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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

31. Juli 2015 Rezidiviertes Multiples Myelom: Elotuzumab verhindert Progression

Der SLAMF7-Antikörper Elotuzumab verlängerte zusätzlich zu einer Standardtherapie aus Lenalidomid und Dexamethason, gegeben bei Patienten mit rezidiviertem Multiplen Myelom, das progressionsfreie Überleben (PFS) signifikant besser als die Standardtherapie allein, so die Zwischenergebnisse der Phase-III-Studie ELOQUENT-2.

Elotuzumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der gegen Signaling Lymphocytic Activation Molecule F7 (SLAMF7) gerichtet ist. SLAMF7 wird auf Myelom- und auf Natürlichen Killer(NK)-Zellen stark exprimiert, ist jedoch nicht im normalen Gewebe zu finden. Elotuzumab wirkt über einen dualen Mechanismus: Durch Bindung an SLAMF7 aktiviert es direkt NK-Zellen, nicht jedoch Myelom-Zellen. Elotuzumab aktiviert NK-Zellen zudem über CD16, hierdurch können NK-Zellen Myelomzellen selektiv via Antikörper-abhängiger zytotoxischer Effekte abtöten.

In die von Bristol-Myers Squibb und Abbvie finanzierte offene multizentrische Phase-III-Studie ELOQUENT-2 wurden 646 Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplen Myelom eingeschlossen und randomisiert mit Elotuzumab plus Lenalidomid/Dexamethason (n=321) oder Lenalidomid/Dexamethason (n=325) behandelt. Koprimäre Endpunkte waren das PFS und Gesamtansprechrate (ORR). Sagar Lonial, Atlanta, USA, berichtete von den Ergebnissen einer geplanten Interims-analyse, die nach einer Mindestnachbeobachtungszeit von 2 Jahren und nach dem Auftreten von 70% der Ereignisse vorgesehen war. Stichtag für diese Zwischenanalyse war der 4. November 2014. Die Patienten der Elotuzumab-Gruppen hatten im Median 19 Behandlungszyklen, die der Kontrollgruppe 14 Zyklen erhalten. In der Elotuzumab-Gruppe werden noch 35% und in der Kontrollgruppe 21% der Patienten weiter behandelt (1).

Das PFS der Elotuzumab-Patienten war mit 19,4 Monaten im Median signifikant länger als das PFS der Kontrollpatienten mit 14,9 Monaten (p=0,0004). Das 1-Jahres-PFS lag mit Elotuzumab bei 68%, das 2-Jahres-PFS bei 41%, in der Kontrollgruppe bei 57% bzw. 27% (Abb. 1). Das PFS war mit Elotuzumab in allen Subgruppen besser als in der Kontrollgruppe, auch bei Patienten mit Deletion del17p sowie Translokation t(4;14). Die ORR lag mit Elotuzumab bei 79%, ohne Elotuzumab bei 66% (p=0,0002). Die Daten zum Gesamtüberleben sind derzeit noch nicht reif.

Abb. 1: ELOQUENT-2-Studie – Koprimärer Endpunkt progressionsfreies Überleben (nach S. Lonial). E=Elotuzumab, Ld=Lenalidomid/Dexamethason.
Abb. 1: ELOQUENT-2-Studie – Koprimärer Endpunkt progressionsfreies Überleben (nach S. Lonial). E=Elotuzumab, Ld=Lenalidomid/Dexamethason.

 

Insgesamt wurde der Antikörper im Vergleich zur Kontrollgruppe gut vertragen. Vor allem bei der ersten Gabe kam es bei etwa 10% der Patienten zu Infusionsreaktionen.

(sh)

Quelle: ASCO 2015, #8508

Literatur:

(1) Lonial S, et al. N Engl J Med. 2015, Online publiziert am 2. Juni 2015. http://dx.doi.org/10.1056/NEJMoa1505654.


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