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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. November 2020 Medical Need bei gastrointestinalen Tumoren: Immuntherapie mit Nivolumab als experimentelle Perspektive

Für die meisten Patienten mit metastasierten gastrointestinalen (GI) Tumoren ist eine Chemotherapie momentan die einzige verfügbare Therapieoption. Ab der zweiten Therapielinie bieten Chemotherapien jedoch meist nur noch wenig Nutzen für diese Patienten (1). Die Immuntherapie mit Nivolumab (Opdivo®) hat sich mittlerweile bei 6 Tumorentitäten bewährt (2). Das therapeutische Potenzial des Checkpoint-Inhibitors, der 2015 als erster PD-1-Inhibitor in Europa zugelassen wurde, ist hier möglicherweise noch nicht ausgeschöpft.
Der PD-1-Inhibitor Nivolumab kann in dieser Wirkstoffklasse die längste Erfahrung vorweisen: Verglichen mit bisherigen Therapiestandards ließ sich in klinischen Studien mit der Immuntherapie in einem breiten Indikationsspektrum eine Chance auf ein Langzeitüberleben bei insgesamt guter Verträglichkeit ermöglichen (3-9). Nivolumab wird bei einigen weiteren Tumorentitäten untersucht (10). Ein besonders hoher medizinischer Bedarf besteht beim fortgeschrittenen oder metastasierten Plattenepithelkarzinom des Ösophagus – einem Tumor mit sehr schlechter Prognose. Für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung gibt es bislang wenige Optionen (11).

Aktuelle Therapieoptionen beim Ösophaguskarzinom

Beim Ösophaguskarzinom werden his-tologisch 2 Subtypen unterschieden, das Adenokarzinom (esophageal adenocarcinoma, EAC) und das Plattenepithelkarzinom (esophageal squamous cell carcinoma, ESCC) (11). Laut aktueller S3-Leitlinie soll beim nicht resezierbaren Ösophaguskarzinom als palliative Erstlinie beim EAC eine Chemotherapie als Dreifach- oder Zweifachkombination eingesetzt werden, beim ESCC kann eine Zweifachkombination angeboten werden. In der Zweitlinie werden beim EAC Ramucirumab und Paclitaxel empfohlen. Für ESCC ist aufgrund der geringen Studienevidenz derzeit keine Substanz zugelassen. Die verfügbaren Chemotherapeutika sind mit geringem Langzeitüberleben und Toxizitäten assoziiert (11,12). Da es somit keine spezifische Empfehlung gibt, herrscht hier ein hoher, ungedeckter medizinischer Bedarf (11).
 
 
Rückblick auf Highlights des ESMO Congress 2020

Die Highlights des virtuellen ESMO Congress fassen Experten der verschiedenen Tumorentitäten zusammen. Die Videos sind nach dem Kongress abrufbar unter www.esmo-today.de.

Zweitlinie ESCC – Studiendesign ATTRACTION-3

Der Einsatz von Nivolumab als Monotherapie beim nicht-resezierbaren fortgeschrittenen oder rezidivierten ESCC wird in einer multizentrischen, randomisierten Phase-III-Studie untersucht (Abb. 1) (13). Die Patienten erhalten randomisiert eine Nivolumab-Monotherapie oder Docetaxel bzw. Paclitaxel. Primärer Endpunkt ist das Gesamtüberleben (13).
 
Abb. 1: Design der Phase-III-Studie ATTRACTION-3 zur Behandlung von Patienten mit nicht-resezierbarem, fortgeschrittenem oder rezidiviertem Plattenepithelkarzinom des Ösophagus (ESCC) nach Versagen einer Standard-Chemotherapie (mod. nach (13)). aRegion (Japan vs. Rest der Welt), Anzahl der Organe mit Metastasen (≤ 1 vs. ≥ 2) und PD-L1-Expression (≥ 1% vs. ≤ 1%), 1:1 Randomisierung, bBis zur dokumentierten Progression, Rücknahme des Einverständnisses, zum Abbruch aufgrund von Toxizität oder zum Studienende, DCR=Krankheitskontrollrate, DoR=Dauer des Ansprechens, ECOG-PS=Eastern Cooperative Oncology Group Performance Status, HRQoL=Gesundheitsbezogene Lebensqualität, i.v.=intravenös, ORR=Gesamtansprechrate, OS=Gesamtüberleben, PD-L1=programmed cell death ligand 1, PFS=progressionsfreies Überleben, Q1W=wöchentlich, Q2W=alle 2 Wochen, Q3W=alle 3 Wochen, TTR=Zeit bis zum Ansprechen
Lupe
Design der Phase-III-Studie ATTRACTION-3


Mit freundlicher Unterstützung der Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA

Martina Freyer

Literatur:

(1) Turkes F et al. J Gastroenterol 2020; doi: 10.1007/s00535-020-01710-x.
(2) Fachinformation Opdivo®. Aktueller Stand.
(3) Ascierto PA et al. JAMA Oncol 2019;5(2):187-94.
(4) Siefker-Radtke AO et al. J Clin Oncol 2019; 37(15_suppl):4524-4524.
(5) Ferris RL et al. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2018;100(5):1317.
(6) Larkin J et al. N Engl J Med 2019;381(16): 1535-46.
(7) Gettinger S et al. Australian Lung Cancer Conference (ALCC) 2020. Poster.
(8) Antonia SJ et al. Lancet Oncol 2019;20(10): 1395-408.
(9) Motzer RJ et al. J Clin Oncol 2020;38­(6_suppl):617-617.
(10) https://clinicaltrials.gov/ct2/results?cond=&term=nivolumab
(11) S3-Leitlinie Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome des Ösophagus, AWMF Registernummer: 021/023O.
(12) Jimenez P et al. J Gastrointest Oncol 2011; 2(4):240-9.
(13) Thuss-Patience P et al. Oncol Res Treat 2020;43(suppl 1):67, Poster 788.


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