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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
08. Januar 2001

Editorial (2001)

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0 Das kolorektale Karzinom ist einer der häufigsten Tumoren des Erwachsenen. In Deutschland werden jährlich ca. 55.000 neue Fälle registriert und etwa 32.000 Erkrankte versterben an diesem Tumor. Trotz dieser deprimierenden Zahlen sind glücklicherweise in den letzten Jahren erhebliche therapeutische Fortschritte gemacht worden. Es gibt kaum einen vergleichbaren Tumor, bei dem in so kurzer Zeit solch entscheidende Verbesserungen in Heilungsrate und Verlängerung der Überlebenszeit erzielt worden sind. Im Zusammenhang mit der gleichzeitig weitgehenden Aufdeckung des Pathomechanismus der Onkogenese und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten der Früherkennung und Prävention ist das kolorektale Karzinom ein einzigartiges Modell in der Tumor- und Therapieforschung.
War noch in den neunziger Jahren die Einführung der adjuvanten Chemotherapie auf Basis der 5-FU/Folinsäure ein Meilenstein, der jährlich tausenden von Patienten eine höhere Heilungschance ermöglichte, findet derzeit der therapeutische Fortschritt in der Anwendung von Kombinationstherapien unter Einschluss von Oxaliplatin und Irinotecan statt. Diese Protokolle ermöglichen Remissionsraten um 50%, eine signifikante Verbesserung der progressionsfreien Zeit von 5 auf 8 Monate und eine Verdoppelung des medianen Überlebens von 11 bis 12 auf bis zu 22 Monate. Der Schlüssel zu einem möglichst langen Überleben scheint nicht unbedingt der primäre Einsatz der Kombinationstherapie zu sein, sondern vor allem die Anwendung aller zur Verfügung stehenden wirksamen Substanzen im gesamten Therapieverlauf. Dies schließt somit mindestens eine, wenn nicht mehrere, Salvagechemotherapien mit ein.
Die Aufgabe der klinischen Forschung ist es z.Zt., Risikogruppen zu definieren, bei denen primär eine Kombinationstherapie eingesetzt werden muss, um die Chance auf längerfristiges Überleben nicht zu verpassen. Neben der prospektiven Analyse klinischer Parameter gehören hierzu auch molekulargenetische Marker; die Mikroarray-Technik wird diesbezüglich in Kürze bedeutende Erkenntnisse bringen. Weitere Fragen betreffen die Optimierung der Therapie im Sinne der Patienten, z.B. durch den Austausch der aufwändigen und kostenintensiven Infusionsprogramme mit 5-FU/Folinsäure durch orale 5-FU-Prodrugs, was besonders unter dem Aspekt der Lebensqualität für die Patienten von hoher Bedeutung ist.
Während die onkologische Community noch gerade dabei ist, diese erheblichen Fortschritte für die Breite der Patienten umzusetzen, stehen schon wieder neue therapeutische Verbesserungen vor der Tür. Dies trifft mit hoher Wahrscheinlichkeit zu für die Thyrosinkinaseinhibitoren, mit Hemmung des EGF-Rezeptors durch Antikörper oder kleine Moleküle, sowie durch Inhibition des Vascular Endothelial Growth Factor Receptors (VEGF). Es ist damit zu rechnen, dass in ca. 2 bis 3 Jahren eine neue Generation von Therapieprotokollen etabliert ist, die einen weiteren Sprung in Richtung einer verbesserten Überlebenschance ermöglichen werden.
Insgesamt zeigt diese Entwicklung, dass die Therapie des fortgeschrittenen kolorektalen Karzinoms keineswegs mehr so einfach ist wie noch vor kurzer Zeit, wo es nur darum ging zu entscheiden, ob überhaupt eine Chemotherapie gegeben werden sollte. Vielmehr werden die therapeutischen Entscheidungen äußerst differenziert zu fällen sein, und zwar nicht nur in der Primärtherapie, sondern auch in den verschiedenen Schritten der Salvagetherapie. Die Vielfalt der möglichen Medikamente und Kombinationen erfordert eine differenzierte Kenntnis der Wirkungen und Nebenwirkungen, um möglichst das Optimum für den einzelnen betroffenen Patienten zu erreichen. Hierzu benötigen wir vielfältige Kommunikation, wozu auch die in diesem Heft gedruckten Artikel dienen sollen.

Prof. Dr. med. Hans-Joachim Schmoll


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