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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. März 2016 SABCS: Trends und Highlights

Neben allgemeinen Trends in der Tumortherapie wie einer Reduktion radikaler Operationen und modifizierter Strahlentherapie, berichtete Prof. Michael Untch, Berlin, im Rahmen eines Presseworkshops über adjuvante und neoadjuvante Therapien – ein Hauptthema auf dem diesjährigen San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS)

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Fachinformation

Vorhersage des Rezidivrisikos bei Mammakarzinomen

Eine „klare Aussage“ macht, laut Untch, der Genexpressionstest EndoPredict® zur  Prognoseabschätzung bei Mammakarzinomen. Die von Mitch Dowsett auf dem SABCS präsentierten Daten der Vergleiche zweier Multigen-Testverfahren (EndoPredict® vs. Oncotype DX®) sprächen eindeutig für EndoPredict®, der den molekularen „Fingerabdruck“ auch im Kontext mit den klinischen Parametern Lymphknotenstatus und Tumorgröße, den EPClin-Score, darstellt. Dem Test gelingt eine hochwertige Vorhersage des Rezidivrisikos über 10 Jahre, was für die betroffenen Patientinnen eine individuelle Risikoabschätzung und eine Entscheidungshilfe für oder gegen Chemotherapien bedeutet.

Highlights des SABCS waren laut Untch auch die 10-Jahres-Daten der BCIRG-006-Studie und der HERA-Studie. So konnte ein signifikanter Benefit bei HER2-positivem Mammakarzinom unter adjuvanter Trastuzumab (Herceptin®)-Therapie gezeigt werden. Erstmalig wurde auch von einer niederländischen Arbeitsgruppe der Nachweis erbracht, dass es ein hohes Metastasierungs- und damit auch ein Mortalitätsrisiko darstellt, wenn bei HER2-positiven Patientinnen mit kleinen (< 1 cm) Karzinomen keine Behandlung erfolgt. Positiv ausgedrückt, konnte unter Trastuzumab-Therapie bei dieser Patientenkohorte ein 100%iges Überleben erreicht werden, „eigentlich eine Heilung“, wie Untch betonte.


Nutzen von Carboplatin in der neoadjuvanten Therapie

Daten der GeparSixto-Studie zeigen einen positiven Effekt bei Zugabe von Carboplatin zu einer neoadjuvanten Therapie beim triple-negativen (TNBC)und HER2-positiven Mammakarzinom, wie Untch berichtete. Die Kombination Anthrazyklin- und Taxan-haltiger Chemotherapeutika mit Carboplatin ist mit deutlich höheren pathologischen Komplettremissionen (pCR) assoziiert, wie der Studienautor Gunter von Minckwitz zeigen konnte. Ob dies auch mit einer Verbesserung des rezidivfreien Überlebens (DFS) oder des Gesamtüberlebens (OS) einhergeht, konnte in der Studie nur bei triple-negativen Patientinnen verifiziert werden. Nach 3 Jahren waren noch 85,8% unter Carboplatin-haltiger Therapie rezidivfrei vs. 76,1% ohne Carboplatin. HER2-positive Patientinnen mit einer pCR brauchen aber kein zusätzliches Carboplatin – wer eine pCR hatte, war „geheilt“, so Untch. Eine amerikanische Studie mit entsprechendem Design, die CALGB-40603-Studie, zeigte zwar auch eine erhöhte pCR unter Carboplatin, jedoch war der Überlebens-Benefit hier nicht signifikant sichtbar. Dies sei auf die unzureichende statistische Power der Studie zurückzuführen. Die unterschiedlichen Aussagen der beiden Studien und eine Optimierung der zukünftigen neoadjuvanten Therapieregime bei TNBC sollen in der laufenden GeparOcto-Studie evaluiert werden. Hier werden eine dosisdichte Anthrazyklin/Taxan-Chemotherapie mit Anthrazyklin/Taxan-Chemotherapie plus Carboplatin verglichen und bewertet werden.


Besseres Nutzen-Risiko-Profil mit 125 mg/m2 nab-Paclitaxel

Mit Aufmerksamkeit wurden die aktuellen Daten aus der GeparSepto-Studie zur Dosierung der hocheffektiven, albumingebundenen Form von Paclitaxel (nab-Paclitaxel) aufgenommen. Eine Dosisreduktion von 150 mg/m2 auf 125 mg/m2 resultierte in einer Verringerung der peripheren Neuropathien (PNP), ging aber nicht mit einem Wirksamkeitsverlust einher.

Nach dem Amendment lag die pCR-Rate bei den mit 125 mg/m2 nab-Paclitaxel behandelten Patientinnen bei 41,4% (vs. 32,4% mit 80 mg/m2 konventionellem Paclitaxel). Insbesondere stieg die pCR-Rate bei Patientinnen mit triple-negativem Mammakarzinom auf 49,3% mit der 125-mg-Dosierung im Vergleich zu 46,9% unter der 150-mg-Dosierung. Inzwischen sind die Ergebnisse der GeparSepto-Studie in Lancet Oncology voll publiziert (1).

Zudem zeigt eine Hinzunahme von Carboplatin (ADAPT-Studie) auch hier eine signifikant höhere pCR-Rate. Damit ist nab-Paclitaxel laut Untch ein guter Kandidat für neoadjuvante Therapien.

Weitere Schwerpunkte auf dem SABCS waren diverse Studien zu T-Zell-Checkpoint-Inhibitoren. Immuntherapeutika wie Atezolizumab oder Pembrolizumab zeigten bei HER2-negativen und Hormonrezeptor-positiven Patientinnen eine Wirkung und könnten zukünftig die „Immunbremse lösen“, so Untch.

(ghk)

Quelle: 32. Münchener Fachpresse-Workshop mit Highlights vom ASH 2015 und SABCS 2015, 13.01.2016, München; Veranstalter: Pomme-med

Literatur:

(1) Untch et al. Lancet Oncol 2016. Published Online February 8, 2016 http://dx.doi.org/ 10.1016/S1470-2045(15)00542-2.


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