Mittwoch, 25. November 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Imnovid
Imnovid
 
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. November 2020
Seite 1/3
Endoskopische Diagnostik und Therapie früher Ösophaguskarzinome

S. Faiss, Innere Med. I (Schwerpunkt Gastroenterologie), Sana Klinikum Berlin-Lichtenberg.

Die Prognose sowohl des Plattenepithel- als auch des Adenokarzinoms des Ösophagus ist – wie bei anderen malignen Tumoren auch – stark vom jeweiligen Tumorstadium abhängig. Therapie der Wahl ist die chirurgische Ösophagus­resektion mit oder ohne vorgeschaltete neoadjuvante (Radio-)chemotherapie (RCT) bzw. bei Plattenepithelkarzinomen als Alternative zur chirurgischen Therapie die definitive RCT. Aufgrund der schlechten Prognose dieser Karzinome und einer hohen Morbidität und Mortalität der chirurgischen Therapie stehen die frühzeitige Diagnostik und eine entsprechende endoskopische Therapie mittels endoskopischer Mukosaresektion (EMR) bzw. endoskopischer Submukosa-Dissektion (ESD) von Frühkarzinomen bzw. deren Vorstufen im Mittelpunkt des folgenden Beitrags.
Anzeige:
Zynteglos
Zynteglos

Epidemiologie und Pathogenese

Das Ösophaguskarzinom stellt mit 3% aller männlichen Tumorerkrankungen und 1% aller weiblichen Tumorerkrankungen eine relativ seltene, aber in den letzten Jahren zahlenmäßig zunehmende Tumorentität dar. Das Barrett-Karzinom weist dabei die mit am stärks­ten zunehmende Inzidenzrate maligner Tumoren weltweit auf (1). Das Ösophaguskarzinom zählt generell zu den Tumorarten mit einer schlechten Prognose: die relative 10-Jahres-Überlebensrate liegt bei 16-17% (2). Man unterscheidet das Plattenepithelkarzinom von den vornehmlich im distalen Ösophagus vorkommenden Adenokarzinomen (=Barrett-Karzinom) des Ösophagus. Als Risikofaktoren für die Präkanzerose gelten dabei für das Plattenepithelkarzinom Rauchen und Alkohol und für das Adenokarzinom des Ösophagus eine gastroösophageale Refluxerkrankung (GERD). Die Tumorentwicklung verläuft bei beiden Entitäten von der normalen Schleimhaut über präkanzeröse Veränderungen (squamöse intraepitheliale Neoplasie (SIN) mit geringgradiger bzw. hochgradiger Dysplasie bzw. bei Barrett-Schleimhaut ohne und mit geringgradiger/hochgradiger intraepithelialer Neoplasie) zum invasiven Karzinom.

Klinik

Frühkarzinome bzw. deren Vorläufer sind klinisch zumeist asymptomatisch und werden meistens im Rahmen von Routine-, Vorsorge- und/oder Überwachungsuntersuchungen (z.B. Überwachung des Barrett-Ösophagus) dia­gnostiziert und bioptisch gesichert. Zusätzlich werden solche frühen Neo­plasien des Ösophagus im Rahmen anderweitig indizierter Ösophagogastroduodenoskopien festgestellt (ÖGD, z.B. bei abdominellen Beschwerden). Liegen dysphagische Beschwerden vor, handelt es sich i.d.R. bereits um ein fortgeschrittenes Karzinom.

Diagnostik

Diagnostik der Wahl früher ösophagealer Karzinome bzw. deren Vorstufen ist die hochauflösende ÖGD sowie die gezielte Entnahme von Biopsien zur his­tologischen Sicherung aus makroskopisch auffälligen Veränderungen. Neben der reinen Weißlicht-Endoskopie helfen verschiedene optisch-virtuelle Filterverfahren (z.B. TXI, NBI) in der Detektion und der Charakterisierung auffälliger Läsionen und ermöglichen es so, diese frühen Neoplasien besser von der umgebenden Schleimhaut abzugrenzen (Abb. 1 und 2). In der Abgrenzung plattenepithelialer Neoplasien des Ösophagus kann zusätzlich die Chromoendoskopie mit Lugolscher Lösung eingesetzt werden.
 
Abb. 1: Barrett-Frühkarzinom: A) Weißlicht-Modus, B) TXI-Modus, C) NBI-Modus.
Lupe
Abb. 1: Barrett-Frühkarzinom: A) Weißlicht-Modus, B) TXI-Modus, C) NBI-Modus.


 
Abb. 2: Plattenepithelfrühkarzinom des Ösophagus: A) Weißlicht-Modus, B) TXI-Modus, C) NBI-Modus.
Lupe
Abb. 2: Plattenepithelfrühkarzinom des Ösophagus: A) Weißlicht-Modus, B) TXI-Modus, C) NBI-Modus.

Der für die endoskopische Therapie entscheidende Faktor ist die Begrenzung der Tumorinfiltration auf die oberflächlichen Wandschichten des Ösophagus (Adenokarzinom: max. oberflächliche Submukosainfiltration < 500 µm; Plattenepithelkarzinom: max. tiefe Mukosainfiltration) und das Fehlen pathologischer lokoregionärer Lymphknoten (3). Infiltrieren die Tumoren die Wand des Ösophagus über die genannten Grenzen hinaus und/oder sind bereits pathologische lokoregionäre Lymphknoten vorhanden, ist naturgemäß eine kurative endoskopische Therapie nicht mehr möglich. Um diese Faktoren vor einer potenziellen endoskopischen Therapie zu evaluieren, wird eine Endosonographie als das hochauflösenste bildgebende Verfahren angewandt. Allerdings neigt die Endosonographie zu einem Overstaging früher Neoplasien und kann nicht sicher zwischen mukosalen und submukosalen Veränderungen unterscheiden (4). Bei kleinen lokoregionären Lymphknoten könnte selbst unter Einsatz einer endosonographisch gesteuerten Feinnadelpunktion (EUS-FNA) bei negativen zytologischen und/oder histologischen Ergebnissen ein maligner Befall dieses Lymphknotens nicht sicher ausgeschlossen werden. Daher verbleibt für die Endosonographie die Rolle, eindeutig höhere Tumorstadien auszuschließen und gleichzeitig bei frühen Neoplasien den Weg für eine potenziell kurative endoskopische Therapie zu ermöglichen. Hier entscheidet dann die komplette postinterventionelle his­topathologische Aufarbeitung des Resektats über den kurativen Erfolg oder auch leider Misserfolg der endoskopischen Resektion.

Unabdingbar vor jeder endoskopischen Resektion muss jedoch eine radiologische Schnittbildgebung mittels Thorax- und Abdomen-CT erfolgen, um das Vorliegen von Fernmetastasen auszuschließen. Weitere Staging-Verfahren wie z.B. Positronenemissions-/Computertomographie (PET-CT), Bronchoskopie und Laparoskopie sind bei den frühen ösophagealen Neoplasien verzichtbar.
 
Vorherige Seite

Anzeige:
Piqray

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Endoskopische Diagnostik und Therapie früher Ösophaguskarzinome"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab