Freitag, 26. April 2019
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. April 2014 Prostatakarzinom - Moderne Taxantherapie bietet Überlebensvorteil

DKK 2014 - Prostatakarzinom

In der Therapie des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms stehen heute mehrere neue Substanzen und Sequenzen zur Verfügung. Allerdings ist der Stellenwert prädiktiver Marker zur individuellen Therapieauswahl weiterhin unklar. "Beim metastasierten Prostatakarzinom ist die moderne Taxantherapie daher weiterhin ein therapeutischer Eckpfeiler", sagte Dr. Burkhard Otremba, Oldenburg. Cabazitaxel ist ein modernes Taxan, das über die P-glycoprotein(PgP)-Efflux-Pumpe Resistenzen überwinden kann. In der TROPIC-Studie (1) zeigte Cabazitaxel nach Docetaxel einen signifikanten Überlebensvorteil, der in den kürzlich veröffentlichten Update-Daten auch nach 2 Jahren weiter bestand (Abb. 1) (2).

Anzeige:

Das metastasierte kastrationsresistente Prostatakarzinom (mCRPC) ist ein heterogener Tumor (3), was die Behandlung mit Antihormontherapie erschwert. Es können sowohl Androgenrezeptor(AR)-positive als auch AR-negative Tumorzellen vorkommen, so dass beispielsweise Primärtumor und Metastasen unterschiedliche Tumorzellpopulationen aufweisen. "Sind Prostatakarzinom-Stammzellen AR-negativ, luminale sekretorische Zellen aber AR-positiv, gehen die AR-positiven Zellen durch die Antihormontherapie in die Apoptose, während die AR-negativen Zellen sich adaptieren", sagte Otremba. Darüber hinaus zeigen nicht alle Patienten ein Ansprechen auf eine antihormonelle Therapie: jeder Dritte spricht nicht auf Abiraterone, jeder Vierte nicht auf Enzalutamid an. Diese Non-Responder wie auch solche, die unter Docetaxel einen schnellen Progress erfahren, profitieren besonders von einer Chemotherapie mit Cabazitaxel.

Therapiesequenz nach Docetaxel?

Es stellt sich die Frage, welche Medikation nach LHRH-Versagen für welchen Patienten am geeignetsten ist. Docetaxel in der Erstlinie stellt die Therapie der Wahl bei symptomatischem mCRPC mit aggressivem Verlauf und hoher Tumorlast dar. "Schließt sich unmittelbar daran eine Cabazitaxel-Therapie an, wird den Patienten im Median ein Gesamtüberleben von 2,5 Jahren ermöglicht", sagte Otremba. Patienten, die für Cabazitaxel in Frage kommen, sollen einen ausreichend guten Allgemeinzustand (ECOG max. 2) mit guter Leber- und Nierenfunktion haben und sollten möglichst nicht extensiv chemotherapeutisch vorbehandelt sein, damit eine ausreichende hämatopoetische Reserve gewährleistet ist. Bei Patienten über 70 Jahre sollte ein geriatrisches Assessment durchgeführt werden. Eine retrospektive Auswertung (4) von 633 mit Docetaxel behandelten mCRPC-Patienten einer Versorgungsdatenbank hat gezeigt, dass mehr Patienten einer lebensverlängernden Drittlinientherapie zugeführt werden konnten, wenn sie in Zweitlinie mit Cabazitaxel statt mit Abiraterone behandelt wurden: von 31% Cabazitaxel-Behandelten in Zweitlinie kamen 14% in die Drittlinie mit Abiraterone, während es umgekehrt von 48% Abiraterone-Behandelten nur 7% waren, die in der Drittlinie Cabazitaxel erhielten. "Da stellt sich die Frage, ob die Chemotherapie wirklich als ultimative Reserve aufgehoben werden sollte", sagte Otremba. Die für den Patienten individuell beste Therapiesequenz wird weiter eruiert. Die laufende Phase-III-Studie FIRSTANA (NCT01308567) vergleicht z.B. Cabazitaxel/Prednison in der Erstlinie direkt mit Docetaxel/Prednison.

ab

Abb. 1: Update-Analyse der TROPIC-Studie (2).

Literaturhinweise:
(1) De Bono JS et al. Lancet 2010; 376(9747):1147-54.
(2) Bahl A et al. Ann Oncol 2013; 24(9):2402-8.
(3) Crnalic S et al. Endocr Relat Cancer 2010; 17(4):885-95.
(4) Schnadig I et al. Poster unter http://cdn.f1000.com/posters/docs/253895021

Sanofi-Satellitensymposium "Innovative zielgerichtete Therapien" im Rahmen des DKK, Berlin, am 21.02.2014


Das könnte Sie auch interessieren

Gebärmutterhalskrebs verhindern

Gebärmutterhalskrebs verhindern
© farland9 / Fotolia.com

Gebärmutterhalskrebs kann durch eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) ausgelöst werden. Papillomviren sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren, mit denen sich rund 80 Prozent der Frauen in Deutschland im Laufe ihres Lebens infizieren. In der Regel erkennt das Immunsystem die Infektion, so dass diese meistens innerhalb von zirka 24 Monaten unbemerkt ausheilt. Ein Interview mit Prof. Dr. med. Gerd-Henrik Griesser, Facharzt für Pathologie in Köln,...

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten
© Alexander Raths / Fotolia.com

Für Krebspatienten ist die Teilnahme an einer Studie mit der Chance verbunden, frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden zu bekommen, die im klinischen Alltag nicht erhältlich sind. Neue Wirkstoffe bieten viele Chancen, können aber auch unbekannte Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Das ONKO-Internetportal erläutert, welche Arten von Studien es in der Krebstherapie gibt und was Patienten, die sich für eine Studienteilnahme interessieren,...

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

„Sie haben Krebs“ – kaum ein Betroffener wird diesen Satz je vergessen. Von jetzt auf gleich gerät das Leben aus den Fugen. Fragen, Ängste, Traurigkeit, Wut – alles wirbelt durcheinander. Auch die Zeit der Behandlung bis hin zur Nachsorge bringt Belastungen mit sich, die Betroffene an ihre Grenzen bringen können. Nimmt die psychische Belastung überhand oder dauert sie lange an, kann psychotherapeutische Hilfe sinnvoll sein. Der...

Was verstehen Ärzte unter „Therapielinien“?

Die Behandlung von Krebs richtet sich nach Art und Stadium der Erkrankung sowie dem individuellen Befinden des Patienten. Neben der Operation und der Strahlentherapie ist die medikamentöse Therapie eine wichtige Option. Wann welche Maßnahmen zum Einsatz kommen sollten, wird in ärztlichen Leitlinien festgehalten. Welche Medikamente zu welchem Zeitpunkt am wirksamsten und verträglichsten sind, wird zuvor in klinischen Studien untersucht. Basierend auf den Ergebnissen...

Ein Zebra erobert die sozialen Medien

Ein Zebra erobert die sozialen Medien
© #zebrasNETfinden

Mehr Aufmerksamkeit für Neuroendokrine Tumoren (NET) und die Förderung der Früherkennung – das war Ziel der Awareness-Aktion #zebrasNETfinden, die im Rahmen des internationalen NET Cancer Days am 10. November stattfand. Mit Infoständen in sieben deutschen Städten und einer Foto-Aktion in den sozialen Medien konnte die Kampagne eine Vielzahl von Menschen auf Symptome und Therapiemöglichkeiten dieser seltenen Krebserkrankung aufmerksam machen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Prostatakarzinom - Moderne Taxantherapie bietet Überlebensvorteil"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.