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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

17. März 2011 Therapie des multiplen Myeloms mit Bortezomib: Längeres Überleben bei mehr Therapie-freier Zeit

Klinische Studien zeigen, dass der Proteasom-Inhibitor Bortezomib (Velcade®) die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung bei Patienten mit multiplem Myelom sowohl in der Erstlinien- als auch in der Rezidivtherapie deutlich verlängern kann [1, 2, 3]. Besonders hervorzuheben ist der nachhaltige Überlebensvorteil durch eine Primärtherapie mit Bortezomib. Die Therapie mit dem Proteasom-Inhibitor bietet Patienten lange Behandlungspausen und damit eine bessere Lebensqualität [4].
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Eine aktuelle Follow-up-Auswertung der Zulassungsstudie VISTA [4] ergab, dass Patienten, die Bortezomib, Melphalan und Prednison (VMP) erhalten hatten, einen deutlichen Überlebensvorteil gegenüber den Patienten aufwiesen, die nur Melphalan und Prednison (MP) erhalten hatten (3-Jahres-Überleben 68,5% vs. 54%). Dieser Unterschied ist umso relevanter, da die Hälfte der MP-Patienten nachfolgend noch eine Therapie mit Bortezomib erhalten hatten: Der Überlebensvorteil einer primären Behandlung mit Bortezomib kann also durch eine spätere Gabe nicht mehr aufgeholt werden. Auch nach späteren Rezidivbehandlungen bleibt der Vorteil durch eine Primärtherapie mit dem Proteasom-Inhibitor erhalten. Bei Patienten, die in der Primärtherapie mit VMP behandelt worden waren, betrug das 3-Jahres-Überleben nach einer Rezidivtherapie 67,9% gegenüber 55,9% bei Patienten, die primär MP erhalten hatten.

Unter VMP wurden in der VISTA-Studie [3] signifikant bessere Ansprechraten und eine längere Remissionsdauer als unter MP festgestellt. Von den mit VMP behandelten Patienten erreichten 30% eine komplette Remission vs. 4% unter MP. Eine komplette Remission wurde unter VMP nach 4,2 Monaten, unter MP nach 5,3 Monaten erreicht. Gleichzeitig folgte der kompletten Remission unter VMP eine deutlich längere Remissionsdauer von 24 Monaten gegenüber 12,8 Monaten unter MP. Die Primärtherapie mit VMP bietet Patienten im Vergleich zu MP vor allem eine mehr als doppelt so lange Therapie-freie Zeit (TFZ) (VMP: 17,6 Monate, MP: 8,4 Monate) [3]. Fast die Hälfte (42,7%) der mit VMP behandelten Patienten hatte eine TFZ von mehr als zwei Jahren [4].

Erfolgreiches Retreatment mit Bortezomib

Patienten der VISTA-Studie [4], die VMP oder MP in der Primärtherapie erhalten hatten, wurden in der Rezidivtherapie wieder erfolgreich mit Bortezomib behandelt. Für den Erfolg des Retreatments mit Bortezomib war die Dauer der TFZ nach der Primärtherapie ein entscheidender Parameter. Patienten, die nach der Primärtherapie mit VMP eine TFZ von mindestens 12 Monaten aufwiesen, sprachen deutlich besser auf die erneute Bortezomib-Behandlung an als Patienten, bei denen die TFZ weniger als 12 Monate betragen hatte.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Bortezomib-Therapie gehören z.B. Erkrankungen des Blutes (Neutropenie, Thrombozytopenie, Anämie), des Gastrointestinaltraktes (Übelkeit, Diarrhö, Erbrechen, Obstipation), des Nervensystems (periphere Neuropathie, Neuralgie, Parästhesie) sowie Symptome, die das Allgemeinempfinden betreffen (Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Fieber) [5]. 79% der peripheren Neuropathien unter VMP besserten sich oder waren komplett reversibel (innerhalb median 1,9 Monaten), innerhalb von 5,7 Monaten bildeten sich 60% der peripheren Neuropathien vollständig zurück [4].

Das mediane Alter der Patienten in der VISTA-Studie lag bei 71 Jahren, 30% waren älter als 75 Jahre [2]. Eine Subgruppenanalyse dieser Patienten zeigte, dass 26% der Patienten über 75 Jahren im VMP-Arm eine komplette Remission erreichten, unter MP nur 3%. Das 3-Jahres-Gesamtüberleben lag unter VMP bei 60%, unter MP bei 44%. Der Wert für die mediane Zeit bis zur Progression wurde unter Bortezomib noch nicht erreicht, während er im MP-Arm bei 16,4 Monaten lag. Die Nebenwirkungen der Behandlung mit VMP waren bei Patienten über 75 Jahren mit denen jüngerer Patienten vergleichbar [6].

Bortezomib reguliert den gestörten Knochenstoffwechsel, indem er sowohl die Aktivität knochenabbauender Osteoklasten hemmt [7-9] als auch die Differenzierung und Aktivität der knochenaufbauenden Osteoblasten steigert [10-12]. Histomorphologische Analysen zeigen, dass im Ergebnis sowohl das Knochenvolumen als auch die trabekuläre Vernetzung unter Bortezomib zunehmen können [13].

Bortezomib kann sowohl bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion als auch bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz eingesetzt werden [7]. Studien zeigen die gute Verträglichkeit und hohe Wirksamkeit des Wirkstoffs bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen bis hin zu dialysepflichtigen Patienten [13]. Von besonderer Bedeutung ist, dass unter VMP die Erholung der Nierenfunktion höher war als unter MP (44% vs. 34% bei Patienten mit Kreatinin-Clearance < 50 ml/min) [14].

1. Richardson PG et al., Cancer 2006;106:1316-1319
2. Richardson PG et al., N Engl J Med 2005;352:2487-2498
3. San Miguel JF et al., N Engl J Med 2008;359:906-917
4. Mateos M-V et al., J Clin Oncol 2010;28:2259-2266
5. Aktuelle VELCADE ® Fachinformation
6. Kropff M et al., XII International Myeloma Workshop 2009;Poster #084
7. von Metzler I et al., Leukemia 2007;21:2025-2034
8. Terpos E et al., Br J Haematol 2006;135(5):688-692
9. Boissy P et al., Blood 2006;108:1000a.Abstract 2508
10. Pennisi A et al., Am J Hematol 2008; published online: www.interscience.wiley.com. DOI:10.1002/ajh.21310
11. Giuliani D at al., Blood 2007;110:334-338
12. Zangari M et al., Br J Haematol 2005;131(1):71.73
13. Chanan-Khan A et al., Blood 2007;109:2604-2602
14. Dimopoulos M et al., J Clin Oncol 2009;27.6086-6093

Quelle:


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