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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
03. August 2015

Febuxostat bei Tumorlyse-Syndrom zugelassen

Seit mehreren Jahren hat es erstmals wieder eine Zulassung für das Tumorlyse-Syndrom (TLS) gegeben: Im April erfolgte die Erweiterung der Indikation von Febuxostat (Adenuric®) 120 mg für die Vorbeugung und Behandlung einer Hyperurikämie bei Patienten mit hämatologischen Malignomen, die eine Chemotherapie mit mittlerem bis hohem TLS-Risiko erhalten.

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Das Tumorlyse-Syndrom ist ein onkologischer Notfall, der zum Multiorganversagen führen kann. Zugrunde liegt der rasche Zerfall einer Vielzahl von Krebszellen, der die schnelle Freisetzung von großen Mengen Kalium und Phosphat bewirkt. Letzteres bindet an Kalzium, so dass Kalziumphosphatkristalle entstehen. Zugleich wird durch den DNA- sowie einhergehenden Purinabbau Harnsäure gebildet, die ebenfalls als Kristalle ausfallen kann.

Typisch sind laut Prof. Monika Reuss-Borst, Bad Kissingen, Hyperkaliämie, Hypokalzämie und Hyperphosphatämie, hinzu kommt die Ausschüttung von Zytokinen (1). Zu den Folgen gehören Nierenfunktionsstörungen bis hin zum akuten Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen, Muskelkrämpfe, epileptische Anfälle, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe und Müdigkeit (2).

Besonders hoch ist das Risiko gemäß Reuss-Borst bei großer Tumormenge und hoher Proliferationsrate sowie Chemosensitivität, d.h. hochmalignen Lymphomen und akuten Leukämien. Das TLS kann jedoch auch bei soliden Tumoren oder anderen Behandlungen, etwa Strahlen- oder Biologika-Therapie, auftreten (3).

 

Febuxostat in der TLS-Prophylaxe

Die Prävention und Therapie richtet sich nach dem TLS-Risiko, bei dem u.a. die Tumorzellmasse und die Zellteilungsrate (LDH, Ki-67) eine Rolle spielen (1). Ab einem mittleren Risiko kann in der Prävention ein Xanthinoxidase-Hemmer zum Einsatz kommen, der den Abbau von Purin zu Harnsäure inhibiert. Hierfür stand bislang nur Allopurinol zur Verfügung, jetzt ist Febuxostat eine Alternative.

In der Zulassungsstudie konnte Febuxostat (120 mg) gegenüber Allopurinol (200, 300, 600 mg) bei Patienten mit mittlerem bis hohem TLS-Risiko unter Chemotherapie die Harnsäurewerte von Tag 1 bis 8 signifikant stärker senken (p<0,0001) (4). Bei der Häufigkeit der TLS zeigte sich keine Überlegenheit, doch laut Reuss-Borst hätte bei dem TLS-Risiko die Patientenzahl (n=346) womöglich höher sein müssen, um Unterschiede zu ergeben. Einen wichtigen Vorteil von Febuxostat sieht sie – neben der effektiveren Harnsäuresenkung – darin, dass bei leichter oder mittlerer Niereninsuffizienz keine Dosisanpassung notwendig ist-

Petra Eiden (pe)

Quelle: Interdisziplinärer Harnsäuregipfel „Lösung in Sicht bei Symptomatischer Hyperurikämie und jetzt auch beim Tumorlyse-Syndrom“, 23.06.2015, Berlin; Veranstalter: Berlin-Chemie

Literatur:

(1) Howard SC et al. N Engl J Med. 2011; 364(19):1844-54.
(2) Pession A et al. Biologics. 2008;2(1):129-41.
(3) Vodopivec DM et al. Case Rep Med 2012: 468452.
(4) Spina M et al. J Clin Oncol 32:5s, 2014 (suppl; abstr 9641^).


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