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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
17. Februar 2010

Europäische Umfrage zeigt: Gefahr einer febrilen Neutropenie ist vielen Chemotherapiepatienten nicht bewusst

Noch immer sind febrile Neutropenien (FN) und Infektionen aufgrund einer Neutropenie bei Chemotherapiepatienten eine häufige und sehr gefährliche Komplikation. Oft machen sie eine Hospitalisierung der Patienten sowie Dosisreduktionen oder -verzögerungen bei der Chemotherapie notwendig, was zu einem verringerten Gesamtüberleben führen kann. Doch die Patienten unterschätzen diese Gefahr, wie eine Zwischenauswertung einer europaweiten Umfrage bei Chemotherapiepatienten und onkologischem Pflegepersonal zeigt. Dabei erlitt fast ein Drittel der Patienten (30%) eine Infektion während der Chemotherapie, und über die Hälfte (54%) musste deshalb stationär aufgenommen werden.
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Die von AMGEN unterstützte Umfrage „Preventing Febrile Neutropenia (FN) – Staying on Track with Chemotherapy“ soll das Bewusstsein für den derzeitigen Umgang mit der Prävention von Neutropenie und febriler Neutropenie (FN) untersuchen. In mehreren europäischen Ländern wurden Pflegekräfte und Patienten befragt, wie diese den Einfluss von FN auf die Chemotherapieregime und auf die Lebensqualität wahrnehmen. Ziel der Umfrage war es, Verständnislücken zwischen Krebspatienten und medizinischem Pflegepersonal aufzudecken.

Unterschiede bei der Prävention in Europa

Der Einsatz präventiver Maßnahmen schwankt innerhalb Europas deutlich, am häufigsten werden präventive Maßnahmen in Italien und Großbritannien ergriffen, am seltensten in Schweden, Deutschland und Österreich. Komorbiditäten erhöhen das Risiko eines Patienten, eine FN zu entwickeln. Die primäre Prophylaxe einer Neutropenie mit G-CSF (Granulozyten-koloniestimulierender Faktor) erlaubt die Beibehaltung der geplanten und notwendigen Dosisintensität einer Chemotherapie, sagte Matti Aapro, Genolier, Schweiz, auf einer Pressekonferenz im November in Brüssel anlässlich der Veröffentlichung der Zwischenergebnisse der Studie. Vor dem Hintergrund der Resistenzentwicklung warnte Aapro vor einem undifferenzierten Einsatz von Antibiotika bei auftretendem Fieber.

Kommunikationsdefizit zwischen Patienten und Ärzten und Pflegekräften

Werden von ärztlicher Seite prophylaktische Maßnahmen zur Prävention von FN und Infektionen ergriffen, scheint es um die Therapietreue der Patienten nicht immer gut bestellt zu sein, wie die Studie zeigte. Ein Großteil des Pflegepersonals äußerte Bedenken hinsichtlich der Compliance der Patienten. Also tut gründliche und wiederholte Aufklärung der Patienten und eine verbesserte Kommunikation zwischen medizinischem Personal und Patienten Not. Aapro erläutertete, dass die gründliche Information der Patienten über Neutropenie und FN über die negativen Auswirkungen auf den Therapieverlauf, die Notwendigkeit einer stationären Aufnahme und die starke Beeinträchtigung der Lebensqualität durch eine FN sowie die Aufklärung über das individuelle Risiko sehr wichtige Maßnahmen im Kampf gegen FN sind. Er hält dafür neben Gesprächen vor allem leicht verständliche Informationsbroschüren für notwendig.

Über die Umfrage

Die Umfrage wird in Zusammenarbeit mit der European Oncology Nursing Society (EONS) durchgeführt und von AMGEN unterstützt. Sie soll die Sichtweise und Erfahrungen von Patienten und Pflegekräften bezüglich Risiko und Prävalenz von Infektionen, vor allem FN, während der Chemotherapie und Strategien zur Prävention sowie deren Auswirkungen auf die Durchführung der Chemotherapie und die Lebensqualität der Patienten erfassen. Außerdem steht die Frage, wie und wann eine Infektion bei Krebspatienten behandelt wird, sowie das Bewusstsein für die Prävention von FN im Mittelpunkt der Umfrage. Auch Häufigkeit und Inhalt von Gesprächen von Pflegekräften mit Patienten über ihr Infektionsrisiko sollen ermittelt werden.
Die Umfrage wurde in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Österreich, Schweden und Spanien durchgeführt. Die teilnehmenden Krebspatienten bekamen entweder gerade eine Chemotherapie oder hatten in den letzten 12 Monaten eine bekommen. Die im November 2009 veröffentlichten ersten Zwischenergebnisse basieren auf den Angaben von 300 Patienten und 157 Pflegekräften. Die vollständige Auswertung wird Anfang 2010 vorliegen.

Die wichtigsten Umfrageergebnisse

Fast ein Drittel der Patienten erlitt während der Chemotherapie eine Infektion, davon standen 46% im Zusammenhang mit Neutropenie oder FN und 55% der Patienten mit einer Infektion mussten stationär aufgenommen werden. Bei 37% der Patienten mit Infektionen musste deshalb die Chemotherapie verzögert oder oder die Dosis verringert werden.
Neutropenie und Infektionen während der Chemotherapie stellen eine zusätzliche Last für die Patienten dar und können den Therapieerfolg gefährden. Patienten, die eine Infektion durchgemacht hatten, gaben an, dass diese ihre Lebensqualität so stark beeinflusst hatte wie äußerliche Veränderungen z. B. durch Haarverlust, Gewichtsverlust und Hautreaktionen.
Der Großteil der Pflegekräfte hegt Bedenken wegen der Therapietreue der Patienten. Die Versorgung mit Medikamenten zur Infektionsprophylaxe ist in Europa sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt gaben 39% der Patienten an, Antibiotika oder G-CSF erhalten zu haben. Die Raten betrugen in Schweden 17%, in Deutschland und Österreich 22%, in Frankreich und Belgien 44%, in UK und Irland 54% und in Italien 60%.

Ärzte und Pflegekräfte informieren zwar ihre Patienten, dass eine Chemotherapie das Risiko für Infektionen und FN erhöht, die Umfrage zeigt aber, dass die Kommunikation weiter nicht wirklich funktioniert. 75% der Pflegekräfte gaben an, dass sie das persönliche Risiko eines Patienten für eine Infektion oder FN mit dem Patienten vor dem Beginn der Chemotherapie besprechen und 73% reden mit ihren Patienten regelmäßig über das Risiko für FN. Aber nur 48% der Patienten sagten, dass sie über die Notwendigkeit, Medikamente zur Reduktion des Neutropenie-Risikos und damit zur Vorbeugung einer Infektion einzunehmen, richtig informiert worden seien. Hier besteht also noch Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation zwischen Patienten und dem medizinischen Personal.
Die finalen Ergebnisse diese wichtigen Untersuchung werden in Kürze international vorgestellt werden.
Dr. Petra Ortner

Amgen Pressekonferenz „Preventing Febrile Neutropenia (FN): Staying on Track with Chemotherapy” 26. November 2009, Brüssel

Quelle:


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