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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. September 2011 Supportivtherapie: Prophylaxe geht vor Behandlung

„Supportivtherapie kann die Lebensqualität von Tumorpatienten in jeder Therapiephase verbessern“, sagte Prof. Petra Feyer, Berlin, auf einem Fachpresseworkshop am 07. Juli 2011 in München. Es gab auf diesem Gebiet in den letzten Jahren viele positive Entwicklungen, die zur Aufnahme in Leitlinien führten. Generell gilt für alle supportiven Maßnahmen, dass eine adäquate Prophylaxe einer akuten Behandlung von Symptomen überlegen ist.
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Antiemese

Die Antiemese hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht, berichtete Feyer. So können mit einer Triple-Therapie aus 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten, Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonisten und Glukokortikoiden Übelkeit und Erbrechen bei 70-90% der Patienten mit hoch emetogener Chemotherapie wirksam vermieden werden. Einen zusätzlichen Fortschritt stellt hier die vereinfachte Gabe dieser Kombination durch die einmalige i.v.-Verabreichung des NK1-Rezeptor-Antagonisten Fosaprepitant (IVEMEND®) anstatt der 3-tägigen oralen Verabreichung dar. Studiendaten belegen, dass der Benefit für den Patienten am größten ist, wenn die Antiemetika Leitlinien-gemäß eingesetzt werden. So ist eine höhere Effektivität bezüglich der Kontrollraten von Übelkeit und Erbrechen bei Einhaltung der Leitlinien mit signifikanter Überlegenheit nachweisbar [1]. Doch obwohl es die Leitlinien gibt (MASCC, ESMO, NCCN, ASCO, ONS) werden sie laut Feyer nur unzureichend umgesetzt und so besteht eine große Variabilität in der Anwendung und den Verschreibungen antiemetischer Medikamente. Allgemein wird das emetische Risiko unterschätzt. Patienten mit einem hoch/moderat emetogenen Risiko werden unterbehandelt, während Patienten mit niedrig oder minimal emetogener Chemotherapie überbehandelt sind. „Die geringe Übereinstimmung zwischen aktueller klinischer Praxis und evidenzbasierten Konsensus-Leitlinien könnte einer der Gründe für die noch immer vorhandene, nicht unerhebliche Inzidenz von Chemotherapie-induzierter Nausea und Erbrechen sein“, schlussfolgerte die Expertin.

Schmerztherapie

„Wichtigstes Ziel der analgetischen Supportivtherapie in der Onkologie sind der Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität von Tumorpatienten“, sagte Dr. Uwe Richter, Chemnitz. Bei Krebs kommt es häufig zu chronischen Schmerzen. Diese können Tumor-bedingt (68%), Tumortherapie-bedingt (19%), Tumor-assoziiert (10%) oder Tumor-unabhängig (3%) sein. „Bei der Therapie von Tumorschmerzen spielt die rechtzeitige Gabe stark wirksamer und gut verträglicher Opioide eine zentrale Rolle“, weiß Richter aus seiner Praxiserfahrung. „In der schmerz- und palliativtherapeutischen Betreuung von Tumorpatienten müssen wir uns vor allem mit den Bedürfnissen und Wünschen der Patienten auseinandersetzen.“ Eine häufige Nebenwirkung bei der Schmerztherapie (v.a. bei Opioiden) ist die Obstipation. Einzig die Kombination aus Oxycodon und Naloxon (Targin®) schafft es, diese Nebenwirkung zu umgehen, so Richter weiter. Er stellte die Angst vor Schmerzen und Tod als das zentrale Problem der Patienten dar und forderte daher ein auf den Patienten zugeschnittenes individuelles Behandlungsschema: „Die Schmerztherapie besteht nicht nur aus Medikamenten! Ärzte müssen empathisch sein und für die Sorgen des Patienten da sein.“

Febrile Neutropenie

Prof. Dr. Hartmut Link, Kaiserslautern, berichtete vom Management der febrilen Neutropenie (FN), einer schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Komplikation, die bei myelosuppressiver Chemotherapie auftreten und zu verminderten Überlebensraten führen kann. Er erklärte, dass die FN einen der häufigsten Gründe für Verschiebungen des folgenden Chemotherapiezyklus oder für Dosiskompromisse darstellt, wodurch der Erfolg der Chemotherapie erheblich beeinträchtigt werden kann. Eine konsequente Prophylaxe mit rekombinanten Granulozyten-koloniestimulierenden Wachstumsfaktoren (G-CSF)-Präparaten, wie Filgrastim (Neupogen®) oder Pegfilgrastim (Neulasta®) können das Risiko einer lebensbedrohlichen FN signifikant vermindern. Dadurch wird nicht nur die Komplikationsrate erheblich gesenkt, sondern auch die Lebensqualität der betroffenen Patienten erhöht. Die Leitlinien verschiedener Fachgesellschaften empfehlen daher bei einem Risiko für das Auftreten einer FN von über 20% oder einem Risiko von ≥ 10% und zusätzlichen Risikofaktoren die primäre G-CSF-Prophylaxe. Auch ältere Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom können ein erhöhtes Risiko für FN haben. Deshalb empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie Lungenkarzinom eine primäre Prophylaxe mit G-CSF bei FN-Risikopatienten, damit die Dosisintensität der Chemotherapie eingehalten werden kann. Wie bei anderen Supportivmaßnahmen gelte hier die Regel „Prophylaxe vor Behandlung“, so Link. Laut aktueller EORTC-Leitlinie soll das FN-Risiko nach jedem Zyklus neu bewertet werden [2]. Mit Pegfilgrastim sei eine patientenfreundliche Einmalgabe pro Zyklus möglich, die sich außerdem als besonders effektiv erwiesen hat, so Link abschließend.

sr

Literatur:
1. O’Kane et al. MASCC 2009
2. Aapro MS et al. Eur J Cancer 2011; 47:8-32

17. Münchner Fachpresse-Workshop „Supportivtherapie in der Onkologie“, 07. Juli 2011, München

Quelle:


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