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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
09. Juli 2006

Additive und integrative Ergänzung der Schulmedizin

Was hat die onkologische Komplementärmedizin zu bieten?
Die wissenschaftlich begründete Onkologie umfasst die eigentliche Tumortherapie sowie die Supportiv- und Palliativtherapie. Als vierte Behandlungsform versteht sich die Komplementärmedizin, die aber nicht den Anspruch erhebt, eine Alternative zur Schulmedizin zu bieten. Die Vertreter der meist anthroposophisch ausgerichteten Komplementärmedizin interpretieren ihre zuweilen umstrittene Disziplin als additive und integrative Ergänzung der klassischen Schulmedizin.
In letzter Zeit wurde für verschiedene komplementärmedizinische Verfahren der Nachweis der Wirksamkeit erbracht, und zwar gemäß den Standards, wie sie die Evidenz-basierte Medizin (EBM) fordert. Es ist daher nur recht und billig, diese Verfahren, allen voran die Misteltherapie, der EBM und dabei speziell der Evidenz-basierten Komplementärmedizin (EBK) zuzuordnen, meinte Professor Gerd A. Nagel aus dem schweizerischen Männedorf.

Komplementärmedizin verfolgt auch den salutogenetischen Ansatz
Während sich die Ziele der konventionellen Behandlungsformen insbesondere vom schulmedizinisch-ärztlichen Therapieverständnis her definieren, also den pathogenetischen Ansatz verfolgen, wird bei der Komplementärmedizin überdies die Wirklichkeit aus der Sicht des Patienten berücksichtigt. Und dabei handelt es sich um den salutogenetischen Ansatz. Nagel weiter: „Ethisch begründet sich die Komplementärmedizin also auch aus dem Recht des Patienten, gemäß seinen persönlichen Denkstilen und Therapieerwartungen selbst etwas für sich zu tun und einen subjektiven Nutzen zu erzielen.“
Der nicht zu leugnende Konflikt zwischen Komplementär- und Schulmedizin entzündet sich immer wieder daran, dass die in randomisierten, doppelblinden und kontrollierten Studien, also unter idealen Konditionen, gewonnenen Erkenntnisse nicht ohne Abstriche auf die Bedingungen des Praxisalltags übertragbar sind, konstatierte Professor Franz Porzsolt, Ulm.
Mistelpräparate adjuvant und palliativ eingesetzt
In der onkologischen Komplementärmedizin zählt das Mistelpräparat Iscador® zu jenen Mitteln, auf das am häufigsten zurückgegriffen wird. Solche Präparate „werden in der Regel sowohl adjuvant als auch palliativ, meist in Kombination mit den konventionellen Therapieverfahren Operation, Bestrahlung, Chemo- und/oder Hormontherapie eingesetzt“, sagte Professor Reinhard Saller, Zürich. Mit diesen Mitteln sollen aber nicht in erster Linie das Wachstum eines Tumors gehemmt und dessen Größe reduziert werden.
Die Misteltherapie zielt vielmehr primär darauf ab, die Lebensqualität zu erhöhen, tumorassoziierte Beschwerden zu lindern, die durch Chemo- oder Radiotherapie hervorgerufenen Nebenwirkungen in engen Grenzen zu halten und das Immunsystem anzukurbeln. Wie Saller versicherte, ist die Wirkung von Iscador®, das meist zwei- bis dreimal pro Woche subkutan injiziert wird, vorwiegend auf der immunologischen Ebene angesiedelt. Mit Mistelpräparaten behandelte Patienten berichten meist über ein besseres Algemeinbefinden. Ihr Appetit kehrt wieder zurück, und deswegen nehmen sie an Gewicht zu und fühlen sich leistungsfähiger.
Signifikanter Überlebensvorteil bei primären malignen Melanomen
Wie es um Wirksamkeit und Sicherheit bestellt ist, wurde in zahlreichen Studien überprüft. Eine der aktuellsten ist eine in Deutschland und der Schweiz durchgeführte multizentrische, komparative und epidemiologische Kohortenstudie mit 686 Patienten aus 35 Zentren. Sie litten an primären malignen Melanomen mit mittlerem bis hohem Risiko. Davon wurden 329 Patienten über durchschnittlich 30 Monate einer komplementären Langzeitbehandlung mit dem standardisiertem fermentierten Mistelextrakt Visum album L. unterzogen. 357 Patienten dienten als Kontrollen.
Beide Gruppen waren hinsichtlich demographischer Daten, Tumoranamnese und Risikofaktoren vergleichbar. In der Prüfgruppe wurde zusätzlich häufiger eine adjuvante Chemotherapie, in der Kontrollgruppe häufiger eine Immuntherapie durchgeführt. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 6,8 Jahren ließ sich in der Prüfgruppe gegenüber den Kontrollen mit einer Nachbeobachtungszeit von 4,3 Jahren eine signifikante Reduktion der adjustierten tumorbedingten Mortalität feststellen. Auch in puncto Gesamtsterblichkeit, tumorfreiem Überleben und Überleben ohne Gehirnmetastasen war das Mistelpräparat dem watchful waiting der Kontrollen deutlich überlegen, wie Prof. Matthias Augustin und Mitarbeiter, Freiburg, konstatierten (Arzneim.-Forsch/Drug Res. 2005; 55, Nr. 1: 38-49). Die komplementäre Langzeitbehandlung wurde gut vertragen.

Pressekonferenz „Iscador® in der Evidenz basierten Medizin (EbM)“ anlässlich des 37. Deutschen Krebskongresses, Berlin, 25. März 2006; Veranstalter: Weleda AG, Schwäbisch Gmünd

kbf

Quelle:


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