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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. August 2006 Evidenzbasierte Anwendung von Goserelin

Mammakarzinom/Prostatakarzinom

Mit dem LHRH-Analogon Goserelin steht in der Hormontherapie des hormonsensitiven Mammakarzinoms prämenopausaler Frauen ein außerordentlich gut untersuchtes Medikament zu Verfügung, dessen Wirksamkeit in 6 Phase-III-Studien mit über 7000 Patientinnen belegt wurde und das damit den Stellenwert der medikamentösen Ovarialsuppression begründet hat. Das Medikament hat beim Prostatakarzinom einen noch weit höheren Stellenwert, denn das Prostatakarzinom ist nahezu durchgängig einer Androgensuppression zugänglich. Die signifikanten Vorteile einer zusätzlichen Gabe von Goserelin hinsichtlich der Überlebensparameter wurden beim Prostatakarzinom nach radikaler Prostatektomie bei Nodalbefall und nach Bestrahlung in 6 Phase-III-Studien mit zusammen über 4200 Patienten nachgewiesen. Die Kombination von Goserelin mit dem Antiandrogen Bicalutamid gilt heute als Standard der maximalen Androgenblockade beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom.
Goserelin (Zoladex®), als erstes Depotpräparat eines LHRH-Analogons eingeführt, unterdrückt durch Hyperstimulation hypophysärer Rezeptoren die Hormonproduktion der Ovarien. Es blockiert damit bei hormonabhängig wachsenden Krebszellen den Wachstumsstimulus. Somit bietet sich das Ausschalten der Ovarialfunktion als erster Therapieschritt bei hormonabhängigem Brustkrebs und fehlendem Remissionsdruck an, konstatierte Prof. Bernd Gerber, Rostock in einem Pressegespräch der Firma AstraZeneca*. Vor dem Hintergrund neuerer Studien sei es ratsam, beim metastasierten Mammakarzinom die Ovarialsuppression mit der Gabe von Tamoxifen, Aromatasehemmern oder Fulvestrant zu kombinieren, anstatt jeweils nur eine der genannten Substanzen als Monotherapeutikum einzusetzen.

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In keiner Studie zum hormonsensitiven Mammakarzinom war die Chemo- der Hormontherapie überlegen
In einer Vielzahl von Phase-III-Studien ließ sich nachweisen, dass beim hormonsensitiven Mammakarzinom die endokrine Therapie bezüglich der Wirksamkeit einer Chemotherapie mit CMF gleichwertig ist. „Niemals hat sich eine Überlegenheit der Chemotherapie über die endokrine Therapie gezeigt,“ stellte Gerber fest. Hinzu kommt das günstigere Nebenwirkungsprofil der Hormonbehandlung. Bei jüngeren Frauen bewirkt die medikamentöse Ovarialsuppression für 2 bis 3 Jahre nach abgeschlossener Chemotherapie ein längeres rezidivfreies Überleben.
Expertengremien empfehlen derzeit, alle hormonsensitiven prämenopausalen Patientinnen mit Lymphknotenbefall nach der Chemotherapie einer mindestens 2jährigen Therapie mit Goserelin (mit oder ohne Tamoxifen) zu unterziehen. Jüngeren hormonsensitiven Frauen ohne Befall der Lymphnodi wird eine 2 bis 3jährige endokrine Kombinationstherapie mit Goserelin plus Tamoxifen angeraten. Die alleinige Therapie mit dieser Kombination wird in den derzeit aktuellen Therapieempfehlungen immer häufiger hormonsensitiven Frauen mit geringem Rezidivrisiko angeboten.

Risikoadaptiert sofortige kombinierte Hormontherapie beim Prostatakarzinom
Seitdem der PSA-Test auf breiterer Basis angewendet wird, lässt sich das Prostatakarzinom immer öfter in einem noch lokal begrenzten Stadium diagnostizieren. Dennoch ist bei einem Teil der Patienten der Tumor aber bereits lokal fortgeschritten und bedarf eines weiteren Therapieschritts. Liegen große und prognostisch ungünstige Tumoren vor, ist vor der Strahlenbehandlung eine neoadjuvante Hormontherapie über 3 Monate angezeigt. Zusätzlich indiziert ist eine adjuvante Hormongabe über 2 Jahre, die mit der Radiotherapie gestartet wird, meinte Prof. Thomas Ebert, Fürth.
Als sinnvolle Maßnahme gilt die adjuvante endokrine Therapie nach Prostatektomie, wenn die Samenblase befallen ist, der Tumor einen Gleason-Score über 7 aufweist oder der initiale PSA-Wert über 20 ng/ml liegt. Sind Lymphknoten befallen, ist die adjuvante Hormontherapie unabdingbar. Wird erwogen, eine primäre Hormonbehandlung vorzunehmen, so ist diese sofort einzuleiten. Damit darf keinesfalls gezögert werden, bis sich entsprechende Symptome manifestieren. Die primäre Hormontherapie läuft meist kontinuierlich.
Die mit Goserelin erzielten Ergebnisse sind gemäß den Kriterien der Cochrane-Organisation für evidenzbasierte Medizin mit einer Stufe 1 Evidenz zu bewerten. Die Phase-III-Studien belegen verbessertes Gesamtüberleben, wenn die Substanz nach Bestrahlung beim lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom eingesetzt wird. Davon profitieren auch Patienten, die wegen des Befalls von Lymphknoten einer radikalen Prostatektomie unterzogen wurden. Die sofort eingeleitete Kombinationstherapie mit Goserelin plus dem Antiandrogen Bicalutamid (Casodex®) bewirkt eine maximale Androgensuppression und reduziert im Vergleich zur alleinigen Kastration das Mortalitätsrisiko um ein Fünftel.

*Pressegespräch „10 Jahre Zoladex® und Casodex® - Eine Standortbestimmung“, Dresden, 26. Mai 2006; Veranstalter: AstraZeneca GmbH

Quelle:


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