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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
25. Juli 2020
Seite 5/5

 

PD-L1-Testung beim lokal fortgeschrittenen NSCLC

 
Seit der Zulassung des PD-L1-Inhibitors Durvalumab für die Behandlung des lokal fortgeschrittenen, inoperablen NSCLC mit einer PD-L1-Expression in ≥ 1% der Tumorzellen (nach Platin-basierter Radiochemotherapie) im September 2018 ist die Bestimmung der PD-L1-Expression auch beim NSCLC im Stadium III relevant für die Therapieplanung (21). Wie die Befragung ergab, testeten 2019 durchschnittlich 79% der Ärzte standardmäßig die PD-L1-Expression bei einer lokal fortgeschrittenen Tumorerkrankung. Interessanterweise ergibt sich im Vergleich der unterschiedlichen Einrichtungen ein umgekehrtes Bild gegenüber der Mutationsanalyse: denn in den Lungenfachkliniken gaben sogar 93% der Ärzte an, PD-L1 standardmäßig zu prüfen. An Universitätskliniken wurde der Biomarker dagegen lediglich bei 71% regelhaft bestimmt. Dieser Unterschied ist möglicherweise dadurch zu erklären, dass eine Strahlentherapie häufig nicht in dem universitären Radiotherapie-Institut, sondern eher in ambulanten Praxen der Strahlentherapie erfolgt. Insgesamt zeigt sich eine relativ hohe Bereitschaft, den PD-L1-Status bei allen Patienten im Stadium III zu ermitteln, wie auch bereits die vorherigen Fragen zeigten.
 
Des Weiteren bestimmten Ärzte an Universitätskliniken die PD-L1-Expression bei 58% der Patienten mit der Erstdiagnose (Abb. 3). Damit liegen sie prozentual auch hier hinter den anderen Einrichtungen, die zwischen 72% und 86% der Patienten sofort testeten. Bei durchschnittlich 11% der Patienten wurde mit der PD-L1-Bestimmung bis zur Bestätigung gewartet, dass sich der Patient tatsächlich im Stadium III befindet, bei 14% wurde gewartet, ob der Patient operiert werden kann, und bei 2% wurde erst nach der Radiochemotherapie auf PD-L1 getestet. Auch hier könnte der verhältnismäßig günstige Preis und die einfache und in allen pathologischen Instituten mögliche Durchführung der immunhistochemischen PD-L1-Testung eine Rolle spielen. Außerdem kann mit der frühen Testung – beispielsweise zusammen mit der Analyse der Histologie – Zeit und Material gespart werden.
 
Abb. 3: Zeitpunkt, zu dem die PD-L1-Expression bestimmt wird.
Lupe
PD-L1-Expression
 

Fazit

 
Wie die Umfrage belegt, hat sich vor dem Hintergrund einer molekular-stratifizierten Tumortherapie die Bereitschaft zur Mutations- bzw. Biomarkertestung in Deutschland im Vergleich zu den Vorjahren erneut verbessert. 10 Jahre nach Einführung der ersten auf Treibermutationen im EGFR-Gen basierten zielgerichteten Therapie wurde demnach die Bedeutung der molekularen Diagnostik weitgehend angenommen und umgesetzt. Die Aktualisierung der S3-Leitlinie 2018 dürfte diesen Trend mitbestimmt haben. Aber auch neue Therapieoptionen bilden eine Grundlage für die Bereitschaft zur molekularbiologischen Testung. Dennoch bleibt weiterhin deutlich Raum für Verbesserungen. Damit Patienten in allen Versorgungseinrichtungen bestmöglich versorgt werden, sollten Hürden wie die nach wie vor unzureichende Erstattung für molekularpathologische Analysen im klinischen Sektor beseitigt und die Dauer bis zum Vorliegen aller Testergebnisse verkürzt werden.
 

Die Datenerhebung und Erstellung des Manuskripts samt Abbildungen und Tabellen wurde durch AstraZeneca unterstützt.

 
Helmut Ostermann
Prof. Dr. med. Helmut Ostermann
Stellvertreter des Kaufmännischen Direktors
 
LMU Klinikum
Campus Großhadern
Marchioninistraße 15
81377 München
 
Tel.: 089/440072007
E-Mail: helmut.ostermann@med.uni-muenchen.de
Dieter Ukena
Prof. Dr. med. Dieter Ukena
Chefarzt
 
Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin
Klinikum Bremen-Ost
Züricher Straße 40
28325 Bremen
 
Tel.: 0421/4081800
E-Mail: dieter.ukena@klinikum-bremen-ost.de
ABSTRACT

H. Ostermann1, D. Ukena2. 1Medizinische Klinik und Poliklinik III, Klinikum der Universität München, 2Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Klinikum Bremen-Ost.
 

The introduction of targeted drugs aiming at specific cancer related mutations have revolutionized the treatment of non small lung cancer (NSCLC). A prerequisite for using these is molecular diagnostic to identify the relevant mutations. The work-up for patients with NSCLC as defined by national and international guidelines includes mandatory testing. We have analyzed whether or not testing for relevant mutations is perfomed in different settings (specialized lung centers, university hospital, other hospitals, office based physicians) in Germany. For data acquisition we used a survey of experienced oncologists at the end of 2019. We performed this survey previously in 2012, 2014 and 2016. Our current survey did show that 80% of patients are tested for EGFR mutations, 77% for ALK, 71% for ROS and 63% for BRAF. In 81% PD-L1 expression was tested. These numbers represent a significant increase compared to the number of patients tested in our previous surveys. However, there were still differences between settings (specialized lung centers having the lowest test rate). In summary, test rates are improving, but far from perfect. One persistent obstacle is the lack of reimbursement for testing in the hospital setting in Germany.
 

Keywords: NSCLC, mutations, guidelines, testing, survey, EGFR, ALK, ROS, BRAF, PD-L1
Literatur:

(1) S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms, Februar 2018; verfügbar unter:
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-007OL_l_S3_Lungenkarzinom_2018-03.pdf
(2) Onkopedia Leitlinie Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC), Stand: Oktober 2019; verfügbar unter:
https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@guideline/html/index.html
(3) Soria JC et al. N Engl J Med 2018;378:113-125.
(4) Ramalingam SS et al. N Engl J Med 2020; 382:41-50.
(5) Mok TS et al. N Engl J Med 2009;361:947-957.
(6) Rosell R et al. Lancet Oncol 2012;13:239-246.
(7) Sequist LV et al. J Clin Oncol 2013;31:3327-34.
(8) Wu YL et al. Lancet Oncol 2017;18:1454-66.
(9) ESMO Clinical Practice Guidelines on Metas-tatic non-small cell lung cancer (NSCLC). Ann Oncol (2018) 29 (suppl 4): iv192–iv237. Update online unter:
https://www.esmo.org/Guidelines/Lung-and-Chest-Tumours/Metastatic-Non-Small-Cell-Lung-Cancer.
(10) NCCN National Comprehensive Cancer Network®, NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology, Non-Small Cell Lung Cancer Version 2.2020, December 23, 2019; verfügbar unter:
https://www.nccn.org
(11) Kalemkerian GP et al. J Clin Oncol 2018;36: 911-919.
(12) Ostermann H et al. Journal Onkologie 3/2015.
(13) Ostermann H et al. Molecular diagnostic testing in lung cancer in real life – still room for improvement; Presented at the 33rd German Cancer Congress (33. Deutscher Krebskongress 2018), February 21 to 24, 2018, Berlin.
(14) Barlesi F et al. Lancet 2016; 387:1415-1426.
(15) Calvayrac O et al. Eur Respir J 2017;49:1.
(16) Fachinformation Tafinlar®, Stand Mai 2019.
(17) Fachinformation Medinkist®, Stand Mai 2019.
(18) Fachinformation Keytruda®, Stand Nov 2019.
(19) Fachinformation Vitrakvy®, Stand Sep 2019.
(20) Fachinformation Tagrisso®, Stand Okt 2019.
(21) Fachinformation Imfinzi®, Stand Nov 2019.

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