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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
23. April 2010

Expertenkonsensus zur Tumorschmerztherapie: Optimierung − erforderlich und erreichbar

„Patienten mit chronischen Tumorschmerzen werden in Deutschland nach wie vor nicht optimal versorgt. Defizite bestehen insbesondere im unzureichenden Einsatz von Opioiden. Trotz zahlreicher Präparate und Möglichkeiten werden die Neuentwicklungen und Verbesserungen der letzten Jahre derzeit zu wenig eingesetzt“, so der Tenor der Experten [1], die sich unter dem Vorsitz von Dr. Michael Zimmermann, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt/Main, im letzten Jahr zu einem Experten-Workshop trafen [2].
In der Therapie chronischer Tumorschmerzen erweisen sich Opiate, die als reine µ-Agonisten wirken, als besonders vorteilhaft. Neben der fehlenden Höchstdosisbeschränkung verfügen sie über die Möglichkeit der adäquaten Titration sowie eine hohe therapeutische Breite. Vor allem Präparate, die keine aktiven Metaboliten aufweisen und sich durch ein geringes Interaktionspotential auszeichnen, wie zum Beispiel Jurnista®, seien zu empfehlen. Denn in der Regel nehmen die Patienten neben einer Basistherapie vielfältige Medikamente zur Symptomkontrolle ein. Aufgrund dieser Polypharmakotherapie besteht ein erhöhtes Risiko von Interaktionen, das durch die Wahl des geeigneten Analgetikums minimiert werden kann. Die Polypharmakotherapie bringt eine weitere Problematik mit sich: Mit der Anzahl der Tabletten sinkt auch die Compliance. So resümiert zum Beispiel die WHO, dass die Einnahmefrequenz ein Haupthindernis sei, eine Therapie adäquat umzusetzen, und dass vereinfachte Regime helfen könnten, Behandlungspläne zu verwirklichen [3].
Auch ein gleichmäßiger Wirkstoffspiegel sei eine wichtige Voraussetzung für eine konstante und effektive „Rund-um-die-Uhr“-Analgesie, so die Expertenrunde. Aufgrund seiner innovativen Galenik verfügt OROS®-Hydromorphon (Jurnista®) über diese Eigenschaft: mit einer über 24 Stunden kontinuierlichen Schmerztherapie kann es das Therapieziel „Lückenlose Schmerztherapie“ ermöglichen.
Das OROS®-Hydromorphon zeichnet sich durch eine gute Verträglichkeit aus [4,5]. Zudem belegt die Head-to-Head-Studie von Hanna et al. [6], dass OROS®-Hydromorphon und die Referenzsubstanz Morphin in der Behandlung chronischer Tumorschmerzen nicht gleichwertig sind. In der ersten Phase erhielten die Probanden IR (Immediate Release, unretardiertes) Hydromorphon oder IR Morphin. Im zweiten Schritt erfolgte die Umstellung auf OROS®-Hydromorphon und retardiertes Morphin. Dabei wies OROS®-Hydromorphon bei der analgetischen Wirksamkeit Vorteile auf. So dokumentierte der Brief Pain Inventory (BPI) zwar eine gleichmäßige Schmerzlinderung, die jedoch unter OROS®-Hydromorphon tendenziell besser war als unter retardiertem Morphin. Die Analyse weiterer Daten belegte, dass OROS®-Hydromorphon auch hinsichtlich des sekundären Endpunkts „stärkste Schmerzen am Abend“ signifikant wirksamer als eine zwei Mal tägliche Gabe von retardiertem Morphin war.
Chronische Schmerzen gehen oft mit Schlafstörungen bzw. einer Schlaffragmentation einher [7]. Diese schmerzbedingten Schlafstörungen ziehen häufig eine verminderte Tagesfrische nach sich. Ein gleichmäßiger Plasmaspiegel, wie bei OROS®-Hydromorphon, kann helfen, Durchbruchschmerzen zu vermeiden und so dazu beitragen, der Schlaffragmentation entgegenzuwirken. In einer Studie [8], in der die Schlafqualität mit dem MOS (Medical Outcome Study – Sleep Assessment Questionnaire) an 140 opioid-(WHO-III)-naiven Patienten erhoben wurde, wiesen die mit OROS®-Hydromorphon behandelten Schmerzpatienten im Vergleich zu den mit Oxycodon behandelten Probanden im MOS-Index I eine signifikant bessere Schlafqualität auf. Ein vergleichbares Ergebnis erbrachte eine weitere Studie [9] an Patienten mit chronischen Tumorschmerzen: Unter OROS®-Hydromorphon konnte ein deutlich besserer Schlafindex als unter der Vortherapie erzielt werden.
Eine Umstellung auf OROS®-Hydromorphon ist unkompliziert und benötigt in der Regel nur wenige Titrationsschritte [10,11].

Literatur:

1. Dr. Matthias Thöns, Facharzt für Anästhesiologie und Palliativmediziner in Bochum; Prof. Dr. Rainer Sabatowski, Leiter der Schmerzambulanz am Universitätsklinikum Dresden; Dr. Kuno Güttler, Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie am Institut für Pharmakologie am Universitätsklinikum Köln; Dr. Wolfgang Schwarz, Ärztlicher Leiter am St. Marianus Zentrum für Schwerstkranke in Bardowick; Dr. Torsten Kamp, niedergelassener Internist, Onkologe, Hämatologe, Wendlingen.
2. TumorDiagnostik & Therapie, Supplement 1 Februar 2010.
3. Sabaté E (editor). Adherence to long-term therapies: evidence for action. Geneva, Switzerland: World Health Organization 2003.
4. Sarhill N et al. Support Care Cancer 2001; 9: 84–96.
5. Hale M et al. Clin Ther 2007; 29: 874–888.
6. Hanna M et al. BMC Palliative Care 2008; 7: 17.
7. Turk DC et al. Pain, 137: 276-285.
8. Hale M et al. Clin Ther 2007; 29 (5): 874–888.
9. Wallace M et al.CurrMed Res Opin 2007; 23 (5): 981–989.
10. Palangio M et al. J Pain Symptom Manage 2002; 23 (5): 355–368.
11. Wallace M et al. J Int Med Res 2008; 36 (2): 343–352.

Quelle:


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