Montag, 26. August 2019
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

09. November 2018 Sequenz beim mCRPC: Neue Daten zur Erstlinientherapie

Aktuellen Daten zufolge kann sich die Erstlinientherapie des nicht- oder mild-symptomatischen metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) mit Abirateronacetat (Zytiga®) + Prednison/Prednisolon positiv auswirken auf das PSA-Ansprechen unter der Folgetherapie. Bei der Planung der Sequenz sollte man daher nach Ansicht von Experten auch die Wirksamkeit der Folgetherapien im Blick haben.
In der Erstlinientherapie des nicht- oder mild-symptomatischen mCRPC sollte gemäß aktueller S3-Leitlinie Abirateronacetat + Prednison/Prednisolon (Abirateron/P) oder Enzalutamid zum Einsatz kommen (1). Für die Wahl zwischen diesen beiden Optionen im klinischen Alltag könne u.a. auch die Wirksamkeit von Folgetherapien eine Rolle spielen, erläutert Prof. Dr. Kurt Miller, Berlin.

So wiesen mehrere retrospektive Studien darauf hin, dass eine initiale Therapie mit Abirateron/P gefolgt von Enzaluamid zu einem besseren PSA50-Ansprechen (Abfall des PSA-Wertes um mind. 50%) in der zweiten Therapielinie führte (27-37%) als mit der umgekehrten Sequenz (13-17%). Die mCRPC-Patienten waren teils mitDocetaxel vorbehandelt und teils Chemotherapie-naiv (2-4).

Erstmals prospektive Phase-II-Daten

In der ersten prospektiven, offenen Phase-II-Studie zur Sequenztherapie des mCRPC zeigte sich ähnliches: Hier war das PSA50-Ansprechen bei Männern, die zunächst Abirateron/P und dann Enzalutamid erhalten hatten, in der zweiten Therapielinie signifikant höher als bei der umgekehrten Abfolge (31% vs. 4%; p<0,001; koprimärer Endpunkt) (5). Auch das PSA-progressionsfreie Überleben (PSA-PFS) unter der Folgetherapie war signifikant länger bei Therapiestart mit Abirateron/P (median 2,7 vs. 1,3 Monate; p<0,001; sekundärer Endpunkt).

Bei 2 weiteren Endpunkten zeigte sich eine nicht-signifikante, numerische Überlegenheit. Dies galt für die mediane Zeit bis zur zweiten PSA-Progression (kombiniertes PSA-PFS über 1. und 2. Therapielinie; 13,6 Monate vs. 11,9 Monate bei Start mit Enzalutamid; p=0,106; koprimärer Endpunkt) (5). Ebenfalls traf dies zu auf das kombinierte PFS über beide Therapielinien, das bei Therapiestart mit Abirateron/P um 3,6 Monate besser war (13,6 vs. 10 Monate; p=0,22; sekundärer Endpunkt) (5).

Die Studie schloss Chemotherapie-naive mCRPC-Patienten ein, die in der Erstlinie randomisiert Abirateron/P oder Enzalutamid erhielten (je n=101) und bei PSA-Progress zur jeweils anderen Therapie wechselten (n=65 bzw. 71) (5).

„Wir haben zum ersten Mal prospektive Phase-II-Daten, nach denen sowohl die PSA50-Ansprechrate als auch die Zeit bis zur PSA-Progression in der zweiten Therapielinie besser sind, wenn wir die Therapie mit Abirateron/P beginnen und bei Progress mit Enzalutamid fortsetzen als bei umgekehrtem Vorgehen“, fasst Miller zusammen.
 
Kasuistik: Sequenztherapie beim mCRPC mit Abirateron/P in der Erstlinie

Anknüpfend an die aktuellen Daten berichtet Dr. Eva Hellmis, Duisburg, von einem Patienten, der seit Erstdiagnose des metastasierten Prostatakarzinoms mit einer Sequenztherapie, in der Abirateron/P in der Erstlinientherapie des mCRPC zum Einsatz kam, inzwischen mehr als 64 Monate erfolgreich behandelt werden konnte.

Die Diagnose eines ossär und lymphogen metastasierten Prostatakarzinoms (cT3 N2 M1, G3, Gleason 8 (4+4)) erfolgte im April 2013. Hellmis begann zunächst eine konventionelle ADT mit einem GnRH-Analogon, im Juli 2013 wurde durch Addition eines Androgenrezeptorblockers auf eine max. Androgenblockade umgestellt. Im Dezember erreichte der PSA-Wert einen Nadir von 0,062 ng/ml.

Aufgrund eines klinischen und radiologischen Progresses, d.h. der Entwicklung einer Kastrationsresistenz, mit zunehmenden Schmerzen verabreichte Hellmis ab Dezember 2014 Abirateron/P. Hierunter wurde der Patient wieder schmerzfrei bei gutem Allgemeinzustand (ECOG 0), der PSA-Wert fiel im Februar 2015 auf einen Nadir von 0,085 ng/ml. Nachdem sich unter dieser Therapie die Erkrankung rund 2 Jahre gut stabilisierte, verabreichte Hellmis jeweils aufgrund eines Progresses ab November 2016 9 Zyklen Docetaxel, ab Juli 2017 eine Docetaxel-Rechallange-Therapie und ab November 2017 Enzalutamid.

„Mehr als 5 Jahre nach Erstdiagnose eines metastasierten Prostatakarzinoms ist der Patient nach einer modernen Sequenztherapie weitgehend beschwerdefrei bei derzeit stabiler Erkrankung“, so das Fazit von Hellmis.


Mit freundlicher Unterstützung der Janssen-Cilag GmbH

Anne Krampe-Scheidler

Literatur:


(1) S3-Leitlinie Prostatakarzinom 5.0, 2018. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom (Zugriff: 16.09.18).
(2) Terada N et al. Int J Urol 2017;24(6):441-8.
(3) Miyake H et al. Clin Genitourin Cancer 2017;15(4):E591-7.
(4) Maughan BL et al. Prostate 2017;77:33-40.
(5) Khalaf D et al. J Clin Oncol 36 2018 (suppl; abstr 5015) & Poster, ASCO 2018. http://ascopubs.org/doi/abs/10.1200/JCO.2018.36.15_suppl.5015 (Zugriff: 12.10.2018).


Das könnte Sie auch interessieren

„du bist kostbar“

Aufgrund der zunehmend verbesserten Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren nimmt die Zahl der Menschen mit Krebs, die geheilt werden oder lange mit der Erkrankung leben können, stetig zu. „Dennoch erleben Menschen, die von Krebs betroffen sind, die Krankheit meist als tiefen Eingriff ins Leben. Mit den Ärzten bespricht man die medizinischen Behandlungsschritte, doch die Angst bleibt und es stellen sich häufig viele weitere Fragen. Wir beantworten diese...

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten
© Alexander Raths / Fotolia.com

Für Krebspatienten ist die Teilnahme an einer Studie mit der Chance verbunden, frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden zu bekommen, die im klinischen Alltag nicht erhältlich sind. Neue Wirkstoffe bieten viele Chancen, können aber auch unbekannte Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Das ONKO-Internetportal erläutert, welche Arten von Studien es in der Krebstherapie gibt und was Patienten, die sich für eine Studienteilnahme interessieren,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Sequenz beim mCRPC: Neue Daten zur Erstlinientherapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich