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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Juni 2018
Seite 3/3



 
Arndt Vogel
 „FoundationOne ist ein sehr gutes Diagnostik-Tool zur Erstellung umfassender, aber trotzdem fokussierter Tumorprofile“
 
Prof. Dr. Arndt Vogel, leitender Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover, nutzt im klinischen Alltag bereits den Service FoundationOne zur molekulargenetischen Diagnostik. Im Interview berichtet er über seine Erfahrungen mit dem innovativen Verfahren.
 

Herr Prof. Vogel, wie schätzen Sie das Potenzial des Hybrid-Capture NGS als Grundlage des Services FoundationOne für den klinischen Alltag ein?
 
VOGEL: Mit dem NGS können Tumoren sehr genau charakterisiert werden. Insbesondere, wenn ein großes Gen-Panel wie beim FoundationOne-Service verwendet wird. Damit lassen sich nicht nur Mutationen aufdecken, sondern auch Genfusionen. Ich halte diesen Service für das aktuell praktikabelste Diagnostik-Tool, um ein fokussiertes, praxisrelevantes Tumorprofil zu erstellen.
 

Aus welchen Gründen haben Sie sich für das Tumorprofiling mit FoundationOne entschieden?
 
VOGEL: Dieser Service informiert über klinisch relevante Mutationen auf zahlreichen Genen, zeigt zugleich aber auch seltene Mutationen an und gibt Auskunft über die Mutationslast und über die Mikrosatelliteninstabilität. Diese Informationen erhält man sonst allenfalls in zeitaufwendigen Einzel-analysen. So erhält man viele therapierelevante Informationen in einem einzelnen Schritt.
 

Welche Rückschlüsse ziehen Sie aus den Ergebnisberichten für die Therapiewahl?
 
VOGEL: Wir verwenden die genetischen Informationen, um die Therapie-optionen für den Patienten unter Berücksichtigung aller verfügbaren klinischen und diagnostischen Merkmale auszuloten.
 
Dabei führen die genetischen Informationen nicht zwangsläufig zu sofortigen mutationsbasierten Therapien. Das ist vor allem dann der Fall, wenn diese experimentell sind oder erst nach den evidenzbasierten Standardtherapien zum Einsatz kommen sollten. Aber für die Therapieplanung ist es wichtig, das Tumorprofil möglichst umfassend zu kennen – und das so früh wie möglich. FoundationOne erleichtert die Auswertung zahlreicher Informationen, indem bereits eine Gewichtung hinsichtlich ihrer klinischen Relevanz erfolgt.
 
Auch auf die therapeutischen Möglichkeiten einschließlich einer möglichen Studienteilnahme wird eingegangen. Das ist ein hoher logistischer Aufwand und hilft bei der Diskussion um die entscheidende Frage, nämlich welche Therapie für welche Mutation infrage kommt.
 

In welchen Behandlungssituationen und bei welchen Patienten setzen Sie FoundationOne ein?
 
VOGEL: Wir setzen den Test zum Beispiel bei biliären Karzinomen ein, da es bei diesen einige potenziell therapierbare genetische Veränderungen gibt.
 
Darüber hinaus gibt es aber auch vorbehandelte Patienten, bei denen der Service Hinweise für das weitere therapeutische Vorgehen liefern kann. Auch bei diesen Patienten plädiere ich für ein möglichst frühes Profiling. Im Übrigen kann der Service auch bei vielen anderen soliden Tumoren eingesetzt werden, etwa zum Nachweis von BRCA-Mutationen beim Pankreaskarzinom.
 

Befinden wir uns mit der neuen molekularen Diagnostik, wie sie FoundationOne anbietet, an einem Wendepunkt in der Onkologie?
 
VOGEL: Von einem Wendepunkt möchte ich erst sprechen, wenn die molekulare Diagnostik eingebettet ist in eine prospektive Datenerfassung und ein großes klinisches Studienprogramm. Es zeichnet sich ja ab, dass die meisten Tumorerkrankungen sehr heterogen sind und sich anhand ihrer molekularen Charakteristika in zahlreiche Subentitäten untergliedern. Erst wenn es mit der Hilfe einer einfach durchführbaren und kosteneffizienten Panel-Sequenzierung gelingt, Patienten sehr individuell zu behandeln, ist ein Durchbruch gelungen.
 
Es sollte dann auch möglich sein, den Nutzen einer individualisierten Therapie besser als bisher nachzuweisen, indem zum Beispiel der Einschluss von Patienten in Studien auf Basis einer
Mutationsanalyse erfolgt.
 

Vielen Dank für das Gespräch!
 

Mit freundlicher Unterstützung der Roche Pharma AG

Dr. Beate Grübler

Literatur:

(1) Wheler JJ et al. Cancer Res 2016;76(13):3690-701.
(2) Schwaederle M et al. Mol Cancer Ther 2016;15(4): 743-52.
(3) Frampton GM et al. Nat Biotechnol 2013;31(11):1023-31.
(4) Ali SM et al. Oncologist 2016; 21(6):762-70.
(5) Naidoo J, Drilon A. Am J Hematol Oncol 2014;10(4): 4-11.
(6) Schrock AB et al. Clin Cancer Res 2016; 22(13):3281-5.
(7) Hall MJ et al. J Clin Oncol 2016;34(4, Suppl):528-528.
(8) Chalmers ZR et al. Genome Med 2017; 9(1):34.
(9) Stephens P et al. Ann Oncol 2016; 27(6):401-6.
(10) Schwarderle M et al. Mol Cancer Ther 2015;14(6):1488-94.

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"Umfassendes Tumorprofiling ermöglicht zielgerichtete Therapiewahl"

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