Samstag, 15. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
07. Februar 2013

APL erstmals ohne Chemotherapie heilbar

ASH 2012 - Leukämie

Die akute Promyelozyten-Leukämie (APL) ist eine der aggressivsten, aber auch eine der am besten behandelbaren akuten Leukämien. Eine italienisch-deutsche Studie hat nun gezeigt, dass man die Chemotherapie ganz weglassen und die APL in der Erstlinie nur mit All-trans-Retinsäure (ATRA) und Arsentrioxid (ATO) behandeln kann, ohne dadurch die Heilungschancen zu beeinträchtigen.

Anzeige:
Blenrep
Blenrep

Seit Einführung der Retinsäure wird die APL mit Standardrisiko (ca. drei Viertel aller Patienten) mit dieser in Kombination mit Idarubicin behandelt (sog. AIDA-Regime). Damit lassen sich 90-95% Komplettremissionen bei einer Rezidivrate von weniger als 10% erzielen; Probleme stellen jedoch die Myelosuppression und ein Anteil von 5-10% Todesfällen in kompletter Remission dar. ATO, das bisher zur Rezidivtherapie zugelassen ist und sich auch als Konsolidierungtherapie nach der Erstlinienbehandlung mit ATRA bewährt hat, hat in präklinischen und klinischen Studien eine synergistische Wirkung mit dem Vitamin-Derivat gezeigt. Die italienische GIMEMA-Gruppe hat deshalb zusammen mit den deutschen AML-Studiengruppen SAL und AMLSG die Chemotherapie-freie ATRA/ATO-Kombination bei 154 Patienten mit neu diagnostizierter APL mit Standardrisiko randomisiert mit der klassischen AIDA-Therapie verglichen.

Nach der Induktionstherapie waren sämtliche Patienten der ATRA-ATO-Gruppe in kompletter Remission, in der AIDA-Gruppe 95%, so Francesco Lo-Coco, Rom. Dort waren 4 Patienten während der Induktion verstorben. Hämatologische Grad-3/4-Toxizitäten in Form von Thrombozytopenien und Neutropenien waren unter ATRA-ATO v.a. in der Konsolidierungsphase um ein Vielfaches seltener als unter AIDA. Häufiger waren unter der Chemotherapie-freien Behandlung lediglich QTc-Verlängerungen und hepatische Toxizitäten, die auf vorübergehendes Absetzen bzw. Dosismodifikation des Arsens ansprechen, sowie eine Leukozytose, die sich mit Hydroxyurea beherrschen lässt. Signifikant überlegen war ATRA-ATO nach 4 Jahren nicht nur beim primären Endpunkt ereignisfreies Überleben (97,1% vs. 85,6%; p=0,02), sondern auch beim Gesamtüberleben (98,7% vs. 91,1%; p=0,02).

ATRA/ATO ist damit dem konventionellen AIDA-Regime zumindest nicht unterlegen, so Lo-Coco - bei deutlich reduzierter Hämatotoxizität und erhöhter, aber beherrschbarer Lebertoxizität und QTc-Verlängerung. Es ist deshalb zu erwarten, dass sich dieses Regime als neuer Standard für die Erstlinientherapie der APL mit niedrigem oder intermediärem Risiko etablieren wird.

jg

Literaturhinweis:
Lo-Coco F, et al. ASH 2012, Abstr. 6


Anzeige:
Tukysa
Tukysa
 
Das könnte Sie auch interessieren
Das Klinikum Herford unterstützt Krebs-Patienten und Patientinnen mit digitalem Therapie-Assistenten
Das+Klinikum+Herford+unterst%C3%BCtzt+Krebs-Patienten+und+Patientinnen+mit+digitalem+Therapie-Assistenten+
© adam121 / Fotolia.de

Das Klinikum Herford bietet seinen gynäkologischen Krebs-Patientinnen ab sofort einen digitalen Therapiebegleiter an, der sie im Umgang mit der Erkrankung unterstützt. Die Smartphone-App MIKA begleitet Betroffene durch die Behandlung und hilft ihnen unter anderem mit Gesundheitsmonitoring und psychosozialem Coaching. Mit dem neuen digitalen Assistenten geht das Klinikum Herford einen weiteren Schritt, um Erkrankte zu mehr...

Brustkrebs: Was Frauen über die Früherkennung wissen sollten – und welche Risikofaktoren existieren
Brustkrebs%3A+Was+Frauen+%C3%BCber+die+Fr%C3%BCherkennung+wissen+sollten+%E2%80%93+und+welche+Risikofaktoren+existieren
© serhiibobyk / Fotolia.com

Etwa jede achte Frau erkrankt hierzulande an Brustkrebs. Insgesamt betrifft dies 72.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Obwohl Brustkrebs in erster Linie eine Erkrankung der Frau nach den Wechseljahren ist, können auch deutlich jüngere Frauen erkranken. Aber – für welche Frau macht welche Untersuchung in welchem Alter Sinn? Das Mammographie-Screening-Programm gilt für Frauen von 50 bis 69 Jahren. Was insbesondere Frauen...

Weltkrebstag: Besonderer Kündigungsschutz bei Schwerbehinderung
Weltkrebstag%3A+Besonderer+K%C3%BCndigungsschutz+bei+Schwerbehinderung+
©DedMityay - stock.adobe.com

Beim Erstantrag auf Schwerbehinderung ist für Krebspatientinnen und -patienten meist allein die Diagnose Krebs ausreichend, um einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 zu bekommen. Damit gilt für sie automatisch ein besonderer Kündigungsschutz, in der Regel für 5 Jahre. Und dann? Wie geht es weiter? Unter welchen Voraussetzungen der besondere Kündigungsschutz erhalten werden kann, erläutert der...

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?
Diagnose+Krebs%3A+Wer+hilft+bei+hoher+psychischer+Belastung%3F
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

„Sie haben Krebs“ – kaum ein Betroffener wird diesen Satz je vergessen. Von jetzt auf gleich gerät das Leben aus den Fugen. Fragen, Ängste, Traurigkeit, Wut – alles wirbelt durcheinander. Auch die Zeit der Behandlung bis hin zur Nachsorge bringt Belastungen mit sich, die Betroffene an ihre Grenzen bringen können. Nimmt die psychische Belastung überhand oder dauert sie lange an, kann...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"APL erstmals ohne Chemotherapie heilbar"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.