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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. August 2003 Tumorlyse-Syndrom: Effektiver Nierenschutz mit Rasburicase

Leukämien und schnell wachsende Lymphome sprechen gut auf aggressive Chemotherapie an. Kommt es dabei zum raschen Zerfall eines großen Tumors, liegt ein akuter onkologischer Notfall vor. Der drastische Anstieg des Harnsäurespiegels signalisiert ein Tumorlyse-Syndrom, das sich seit kurzem sicher und effektiv mit Rasburicase, der rekombinanten Uratoxidase, in Griff kriegen lässt.
Bei der raschen Destruktion eines Tumors werden Abbauprodukte in Form von Kalium, Phosphat, Proteinen, Nukleinsäuren und vor allem Harnsäure freigesetzt, die den Organismus überschwemmen und gefährden können. Die dadurch verursachten metabolischen Störungen werden als Tumorlyse-Syndrom bezeichnet. Ein sicherer Hinweis auf ein sich anbahnendes Tumorlyse-Syndrom ist eine Harnsäurekonzentration von mehr als 8 mg/dl. Bilden sich infolge der Hyperurikämie Harnsäurekristalle in der Niere, stellt sich akutes Nierenversagen ein, „das unter allen Umständen vermieden werden sollte“, forderte Dr. Andreas Jakob, Offenburg.
Es ist also umgehendes Handeln angesagt, denn die Harnsäure muss so rasch wie möglich normalisiert werden. In dieser Notsituation empfiehlt sich für Kinder und Erwachsene der Einsatz per Infusion von Rasburicase (Fasturtec®), mit der sich erstmals die Serumharnsäure innerhalb von vier Stunden normalisieren lässt, und zwar bei normalen Kalzium- und Phosphatkonzentrationen. In aller Regel genügt die tägliche Gabe von 0,2 mg/kg Körpergewicht über drei bis fünf Tage. Die Uratoxidase, die beim Menschen nicht vorkommt, baut die Harnsäure zu Allantoin ab. Es ist zehnmal stärker löslich als Harnsäure und kann daher rasch renal eliminiert werden, ohne das sich die gefürchteten Kristalle bilden.
Die Ansprechraten von nahezu 100% sind mit praktisch keinem anderen Urikosurikum zu erreichen. Die aktuelle Datenlage attestiert der Rasburicase gute Verträglichkeit. In einer multizentrischen Erhebung mit 176 Kindern und Erwachsenen zeigten sich nur bei vier Patienten Nebeneffekte in Form von Erbrechen, Muskelschmerzen, Fieber und Urtikaria. Seitdem die rekombinante Uratoxidase verfügbar sind, haben die durch das Tumorlyse-Syndrom bedingten Todesfälle und die Zahl der dialysepflichtigen Tumorpatienten deutlich abgenommen.

kbf

Quelle: Fachpresse-Workshop „Supportivtherapie in der Onkologie“ anlässlich des 15. Internationalen Symposiums der Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC), Berlin, Juni


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