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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Juli 2020
Seite 1/2
ASCO-Highlights 2020 aus Uroonkologensicht

Prof. Dr. Maximilian Burger, Regensburg

Der ASCO ist der Höhepunkt des onkologischen „Jahreskreises“, das onkologische Neujahrsfest sozusagen, mit Monaten vor und nach dem ASCO. Und wenn ein Studienansatz die Erwartungen nicht erfüllt hat, hörte man schon mal sportliche Töne der Motivation: „Nach dem ASCO ist vor dem ASCO“. Ist das immer noch so? Na ja, die exklusive Stellung als „wie Weihnachten und Ostern zusammen“ hat der ASCO ehrlicherweise schon eingebüßt. Da gibt es z.B. den ESMO als direkten Wettbewerb oder den AACR, wenn es mehr um Grundlagenansätze geht. In der Uroonkologie macht sich der ASCO mit seinem „genito-urinary“ Ableger ASCO-GU sogar selber etwas Konkurrenz, zumal dieser ein paar Monate vor dem ASCO stattfindet. Aber im Großen und Ganzen ist der ASCO immer noch das Original.
Prof. Dr. Maximilian Burger, Regensburg
Prof. Dr. Maximilian Burger, Regensburg
Gilt das auch 2020? Gegenfrage: was gilt denn 2020 überhaupt? Die wesentlichen Kongresse der Urologie wurden mehr oder weniger abgesagt, wie allen voran der EAU. Und wir haben uns an Online-Formate statt große Vortragssäle und an Diskussionen über Zoom und Co. anstatt Debatten am Mikrophon oder am Abend an der Bar gewöhnt. Oder sind gerade noch dabei. Aber auch 2020 ist der ASCO der Höhepunkt der virtuellen Kongresse mit den meisten Mailings, Online-Sessions, Post-ASCO-Webinaren etc.

Und so finden Sie folgend meine Höhepunkte des ASCO 2020. Mit der Information im Netz hatte ich dabei keine Probleme, da ich immer schon lieber abends die guten Webseiten angesehen habe, anstatt eine Woche aus der Klinik zu sein. Aber Obacht: diese Auswahl ist sehr subjektiv, wie freilich jede.

Prostatakarzinom


Hofman MS et al. TheraP: A randomised phase 2 trial of 177Lu-PSMA-617 theranostic versus cabazitaxel in mCRPC progressing after docetaxel: Intial results (ANZUP protocol 1603). ASCO20 virtual, Abstract #5500.

Abstract unter: www.med4u.org/17342
Warum ist diese Arbeit interessant?
Alleine die Chuzpe, etwas „Theranostic“ zu nennen, ist eine Erwähnung als Highlight wert, finden Sie nicht? Und auch auf den zweiten Blick kann man das stehen lassen, denn die Nuklearmedizin bietet mit den PSMA-basierten Techniken einerseits Diagnostik mit dem PSMA-PET-CT und andererseits Therapie mit der PSMA-basierten Radioligandentherapie. Mit der Lutetium-PSMA-Therapie haben wir schon recht gute Erfahrungen gemacht. Zum Uroonkologischen Zentrum Regensburg gehören freilich auch Prof. Hellwig und sein Team der Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Regensburg, die klare Konzepte haben. Unsere bisherigen Erfahrungen rechtfertigen den Einsatz in späteren Therapielinien, jedenfalls nach einer Docetaxel-Chemotherapie. Auch wenn wir uns im Tumorboard immer wieder fragen, ob eine Therapie mit Cabazitaxel nicht auch geeignet wäre. Diese Frage beantworten Hofman und Koautoren.
Was sind die Ergebnisse und was ist die Schlussfolgerung?
Die Studie randomisierte mCRPC-Patienten mit einem Progress nach Docetaxel und einer Darstellung von Metastasen im FDG- und PSMA-PET in einen 177-Lu-PSMA-617- und einen Cabazitaxel-Arm. Der primäre Endpunkt war das PSA-Ansprechen (über 50% gegenüber dem Ausgangswert) und die wichtigsten sekundären Endpunkte das PSA-progressionsfreie Überleben und die Rate an adverse events. Je 100 Patienten wurden in jeden Arm randomisiert, die eine durchwegs hohe Metastasenlast hatten; so hatten jeweils etwa 80% mehr als 20 Metastasen. Nach einem medianen Follow-up von 13,5 Monaten (IQR: 9,5-17,7) zeigte sich ein PSA-Ansprechen bei 37% im Cabazitaxel- und bei 66% im 177-Lu-PSMA-617-Arm und das PSA-progressionsfreie Überleben war in letzterem höher (HR=0,69; 0,50-0,95; p=0,02). Die Rate an unerwünschten Wirkungen war im Großen und Ganzen vergleichbar; so zeigte Cabazitaxel bei 13% eine Grad-3/4-Neutropenie und 177-Lu-PSMA-617 bei 11% eine Grad-3/4-Thrombopenie. Somit könnte 177-Lu-PSMA-617 ein Standardansatz bei Progression eines mCRPC nach Docetaxel sein.
 
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