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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. November 2013 Strategische Optionen bei triple-negativen und anderen HER-2-negativen Mammakarzinomen

European Cancer Congress 2013 - Mammakarzinom

Bislang ist die Chemotherapie die einzige Option, um Patientinnen mit metastasiertem triple-negativen Brustkrebs (mTNBC) effektiv behandeln zu können. In einem PRIME-Oncology-Symposium wurden verschiedene Therapieoptionen wie z.B. nab-Paclitaxel bei triple-negativen und anderen HER2-negativen fortgeschrittenen Karzinomen diskutiert.

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Erfreulich ist, dass sich das 2-Jahres-Überleben beim HER2-negativen Mammakarzinom zwischen 1990 und 2007 von 35-40% auf knapp 60% deutlich erhöht hat, sagte Vivianne Tjan-Heijnan, Maastricht, Niederlande (1). Eine Kohortenstudie zeigt jedoch, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit vom jeweiligen Rezeptorstatus abhängt und sehr unterschiedlich ist. Am schlechtesten schneiden die Patientinnen mit mTNBC ab. (2). Diesen Rezeptor-Subtyp weisen 15% aller Frauen mit metastasiertem Mammakarzinom auf.

Beim mTNBC werden derzeit 50 verschiedene Studien durchgeführt. 6 Studien untersuchen den Effekt von Bevacizumab zusätzlich zu verschiedenen Mono-Chemotherapien. Eine Studie - derzeit in der Rekrutierungsphase - evaluiert nab-Paclitaxel als Erstlinientherapie in Kombination mit Gemcitabin oder Carboplatin vs. Gemcitabin plus Carboplatin (tnAcity, NCT01881230). Wie Andreas Schneeweis, Heidelberg, erläuterte, handelt es sich um eine Phase-II/III-Studie, die die Sicherheit und Effektivität untersucht mit dem primären Endpunkt progressionsfreies Überleben (PFS).

Kasuistik

Schneeweis stellte den Fall einer 31 Jahre alten Patientin vor, die initial mit einem 4,4 cm großen Tumor (pT2 pN1 M0) in der linken Brust diagnostiziert wurde. Die Mutter der Patientin war im Alter von 42 Jahren an einem Ovarialkarzinom verstorben. Sie wurde brusterhaltend inklusive SLN-Biopsie operiert und erhielt eine adjuvante Chemotherapie (3x FEC gefolgt von 3x Docetaxel) und im Anschluss eine adjuvante Radiotherapie der linken Brust. Die Histologie ergab ein schlecht differenziertes invasives duktales Karzinom mit Beteiligung von 1-3 Sentinel-Lymphknoten und triple-negativem Rezeptorstatus (ER-, PgR- und HER2-negativ). Die Patientin lehnte einen genetischen Test ab.
 

Vorteile von nab-Paclitaxel

nab-Paclitaxel hat gegenüber dem Lösungsmittel-basierten Paclitaxel einige Vorteile:

- allergische Reaktionen treten seltener auf als bei bei Lösungsmittel-basierten Taxanen. Dadurch kann auf Kortikosteroide oder Antihistaminika in der Begleittherapie verzichtet werden.
- Die Bindung an Albumin-Nanopartikel führt zurAnreicherung im Tumor.
- Daraus ergibt sich: nab-Paclitaxel ist besser verträglich, kann höher dosiert werden und diese höhere Dosis kommt stärker am Tumor an.


Therapeutische Strategie

Hätte ein Angiogenese-Hemmer wie Bevacizumab in der Primärtherapie Vorteile gebracht? Jein, zwar haben 4 kleine Phase-III-Studien gezeigt, dass die Zugabe von Bevacizumab zur Chemotherapie das PFS verlängert. Wie die Meta-Analyse der Studien zeigte, verlängerte Bevacizumab jedoch nicht das Gesamtüberleben (OS) (3). Auch die Hemmung von EGFR durch Cetuximab zu einem Platin-basierten Therapieregime fiel enttäuschend aus, erläuterte Schneeweis. Zu anderen zielgerichteten Therapien liegen bislang keine Phase-III-Daten vor.

18 Monate später ergab sich aufgrund von Leber- und Knochenmetastasen die Indikation zu einer palliativen Chemotherapie. Dabei zeigte die Biopsie der hepatischen Läsion ein schlecht differenziertes Adenokarzinom, das dem Mammakarzinom stark ähnelte und ebenfalls triple-negativ war. Was sollte neben einer Bisphosphonattherapie gegeben werden - eine Taxan-Monotherapie oder eine Polychemotherapie? Laut AGO-Empfehlung (4) ist für die meisten TNBC-Patientinnen eine Mono-Chemotherapie die beste Option, auch unter dem Gesichtspunkt der Limitierung der Toxizität. Eine Kombinationstherapie wird dann bevorzugt, wenn eine schnell fortschreitende symptomatische Erkrankung vorliegt. Schneeweis würde der Patientin unter Berücksichtigung der Vorbehandlung mit Docetaxel eine Mono-Chemotherapie mit Paclitaxel oder nab-Paclitaxel empfehlen. Diese sollte bis zum Auftreten eines Progresses oder nicht-tolerablen Nebenwirkungen durchgeführt werden.

Fazit

Bei HER2-negativen und mTNBC gibt es keinen Goldstandard, erläuterte Guy Jerusalem, Liége, Belgien, sondern eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, die individualisiert eingesetzt werden sollten. Neben dem Rezeptorstatus gilt es, Komorbiditäten, Alter und Einstellung der Patientin zu berücksichtigen. Wichtige Aspekte für die Wahl der Therapie sind die Lebensqualität, die beim Relapse vorliegende Symptomatik, die Frage, ob ein schnelles Ansprechen nötig ist und die Aspekte OS und PFS.

cg

Sat.-Symposium "Strategic Options in Hard-to-Treat Advanced Breast Cancer: Triple-Negative and Other HER2-Negative Cases", ECC 2013, Amsterdam, 27.09.2013; Veranstalter: prIME Oncology (unterstützt durch einen unrestricted grant von Celgene)

Literaturhinweie:
(1) Dawood SS, et al. J Clin Oncol 2013;31(Suppl): Abstr. 524.
(2) Tjan-Heijnen VC, et al. Cancer Res. 2012;72(24 Suppl): Abstr. P6-07-32.
(3) O‘Shaughnessy J, et al. J Clin Oncol 2010;28(15 S): Abstr 1005.
(4) www.ago-online.de


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