decrease the mortality of patients with genital cancers.
Keywords: genital cancer center, efficacy


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Dr. med. Stefan Buchholz
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Universität Regensburg am Caritas-Krankenhaus St. Josef
Landshuter Straße 65
93053 Regensburg
Tel.: 0941/782-3410
Fax: 0941/782-3415
Mail: sbuchholz@caritasstjosef.de

Quelle:


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