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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

01. August 2002 Therapie der Emesis in der Kinderonkologie

Antiemese

Drei Viertel aller Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen können heute kurativ behandelt werden. Diese Heilungserfolge sind auf intensive, kombinierte Therapien zurückzuführen. Die hochwirksamen Substanzen induzieren zwar gute Ansprechraten, aber auch Übelkeit und Erbrechen. Die Einführung von Serotonin-Antagonisten hat auch in der Kinderonkologie zu einer verbesserten Verträglichkeit dieser Therapien geführt. Doch ähnlich wie bei Erwachsenen wird der verzögerten Emesis noch immer zu wenig Beachtung geschenkt.
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In Deutschland erkranken jährlich 1.800 Kinder unter 15 Jahren neu an Krebs, was einer Inzidenz von 14 Neuerkrankungen auf 100.000 Kindern entspricht. Das sind weniger als 1% aller Krebserkrankungen. Diese Zahlen haben sich in den letzten 20 Jahren praktisch nicht verändert. Doch seit den 80er Jahren ist eine ständige Verbesserung der Überlebenszeiten zu verzeichnen. Sie unterscheiden sich bei den einzelnen Erkrankungen und reichen von über 80% bei Leukämien/Lymphomen bis zu 50-60% bei den meisten soliden Tumoren. Konsequente Antiemese nur bei der Hälfte der Kinder Wegen des hohen Stellenwertes der systemischen Therapie mit stark emetogenen Substanzen wie Cisplatin, Ifosfamid und Cyclophosphamid stellen Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen ein Hauptproblem bei der Behandlung kindlicher Krebserkrankungen dar. Mit Einführung der 5HT3-Antagonisten hat sich dieses Problem entscheidend entschärft. Der Einsatz dieser Antiemetika ist heute auch in der Kinderonkologie Standard, zumal eine Reihe von Studien Sicherheit und Wirksamkeit gut belegt haben.
Doch wie sieht die gegenwärtige Praxis aus? Dazu hat Prof. Heribert Jürgens, Münster, eine aktuelle Umfrage durchgeführt, an der sich 70 kinderonkologische Zentren beteiligt haben. Demnach setzt die Hälfte der Institutionen standardmäßig Serotonin-Antagonisten bei jeder kombinierten zytostatischen Therapie ein, die andere Hälfte entscheidet sich selektiv je nach Emetogenität. Unter den Serotonin-Antagonisten ist Ondansetron die bevorzugte Substanz: mehr als 95% setzen auf diesen Klassiker unter den modernen Antiemetika. Prophylaxe vor Beginn der Therapie Etwa 70% der Kinderonkologen betreiben eine prophylaktische Therapie der Emesis. Doch immer noch 26% greifen nur interventionell bei Übelkeit/Erbrechen ein. Sie bestätigen damit die Expertenmeinung, dass sich die Grundregel der antiemetischen Therapie – Prophylaxe vor Therapie – noch nicht überall durchgesetzt hat.
Appliziert wird Ondansetron hauptsächlich intravenös und als Filmtablette. Die Formulierung als schnellauflösende Lingualtablette konnte sich bei Kindern aufgrund des bestimmenden Geschmacks nicht durchsetzen.
Bei hochemetogenen Chemotherapien bevorzugen die Kinderkliniken zur Antiemese Substanzkombinationen. Bevorzugter Partner von Serotonin-Antagonisten ist Dexamethason (91%, Mehrfachnennungen möglich), obwohl, so Jürgens, Kortison bereits bei vielen malignen Systemerkrankungen Bestandteil der Therapie ist und vielleicht eher zurückhaltend verwendet werden sollte. Häufig greifen Pädiater auch zu Antihistaminika (73%) als Partner, wobei die leicht sedierenden Effekte als vorteilhaft angesehen werden. 40% setzen Metoclopramid (MCP) ein.
Auch in der Strahlentherapie findet die antiemetische Prophylaxe zunehmend Anwendung, insbesondere bei der Ganzkörperbestrahlung im Rahmen einer Hochdosistherapie mit Knochenmark-/Stammzelltransplantation.
Die Umfrage bestätigte einmal mehr die gute Verträglichkeit der Serotonin-Antagonisten. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Obstipation sind selten. Defizite in der Therapie der verzögerten Emesis Während die akute Therapie-induzierte Emesis durch effektive Substanzen heute gut kontrollierbar ist, stellt die Prophylaxe der verzögerten Emesis nach wie vor ein Problem dar. Diese kann mit einer Latenz von 2-5 Tagen auftreten und bei Kindern die Gefahr der Katabolie auslösen. Mehr als die Hälfte der Kinderonkologen sehen dieses Problem, haben aber keine wirksame Gegenstrategie.
Eine konsequente antiemetische Prophylaxe ist derzeit die effektivste Maßnahme gegen verzögerte Emesis, so Experten. Hoffnungen werden jedoch auf die Einführung der ersten Vertreter der Klasse der NK-1-Antagonisten gesetzt. Denn während die akute Emesis wesentlich Serotonin-vermittelt ist, wird verzögertes Erbrechen wohl hauptsächlich durch den Neurotransmitter Substanz P und die Aktivierung von Neurokinin-1 (NK-1) Rezeptoren im ZNS ausgelöst. Spezifische NK-1 Rezeptorenblocker befinden sich in klinischen Phase-III-Studien.

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Quelle: Fachpresse-Seminar „Onkologie im Gespräch – 10 Jahre supportive Therapie“, München 2001


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