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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

04. August 2014 Signifikant längeres Gesamtüberleben beim fortgeschrittenen Magenkarzinom

Angiogenesehemmer Ramucirumab

Interview mit Prof. Markus Möhler, I. Medizinische Klinik und Leiter der gastroenterologisch-onkologischen Ambulanz, Universitätsmedizin Mainz.

Mit dem humanen monoklonalen IgG1-Antikörper Ramucirumab ist ein neuer Angiogenesehemmer zur Behandlung des fortgeschrittenen Magenkarzinoms in klinischer Entwicklung. Er richtet sich gegen den VEGF-Rezeptor 2, hemmt die rezeptorvermittelte Aktivierung des Signalwegs und zeigt in zwei klinischen Studien vielversprechende Wirksamkeit.

JOURNAL ONKOLOGIE: Herr Professor Möhler, inwieweit gibt es Bedarf für innovative Wirkstoffe beim Magenkarzinom?

Möhler: Rund 60% der Patienten mit Magenkarzinom entwickeln ein bis zwei Jahre nach der operativen oder multimodalen Therapie (Chemotherapie oder Bestrahlung, je mit Operation) ein Rezidiv, oder es liegt bereits bei Diagnosestellung ein inoperables fortgeschrittenes oder sogar schon metastasiertes Magenkarzinom vor. Die Prognose ist in diesem metastasierten Stadium leider ungünstig, so dass es einen hohen Bedarf für innovative Therapiestrategien gibt. Wichtig sind Wirkstoffe mit neuen Ansatzpunkten, um auch bei Patienten, die bereits Resistenzen auf die etablierte Chemotherapie entwickelt haben, Überlebensvorteile sichern zu können.

JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Bedeutung messen Sie dem neuen Angiogenesehemmer Ramucirumab zu?

Möhler: Wir wissen von anderen gastrointestinalen Tumoren, dass es sich bei der Angiogenesehemmung um ein wirksames Therapieprinzip handelt. Auch beim Magenkarzinom gibt es Hinweise, dass eine Hemmung der Gefäßneubildung ein effektives Wirkprinzip sein kann. Das wird durch die bereits vorliegenden Studien zu Ramucirumab bestätigt.

JOURNAL ONKOLOGIE: Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Resultat der REGARD-Studie (1)?


Möhler: Bei REGARD handelt es sich um eine randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie, in der 355 Patienten mit fortgeschrittenem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs in der Zweitlinientherapie mit Ramucirumab plus Best Supportive Care (BSC) im Vergleich zu Placebo plus BSC behandelt wurden. Es resultierte eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens unter dem Angiogenesehemmer von 3,8 auf 5,2 Monate. Dabei muss man bedenken, dass es sich um einen Mittelwert handelt, einige Patienten profitierten von Ramucirumab noch stärker und das bei guter Lebensqualität. Ramucirumab ist außerdem bislang die erste und einzige Substanz, für die als Angiogenesehemmer ein derartiger Überlebensvorteil in der Monotherapie beim metastasierten Magenkrebs belegt wurde. Als häufigste Nebenwirkung trat eine Hypertonie auf, die gut zu kontrollieren war. Die Behandlung war daher insgesamt gut verträglich.

JOURNAL ONKOLOGIE: Was sind die zentralen Ergebnisse der 2. Phase-III-Studie RAINBOW (2), in der Ramucirumab in Kombination mit Paclitaxel in der Zweitlinie geprüft wurde?

Möhler: Wir haben selbst an der RAINBOW-Studie teilgenommen. Die zentrale Fragestellung war, ob sich der Überlebensvorteil, der in der Monotherapie dokumentiert wurde, auch in der Kombinationstherapie erwirken lassen. Das konnte klar gezeigt werden. Denn in der Studie, in der 665 Patienten mit Paclitaxel alleine oder Paclitaxel plus Ramucirumab behandelt wurden, ergab sich im Kombinationsarm erneut eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens um 2,3 Monate.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie bewerten Sie den Patientennutzen?

Möhler: In der Zweittherapie haben wir gegenwärtig wenige Therapieoptionen, wie zum Beispiel Taxane, Irinotecan oder FOLFIRI. Ramucirumab zeigte jeweils einen klaren Überlebensvorteil ohne große Toxizität in zwei Phase-III-Studien allein oder in Kombination. Die beim diesjährigen ASCO präsentierte RAINBOW-Subgruppenanalyse (3) belegte außerdem den größeren Benefit für Kaukasier gegenüber japanischen Patienten. Ramucirumab  wurde kürzlich in Amerika zugelassen und wird weiter in Zweitlinien-Studienkonzepten, wie z.B. mit Irinotecan oder FOLFIRI untersucht werden. Als Onkologen benötigen wir weitere gute Ergebnisse von solchen angiogenesehemmenden Substanzen wie Ramucirumab oder Apatinib zur täglichen Versorgung  unserer Patienten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Literaturhinweise:
(1) Fuchs CS et al. Lancet 2014; 383:31-39.
(2) Wilke H et al. J Clin Oncol 2014; 32 (Suppl 3): Abstract LBA7.
(3) Hironaka S et al. J Clin Oncol 2014; 32:5s, (Suppl abstr 4005).


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