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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
28. Juni 2004

Follikuläres Non-Hodgkin-Lymphom: Hohe Ansprechraten auf Radioimmuntherapie auch bei ausgiebig vorbehandelten Patienten

Monoklonale Antikörper sind in den letzten Jahren mit Erfolg in die Therapie maligner Lymphome eingeführt worden. Da lymphatische Zellen sehr strahlensensibel sind, kombiniert eine Radioimmuntherapie die Vorteile der Strahlen- und Immuntherapie. Insbesondere bei follikulären Lymphomen hat die Radioimmuntherapie auch bei ausgiebig vorbehandelten Patienten eine hohe Wirksamkeit gezeigt. Derzeit werden der Beta/Gammastrahler Jod-131 und der reine Betastrahler Yttrium-90 eingesetzt, die an einen B-Zell-Antikörper gekoppelt sind. Für die Behandlung rezidivierter oder refraktärer follikulärer Non-Hodgkin-Lymphome ist in Deutschland seit April 2004 der durch den Chelator Tiuxetan an Yttrium-90 gekoppelte monoklonale Anti-CD20 Antikörper Ibritumomab (Zevalin®) verfügbar.
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Vor einer Radioimmuntherapie wird eine Tumorreduktion durch Chemotherapie angestrebt, erläuterte Prof. Lorenz Trümper, Göttingen. Um Strahlenschäden möglichst gering zu halten und eine größere Anreicherung im Tumor zu erzielen, führt man außerdem ein „Pretargeting“ mit kalten Antikörpern durch, bei dem die zirkulierenden CD20-Zellen markiert werden. Das Behandlungsschema besteht aus zwei intravenösen Gaben von Rituximab an Tag 1 und Tag 8 sowie einer intravenösen Applikation von 90Y-markiertem Zevalin® an Tag 8 über einen Zeitraum von 10 Minuten bis zu einer Maximaldosis von 1200 MBq.

Auch Rituximab-refraktäre Patienten profitieren
In den USA ist Yttrium-90-markiertes Ibritumomab-Tiuxetan bereits seit Februar 2002 zugelassen. Eine Behandlung mit dem Radioimmuntherapeutikum ist nach Aussagen von Dr. O. Dillmann Newport Beach/USA vergleichbar effektiv wie 6-8 Zyklen Chemotherapie. Auch Patienten mit follikulärem Lymphom, die als Rituximab-refraktär eingestuft wurden, zeigten in einer Studie (n=54) noch eine Ansprechrate von 74%, die TTP für Responder lag bei 8,7 Monaten. Wahrscheinlich, so Dillmann, ist dies darauf zurückzuführen, dass die Radioimmuntherapie die sich schnell teilenden Zellen eliminiert und die nachfolgenden Zellen wieder Rituximab-sensibel sind.
Einen großen Vorteil sieht Dillmann darin, dass Yttrium-90 ein reiner Betastrahler ist, da dies eine ambulante Therapie ermöglicht, wie sie in den USA und anderen europäischen Ländern bereits praktiziert wird. Wie Strahlungsmessungen gezeigt haben, ist die Strahlenbelastung für Personen in unmittelbarer Umgebung der Patienten vergleichbar mit der eines 4-stündigen Transatlantikflugs, erklärte Dr. Lilli Geworski, Berlin. In Deutschland ist aufgrund der Strahlenschutzbestimmungen derzeit noch ein 2-tägiger stationärer Aufenthalt notwendig.
Die dosislimitierende Toxizität ist eine Knochenmarksuppression, die maximal tolerierte Dosis lag in einer multizentrischen Phase-I/II-Studie mit 51 Patienten bei 0,4 mCi/kg. Eine niedrigere Dosis (0,3 mCi/kg), wie sie für Patienten mit milder Thrombozytopenie empfohlen wird, erwies sich in einer Phase-I-Studie als ebenso wirksam.
Wie Dillmann ausführte, ist die Ansprechrate abhängig von der Tumorgröße und von der Anzahl vorangegangener Chemotherapien. Patienten, die nur eine Chemotherapie zuvor erhalten hatten, wiesen höhere partielle und komplette Responseraten auf als jene mit mehreren Chemotherapien im Vorfeld. Er plädierte daher für den frühen Einsatz von Zevalin® nach initialer Chemotherapie.
Für einen frühzeitigen Einsatz als Zweitlinientherapie bei Patienten mit follikulärem NHL sprach sich auch Prof. Norbert Schmitz, Hamburg aus. Eine Rationale lieferte eine Analyse bei 169 Patienten, wo die Remissionsrate von 79,3% bei Patienten mit mehr als zwei Vortherapien auf 90,3% bei Patienten mit nur einer Vorbehandlung anstieg. Auch die Rate kompletter Remissionen erhöhte sich signifikant von 30,2 auf 54,7%.
Weitere mögliche Indikationen von Zevalin®, die derzeit in Studien geprüft werden, sind das Mantelzell-Lymphom. das diffus-großzellige NHL sowie die Hochdosisitherapie in Kombination mit Chemotherapie und nachfolgender Stammzelltransplantation. Wichtigste Einschränkungen für den Einsatz des Radioimmuntherapeutikums sind laut PD Dr. Christoph von Schilling, München, eine sich erschöpfende Knochenmarkreserve und eine ausgeprägte Knochenmarkinfiltration. Auch bei Patienten mit rascher Progression und > 3 systemischen Vortherapien müsse man von einer geringen Ansprechrate ausgehen.

RIT-Register
Künftig werden Patientendaten zur klinischen Vorbehandlung, zu Vorerkrankungen und Komorbidität in einem Internet-gestützten RIT-Register gesammelt und in Korrelation zum therapeutischen Ergebnis ausgewertet. Mit Hilfe des RIT-Registers sollen die Patienten identifiziert werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Radioimmuntherapie mit Zevalin® profitieren, erklärte Dr. Jürgen Wehmeyer, Münster. Für die Teilnahme am RIT-Register können sich Hämatologen und Nuklearmediziner unter www.rit-deutschland.de anmelden.

as

Quelle: Wissenschaftliches Symposium zur Radioimmuntherapie: Einführung von Zevalin®, München, 1.Mai 2004.
Eine neue Studie zur Wirksamkeit von Zevalin® in der 2nd-Line Therapie, die auf dem 9. Kongress der European Hematology Association vorgestellt wurde, finden Sie unter:
www.journalonko.de (Infos für Ärzte)


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