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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

30. Oktober 2006 Das Ovarialkarzinom im Fokus des ASCO-Kongresses Was bleibt Standard, und was ist neu?

Auch in der klinischen Onkologie gilt, dass sich alle neuen therapeutischen Ansätze und Modifikationen am bisherigen Standard messen lassen müssen. Was es damit bei der Primär- und Rezidivtherapie des Ovarialkarzinoms auf sich hat, wurde auf dem ASCO 2006 in Atlanta, Georgia, mit gut fünf Dutzend Präsentationen zu klären versucht.
Ob in der Primärtherapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms die Addition einer dritten Substanz und auch die Sequenztherapie der Standardtherapie mit Carboplatin und Paclitaxel überlegen sind, wurde in der fünfarmigen GOGO182-ICONS5-Studie untersucht. Zum Standard Carboplatin/Paclitaxel wurde Gemcitabin oder pegyliertes, liposomales Doxorubicin hinzugefügt, zur Sequenztherapie Topotecan oder Gemcitabin. In die Studie aufgenommen wurden 4312 Frauen.

Wie nicht anders zu erwarten, war die hämatologische Toxizität in den beiden Armen mit der Dreifachkombination höher als unter der Standardkombination, berichtete Professorin Barbara Schmalfeldt, München. In puncto progressionsfreiem und Gesamtüberleben erbrachten weder die Dreierkombination noch die Sequenztherapie einen Vorteil. Das Fazit: Die Kombination Carboplatin/Paclitaxel markiert weiterhin den Standard in der primären Behandlung des Ovarialkarzinoms.

Erhaltungstherapie bringt keinen nennenswerten Nutzen
Welcher Benefit von der Erhaltungstherapie mit Paclitaxel zu erwarten ist, untersuchte man anhand der SWOG-S9701/GOG178-Studie. Daran nahmen Patientinnen teil, die nach Beendigung der Primärtherapie mit sechs Zyklen Carboplatin/Paclitaxel eine komplette Remission aufwiesen oder bei denen kein Tumor mehr nachzuweisen war. Zur Erhaltungstherapie bekamen sie drei bzw. zwölf Zyklen Paclitaxel 175 mg/m2 intravenös im Anstand von 4 Wochen.

Die ersten auf dem ASCO 2002 vorgetragenen Ergebnisse zeigten eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens in der Gruppe mit 12 Zyklen. Deshalb wurde die Studie nicht weiter fortgeführt. Eine neue Auswertung der Daten von 296 Patientinnen ergab jedoch ein weniger erfreuliches Bild: Zwar war das progressionsfreie Überleben mit 22 Monaten unter 12 Zyklen gegenüber 14 Monaten unter 3 Zyklen weiterhin signifikant länger. Doch beim Gesamtüberleben tat sich zwischen beiden Erhaltungstherapien mit 53 gegenüber 46 Monaten keine signifikante Differenz auf.

Es fiel auf, dass vor allem im langen Behandlungsarm mit 12 Zyklen Paclitaxel mehr Nebenwirkungen auftraten. Sie waren überwiegend neurotoxischer Art. Frau Schmalfeldt: „Kritisch angemerkt werden muss, dass die Verlängerung des progressionsfreien Überlebens mit einer längeren Therapiezeit erkauft wird.“ Und daraus ergibt sich insgesamt keine Differenz zwischen der 3- und der 12-monatigen Erhaltungsbehandlung, was das therapiefreie Intervall anbelangt. „Aus diesem Grund stellt die Erhaltungstherapie mit Paclitaxel zum jetzigen Zeitpunkt für keine Patientin eine sinnvolle Therapieoption dar“, konstatierte die Münchner Gynäkologien.

Bei der Angiogenese-Inhibition ist Vorsicht anzuraten
Große Hoffnungen werden seit einigen Jahren auf biologische Therapieoptionen gesetzt, beispielsweise auf die Hemmung der Angiogenese mit dem monoklonalen Antikörper Bevacizumab als Monotherapeutikum beim Ovarialkarzinom. So wurde auf dem ASCO 2005 über eine Studie mit 64 Frauen berichtet, die ein rezidivierendes Ovarialkarzinom hatten. Die Monotherapie mit Bevacizumab führte zu einer Remissionsrate von 18% und zu einem progressionsfreien Überleben von rund sechs Monaten. Die Ergebnisse sind mit jenen einer Chemotherapie beim Rezidiv eines Ovarialkarzinoms durchaus vergleichbar.

In einer weiteren Phase-II-Studie wurden 44 Frauen mit platinresistentem Ovarialkarzinom und ungünstiger Prognose einer Bevacizumab-Monotherapie mit 15 mg/m2 unterzogen. Mit knapp 16% partiellen Remissionen ließ sich eine ähnlich gute Ansprechrate wie in den früheren Erhebungen erreichen. Konterkariert wurde das ansehnliche Resultat indessen durch drei mit der Behandlung assoziierte Todesfälle. Als Ursachen aufgedeckt wurden je einmal eine hypertensive Enzephalopathie, ein Myokardinfarkt in Kombination mit zerebraler Ischämie und eine gastrointestinale Perforation. Diese Komplikation, die sich bei weiteren vier Patientinnen fand, scheint insbesondere bei ausgedehntem Tumorbefall des Darms und Obstruktion aufzutreten. Die Studie wurde gestoppt.

In einer weiteren Phase-II-Studie zur Primärtherapie nahm man Bevacizumab in Kombination mit Carboplatin/Paclitaxel unter die Lupe. Alle 35 Patientinnen blieben von einer gastrointestinalen Perforation verschont. Daher hält es Frau Schmalfeldt für „sinnvoll, Bevacizumab als neue Option in der Primärtherapie des Ovarialkarzinoms zu untersuchen.“ Dazu ist eine umfassende Phase-III-Intergroup-Studie der AGO geplant.

kbf

Quelle: 42. ASCO-Kongress, Atlanta, Georgia, Juni 2006


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