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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

10. Oktober 2006 Radioimmuntherapie verdreifacht Komplettremissionen

ASCO 2006: Konsolidierung beim Mantelzell-Lymphom

Der mit radioaktivem Yttrium-90 (90Y) markierte monoklonale Anti-CD20-Antikörper Ibritumomab-Tiuxetan (Zevalin®) könnte die Therapie von Non-Hodgkin-Lymphomen weiter verbessern: Bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Atlanta wurden Ergebnisse vorgestellt, wonach Zevalin®, in der First-line-Therapie eingesetzt, die Ansprechraten nach Immunchemotherapie beim Mantelzell-Lymphom und auch beim follikulären Lymphom noch einmal erheblich erhöhen kann.
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Das Mantelzell-Lymphom (MCL) hat einen aggressiveren Verlauf als das follikuläre Lymphom und wird deshalb heute nicht mehr zu den indolenten Lymphomen gezählt. Es wird frühzeitig refraktär gegenüber den meisten Zytostatika. Obwohl es initial gut auf eine Immunchemotherapie mit dem monoklonalen Anti-CD20-Antikörper Rituximab anspricht, sind selbst molekulare Komplettremissionen meist nur von kurzer Dauer. Hochdosis-Chemotherapie (Rituximab plus HyperCVAD) oder autologe Stammzelltransplantation verlängern die Ansprechdauer, aber auch damit lässt sich keine Heilung erzielen.

Weil das MCL aber strahlensensitiv ist, setzt man große Hoffnungen in die Radioimmuntherapie mit radioaktiv markierten monoklonalen Antikörpern: Der Antikörper bindet an das entsprechende Antigen auf den Lymphomzellen, reichert sich dadurch in den befallenen Lymphknoten an und die Lymphomzellen geraten so in ein regelrechtes Kreuzfeuer radioaktiver Bestrahlung. Für eine solche Behandlung, so Mitchell R. Smith, Philadelphia, ist eine Wirksamkeit beim rezidivierten MCL nachgewiesen, und sie ist überdies so gut verträglich, dass sie auch bei älteren Patienten angewendet werden kann.

In einer von Smith geleiteten Phase-II-Studie der Eastern Cooperative Oncology Group (ECOG 1499) wurde deshalb untersucht, ob die Zugabe des Radioantikörpers 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan zu einer Immunchemotherapie als First-line-Therapie des MCL das Ansprechen verlängert. 56 Patienten mit zuvor unbehandeltem Mantelzell-Lymphom erhielten 4 Zyklen einer R-CHOP-Immunchemotherapie (Rituximab plus Cyclophosphamid/Vincristin/Doxorubicin/Prednison) und – sofern sie darauf mindestens mit einer Stabilisierung der Erkrankung angesprochen hatten – anschließend eine Konsolidierungstherapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan (15 MBq/kg). 24 der Patienten (44%) waren über 60 Jahre alt.

Komplettremissionen mehr als verdreifacht
Nach R-CHOP hatten 36 von 50 auswertbaren Patienten (72%) angesprochen, allerdings nur sieben (14%) mit einer Komplettremission. Weitere 13 Patienten (26%) konnten mit einer Krankheitsstabilisierung aufwarten und nur 2% (d.h. ein Patient) waren progredient. Nach der Konsolidierung mit der Radioimmuntherapie waren insgesamt 38 von bislang 45 auswertbaren Patienten, also 85%, in Remission, insbesondere aber hatte jetzt mit 21 Patienten knapp die Hälfte (47%) eine komplette Remission erreicht (Abb. 1).
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Die Radioimmuntherapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan hatte also insgesamt mindestens 14 Patienten zusätzlich eine Komplettremission beschert; zwei weitere hatten es erst dadurch von einer Krankheitsstabilisierung zur partiellen Remission gebracht; bei 42% der Patienten hatte sich damit das Ansprechen gegenüber der R-CHOP-Therapie verbessert.

Die Haupttoxizität in dieser Studie, in der keine prophylaktischen Wachstumsfaktoren gegeben worden waren, bestand in einer Neutropenie, die nach der Immunchemotherapie stärker ausgeprägt war: bei 14% der Patienten vom Grad 3 und bei 40% vom Grad 4. Jedoch traten febrile Neutropenien vom Grad 3 bzw. 4 nur in 4% bzw. 2% der Fälle auf. Nach der Radioimmuntherapie litten 36% der Patienten an Grad-3- und 20% an Grad-4-Neutropenien; in keinem Fall wurde hier eine febrile Neutropenie dieser Schweregrade diagnostiziert. Hingegen zeigten 16% bzw. 34% der Patienten hier eine Grad-3-bzw. Grad-4-Thrombozytopenie. Nicht-hämatologische Toxizitäten wurde nicht beobachtet.
Ob das progressionsfreie und möglicherweise sogar das Gesamtüberleben durch die Konsolidierungs-Radioimmuntherapie positiv beeinflusst wird, lässt sich wegen der Kürze des Follow-up noch nicht beurteilen. Die Ergebnisse belegen jedoch zweifelsfrei, so Smith, dass die Konsolidierung mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan in der First-line-Therapie des Mantelzell-Lymphoms außerordentlich wirksam ist.

Radioantikörper bei Salvagetherapie kombiniert einsetzen
Auch nach Ansicht von Oliver Weigert und Kollegen sollte man 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan früher im Verlauf des MCL einsetzen: Die Münchner Hämatologen verglichen die Daten aus zwei Phase-II-Studien, in denen Patienten mit rezidivierendem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan einmal zu Beginn einer Salvagetherapie (n = 19; 13 auswertbar) und einmal nach zytoreduktiver Therapie zur Konsolidierung (n=16; 11 auswertbar) erhalten hatten.
Letztere Strategie scheint erheblich erfolgreicher zu sein, so Weigert: Insgesamt sprachen hier 10 der 11 auswertbaren Patienten an (90,6%), fast zwei Drittel (n=7; entspricht 63,3%) sogar mit einer kompletten Remission. Bei der Salvagetherapie lag die Ansprechrate hingegen nur bei 30,8% (4 von 13 Patienten, davon nur einer (7,7%) komplett). Progressionsfrei überlebten die Patienten nach der Salvagebehandlung im Median 3 Monate lang, nach der Konsolidierungstherapie ist der Medianwert nach mehr als 9 Monaten noch nicht erreicht
(Abb. 2).
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Quelle: Aktualisierte Daten aus den Vorträgen und Poster beim 42nd Annual Meeting of the American Society of Clinical Oncology (ASCO), 2.-6. Juni 2006 in Atlanta, Georgia.
Mit freundlicher Unterstützung von Schering Deutschland GmbH


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