Freitag, 30. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Revlimid
Revlimid
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

01. Mai 2004 VEGF-Antikörper Bevacizumab verlängert das Überleben von Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom

Der monoklonale Antikörper Bevacizumab (Avastin®) verlängert, in Kombination mit einer Chemotherapie, bei Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom das Überleben signifikant um annähernd 5 Monate. Die Substanz ist in den USA bereits seit Februar 2004 zugelassen. Für die EU wird mit einer Zulassung im ersten Quartal 2005 gerechnet.
0 Bevacizumab, vielversprechendster Vertreter der neuen „targeted therapies“, ist gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF) gerichtet. VEGF ist für die Tumorangiogenese und damit für das Tumorwachstum und die Metastasenbildung unverzichtbar. Mit Bevacizumab in der First-Line-Therapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms erbrachte eine große Phase-III-Studie jetzt erstmals den Beweis, dass das Konzept der Antiangiogenese ein wirksames Antitumorprinzip darstellt (Hurwitz H et al., Proc ASCO 2003, Abstract 3646). Dieses „proof of principle“ dürfte in der Onkologie einen Paradigmenwechsel einleiten.
Insgesamt 925 Patienten mit nicht vorbehandeltem, metastasiertem kolorektalen Karzinom wurden randomisiert und erhielten doppelblind entweder eine Kombinationschemotherapie aus Irinotecan + 5-Fluorouracil (5-FU)/Folinsäure (FA) als Bolus (IFL-Regime) + Plazebo oder die gleiche Kombinationschemotherapie + Bevacizumab. Eine dritte Gruppe wurde nur mit 5-FU/FA als Bolus + Bevacizumab therapiert. Primärer Endpunkt war die Überlebenszeit.
Die mediane Überlebenszeit betrug unter IFL + Bevacizumab 20,3 Monate, unter IFL + Placebo nur 15,6 Monate (Abb. 1). Damit konnte mit Bevacizumab gegenüber der alleinigen Kombinationschemotherapie eine Überlebensverlängerung um fast 5 Monate erzielt werden (p=0,00003).
Auch das progressionsfreie Überleben war mit 10,6 vs. 6,2 Monaten unter der Bevacizumab-Kombination hochsignifikant länger als im IFL/Placebo-Arm (p<0,00001). Eine mediane Zeit bis zur Tumorprogression von mehr als 10 Monaten konnte bisher in keiner anderen Studie bei Patienten mit kolorektalem Karzinom dokumentiert werden. Im dritten Therapiearm (5-FU/FA als Bolus + Bevacizumab) wurde ein medianes Überleben von 18,3 Monaten und ein progressionsfreies Überleben von 8,8 Monaten erzielt. Damit war auch die Kombination Bevacizumab + 5-FU/FA-Bolus wirksamer als die Kombination Irinotecan + 5-FU/FA-Bolus (IFL-Regime).
Die Kombination IFL/Bevacizumab war insgesamt gut verträglich. Lediglich Bluthochdruck trat signifikant häufiger auf als in der IFL/Placebo-Gruppe, der mit einem Diuretikum oder einem ACE-Hemmer aber leicht zu kontrollieren ist. Bei 1,5% der Patienten in der IFL/Bevacizumab Gruppe kam es zu einer gastrointestinalen Perforation, die in einem Fall zum Tod führte. Deshalb sollte beim Auftreten fraglicher gastrointestinaler Symptome unter einer Bevacizumab-Therapie die Perforation durch eine Röntgenuntersuchung ausgeschlossen werden. Die 60-Tage-Mortalität war unter IFL/Bevacizumab niedriger als im IFL/Placebo-Arm (3,0% vs. 4,9%).

Bevacizumab-Kombinationen
Die Kombinationen FOLFOX (5-FU/FA als Infusion plus Oxaliplatin) + Bevacizumab bzw. XELOX (Capecitabin + Oxaliplatin) + Bevacizumab werden derzeit im Rahmen einer placebokontrollierten Phase-III-Studie mit 1.620 Patienten geprüft. Mit dem FOLFOX-Regime war in der Goldberg-Studie eine Gesamtüberlebenszeit von etwa 20 Monaten erzielt worden (Goldberg R et al., J Clin Oncol 2004). Es wird sich zeigen, ob Bevacizumab auch hier eine Verlängerung um 5 Monate bieten können wird. Da nach bisherigen Erkenntnissen der spezielle Wirkmechanismus von Bevacizumab unabhängig von der Art der gleichzeitig verabreichten Chemotherapie ist, sollte dies möglich sein und würde einen weiteren, erheblichen klinischen Fortschritt bedeuten. Auch im adjuvanten Bereich ist eine große Phase-III-Studie mit Bevacizumab geplant, die in der zweiten Hälfte 2004 beginnen wird.

Fazit: Bevacizumab als First-Line-Therapie verlängert in hochsignifikanter Weise das Überleben von Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom und markiert – als erste anti-angiogenetische Substanz in der Krebstherapie – den Beginn einer neuen Ära.

Anzeige:
Empliciti
Empliciti

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"VEGF-Antikörper Bevacizumab verlängert das Überleben von Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib