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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

18. Dezember 2007 Tetrahydrocannabinol als Antiemetikum bei Palliativpatienten und bei therapierefraktärer Emesis

Bei Chemo-oder Strahlentherapie-induzierter Emesis kann man durch eine leitliniengerechte antiemetische Prophylaxe bei den meisten Patienten die Symptome verhindern oder vermindern. Dennoch gibt es immer wieder Patienten, bei denen konventionelle Antiemetika versagen. Für Patienten, die unter therapierefraktärem Erbrechen leiden und die auch auf ausgewählte Neuroleptika nicht ansprechen, stellen Cannabinoide eine der wenigen noch verbleibenden therapeutischen Möglichkeiten dar, erläuterte Apotheker Hans-Peter Lipp, Tübingen auf dem Symposium „Palliativmedizin für Ärzte und Apotheker“ anlässlich eines Treffens onkologisch tätiger Pharmazeuten (NZW Süd) am 14.9.2007 in Ravensburg [1].
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Dronabinol (Delta-9-Tetrahydrocannabinnol, THC) ist in den USA und in Kanada bereits seit mehreren Jahren für die therapierefraktäre Emesis sowie für die Behandlung der AIDS-assoziierten Anorexie/Kachexie zugelassen. In Deutschland ist THC bisher nur als Rezeptursubstanz verfügbar. Die pharmakologische Wirkung wird vornehmlich über CB1-Rezeptoren im Gehirn vermittelt.
Bei Palliativpatienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen spielt die Übelkeit unter Schmerztherapie mit Opioden eine wichtige Rolle, denn sie schränkt die Lebensqualität der schwer kranken Patienten noch weiter ein. Auf der 4. Internationalen Konferenz Cannabinoide in der Medizin (IACM) vom 5.-6. Oktober 2007 in Köln stellte eine Arbeitsgruppe aus Deutschland eine Pilotstudie bei 23 Patienten mit weit fortgeschrittenen Tumoren die bereits einen stark verminderten Karnofsky-Index aufwiesen (median 60) vor [2]. In der Studie sollte ein Titrationsregime mit oralem THC nach einem standardi­sdierten Protokoll auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht werden. Die Patienten erhielten an Tag 1 3 x 0,8 mg THC, bzw. bei Bedarf weitere 0,8 mg. An Tag 2 wurden 3 x 1,6 mg und bei Bedarf weitere 1,8 mg verabreicht. An Tag 3 wurden 3 x 2,4 mg verabreicht. Die maximal mögliche Dosierung betrug 3 x 32 mg. Nahezu alle Patienten standen bei Aufnahme in die Studie unter Opioiden und alle Patienten litten bereits 3-5 Monate unter Übelkeit, 6 Patienten zusätzlich unter Erbrechen. 4 Patienten erhielten eine Chemotherapie. 11 Patienten bekamen bei der Aufnahme bereits Antiemetika (MCP 8, Cyclicin 2, 5-HT3-Rezeptorantagonisten 2, Dimenhydrinat 1).
Insgesamt wurden bisher 213 Behandlungstage evaluiert, wobei die Behandlungsdauer von 2 bis 27 Tagen rangierte und median bei 9,2 ± 2,3 Tagen lag. Die individuell titrierten THC-Dosen lagen zwischen 2,4 und 7,2 mg/Tag. Insgesamt wurden 23 zusätzliche THC-Dosen benötigt, hauptsächlich während der Titrationsphase. Die Wirksamkeit, soweit bisher beurteilbar, war gut. Bei 10 Patienten wurde ein guter Effekt dokumentiert. 7 Patienten konnten wegen zu kurzer Behandlungsdauer nicht ausgewertet werden und bei 6 Patienten zeigten sich kein Effekt oder Nebenwirkungen. Insgesamt wurde die Verträglichkeit des Titrationsprotokolls als gut beurteilt. Um endgültige Schlüsse ziehen zu können werden weitere Patienten nach dem Protokoll behandelt. Eine kontrollierte Studie versus Plazebo oder eine aktive Vergleichssubstanz ist nach Meinung der Autoren durchführbar.

Quelle: 1) Lipp. H-P. Dronabinol bei Palliativpatienten. NZW Süd, 14.September 2007, Ravensburg
2) Blum I., Klaschik, E,. Nauck, F., Clemes CE, Stamer U. THC as an Antiemetic in Palliative Care Patients. A Prospective Trial. 4 International Conference on Cannabinnoids in Medicine, Poster


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