Sonntag, 21. April 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. Februar 2017 Praktische Erfahrungen mit nal-Irinotecan in der Therapie des Pankreaskarzinoms

Interview mit Prof. Dr. Gerald Prager, Wien.

Das Pankreaskarzinom gehört zu den Entitäten mit der schlechtesten Prognose. Die Inzidenz ist nahezu so hoch wie die Mortalität, und es gibt wenige Therapieoptionen. Im Oktober 2016 wurde nal-Irinotecan (nal-IRI, Onivyde®) als neue Therapieoption zugelassen. Wir sprachen mit Prof. Dr. Gerald Prager, Klinische Abteilung für Onkologie, Medizinische Universität Wien, über die Entwicklungen beim metastasierten pankreatischen duktalen Adenokarzinom (mPDAC) und den Wert des liposomal verkapselten Irinotecan für die Zweitlinientherapie.
JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Patienten behandeln Sie mit nal-IRI?

Prager:
Die Therapie mit nal-IRI in Kombination mit 5-FU/LV entsprechend der NAPOLI-1-Studie (1) im zweiwöchentlichen Schema nach Versagen einer Gemcitabin-haltigen Therapie betrifft alle mPDAC-Patienten, die fit genug sind, nach Versagen einer Erstlinientherapie weiterbehandelt zu werden. In unserer klinischen Routine sind das immerhin knapp zwei Drittel aller Patienten, die bezüglich Performance-Status und Organfunktionen für eine Zweitlinientherapie geeignet sind. Unsere bevorzugte Erstlinientherapie im palliativen Setting ist die Kombination nab-Paclitaxel+Gemcitabin, vor allem wegen der besseren Verträglichkeit im Vergleich zu FOLFIRINOX sowie der guten biologischen Aktivität. In der Sequenz, nach dem Versagen dieser Erstlinientherapie, ergeben sich Möglichkeiten für eine 5-FU-basierte Zweitlinientherapie mit dem Kombinationspartner Oxaliplatin oder mit nal-IRI, letztere Option hat in der klinischen Phase-III-Studie NAPOLI-1 sehr schöne Ergebnisse gezeigt und ist als einzige Option zugelassen. In dieser Studie zeigte Onivyde® in Kombination mit 5-FU und LV im primären Endpunkt Gesamtüberleben (OS) eine signifikante Verbesserung gegenüber dem 5-FU/LV-Kontrollarm. Das mediane OS konnte um 45% von 4,2 auf 6,1 Monate verlängert werden (HR stratifiziert 0,57; HR nicht stratifiziert 0,67; p=0,012). Wir haben nal-IRI zuerst in einem Compassionate-Use-Programm erfolgreich in unserem Zentrum eingeführt. Das ist mit der Zulassung jetzt übergegangen in die indikationsgemäße Verschreibung, sodass wir bereits Erfahrungen mit über 50 Patienten sammeln konnten. Hierbei hat sich gezeigt, dass nicht nur die Effizienz sehr gut ist – wir sehen in der Zweitlinie ein Ansprechen, welches beim Pankreaskarzinom schon in der Erstlinie selten zu erwarten ist – in der Regel beobachten wir auch eine gute Verträglichkeit unter Berücksichtigung der bekannten Nebenwirkungen. Unsere Beobachtung deckt sich mit den Ergebnissen der NAPOLI-1-Studie. Die häufigsten Nebenwirkungen mit Schweregrad 3 oder 4, die bei den 117 mit nal-IRI + 5-FU/LV behandelten Patienten in NAPOLI-1 auftraten, waren Neutropenie (32 (27%)), Diarrhoe (15 (13%)), Erbrechen (13 (11%)) und Fatigue (16 (14%)). Außerdem sehen wir unter der Therapie mit nal-IRI einen guten Erhalt der Lebensqualität der Patienten. Die Behandlung mit nal-IRI hat sich an unserem Zentrum sehr gut bewährt.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der nal-IRI-Kombination?

Prager:
Für unsere Patienten mit der prognostisch limitierten Diagnose eines metastasierten Pankreaskarzinoms ist es extrem wichtig, dass neue Substanzen in die Klinik eingeführt wurden. Erstmals können wir einen Therapie-Algorithmus entsprechend der Komorbiditäten, des Alters etc. aufstellen. Wir sind jetzt in der Lage, den Patienten palliativ durch den Krankheitsverlauf zu führen und wissen in den meisten Fällen zum Zeitpunkt der Erstlinientherapie bereits, welche Zweitlinientherapie infrage kommt. Wenn der Patient fit genug ist und der Wunsch nach weiterer systemischer Behandlung besteht, haben wir also jetzt die Option mit der nal-IRI-Kombination und in weiterer Folge erstmalig auch die Möglichkeit einer Drittlinienbehandlung mit Oxaliplatin im OFF- oder FOLFOX-Schema. Wir sprechen also über drei Therapielinien beim metastasierten Pankreaskarzinom – das ist wirklich ein Novum und mit der guten Verträglichkeit sehr positiv für die Patienten.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie wird stratifiziert für eine Zweitlinientherapie mit nal-IRI?

Prager:
Wir schauen auf die klinischen Parameter, also Organfunktionen, Komorbiditäten, Allgemeinzustand des Patienten und seine Einstellung zu einer weiteren systemischen Behandlung. Wird der Patient symptomorientiert begleitet mit einem proaktiven Nebenwirkungsmanagement, werden die Therapien besser vertragen und die Patienten fühlen sich in der Regel so sicher, dass sie sich weiter systemisch behandeln lassen und damit bessere Resultate erzielen.


Vielen Dank für das Gespräch!


Mit freundlicher Unterstützung von Shire (vormals Baxalta, now part of Shire)

Dr. Ine Schmale, Westerburg

Literatur:

(1) Wang-Gillam A et al. Lancet 2016; 387(10018): 545-557.


Das könnte Sie auch interessieren

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen
© Jochen Schönfeld / Fotolia.com

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Impfempfehlungen zur HPV-Impfung erweitert. Während es die offizielle Empfehlung für Mädchen bereits seit dem Jahr 2007 gibt, empfiehlt sie die HPV-Impfung seit diesem Jahr auch für Jungen. Um auf die Wichtigkeit der HPV-Impfung hinzuweisen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Informationsmaterialien entwickelt, die derzeit an die ärztlichen Praxen versendet werden und darüber...

Primäre Studienendpunkte: Gesamtüberleben oder progressionsfreies Überleben - gibt es einen Goldstandard?

Anerkanntes Ziel einer Therapie von Krebspatienten ist die Verbesserung des Überlebens und der Lebensqualität. Historisch gesehen gilt die Gesamtüberlebenszeit (OS = overall survival) als der wichtigste primäre klinische Endpunkt einer Studie. Doch das Gesamtüberleben als primärer Studienendpunkt unterliegt nicht zuletzt aufgrund der Fortschritte, die in letzten Jahren in der Krebstherapie erzielt wurden, gewissen Einschränkungen. So können...

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt
© Darren Baker / Fotolia.com

Naturheilmittel oder neuer Trend der Bio-Welle? 94 Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Biopharmazeutika nichts anfangen (1). Oftmals werden hinter dem Begriff Naturheilmittel vermutet. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die biotechnisch hergestellt oder aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnen werden und mit dem Ziel der Bekämpfung einer Krankheit in die Vorgänge des Körpers eingreifen. Insulin ist ein bekanntes Beispiel. Wem das erklärt...

Krebstherapie gestern, heute, morgen: Entwicklungen in der Onkologie

Krebs gilt heute als Volkskrankheit: Bei Frauen stieg die Zahl der jährlich auftretenden Neuerkrankungen seit 1980 um 35 Prozent, bei Männern sogar um 80 Prozent an. Dass die krebsbedingte Sterberate dennoch im gleichen Zeitraum zurückging, ist u. a. Verdienst der modernen Forschung: In allen Bereichen der Krebsmedizin – von der Grundlagenforschung bis hin zur strukturierten Nachsorge der Patienten – haben sich enorme Erfolge eingestellt. Dies war jedoch ein weiter...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Praktische Erfahrungen mit nal-Irinotecan in der Therapie des Pankreaskarzinoms"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.