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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

29. Mai 2015 Polycythaemia vera: Ruxolitinib als neue Therapiemöglichkeit bei Intoleranz und Resistenz gegen Hydroxyurea

Seit März 2015 ist in Deutschland für Patienten mit Polycythaemia vera bei Intoleranz und Resistenz gegen Hydroxyurea Ruxolitinib zugelassen. Im Vergleich zur besten verfügbaren Therapie ist der Januskinase-Inhibitor signifikant überlegen. In der zulassungsrelevanten Studie RESPONSE verbesserten sich bei den Ruxolitinib-Patienten nahezu alle krankheitsrelevanten Symptome, während in der Gruppe mit der besten verfügbaren Therapie (BAT) einige Beschwerden sogar zunahmen, berichteten Experten auf einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main.

Polycythemia vera (PV) zählt zu den myeloproliferativen Neoplasien (MPN) und ist im Wesentlichen durch eine unkontrollierte Neubildung von Blutzellen im Knochenmark gekennzeichnet. Circa 1-3 Personen pro 100.000 erkranken pro Jahr an PV. Die genauen Ursachen sind bislang unbekannt; jedoch ist bei den meisten Patienten (95%) eine Mutation im Gen der Januskinase 2 (JAK 2-V617F) nachweisbar, die letztlich zu einer Dysregulation und Überproduktion der Blutzellen führen kann.

Wie Prof. Eva Langenfelder, Mannheim, erläuterte, zählen zu den prominenten klinischen Charakteristika der Erkrankung eine gesteigerte Bildung von Erythrozyten, oftmals begleitet von der Proliferation anderer Zellreihen (Leukozytose, Thrombozytose) sowie eine Vergrößerung der Milz. Entscheidend sei, bedingt durch die erhöhte Erythrozytenzahl, das erhöhte Thromboembolierisiko, betonte sie. Dementsprechend liegt das Hauptziel bei der Therapie in der Reduktion des Risikos thromboembolischer Ereignisse durch eine Absenkung des Hämatokrits (HK) unter 45%. Gemäß der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) werden hierfür wiederholte Phlebotomien angewendet und zur Vermeidung arterieller Thrombosen niedrig dosierte Acetylsalicylsäure empfohlen. Reicht diese Kombination nicht aus, werden zytoreduktive Therapien wie Hydroxyurea (HU) eingesetzt. Allerdings sprechen hierauf nicht alle Patienten dauerhaft an. Für Patienten, die intolerant oder resistent gegen HU sind, hat deshalb die Zulassung von Ruxolitinib eine wichtige Bedeutung.

Abb. 1: Krankheitsrelevante Symptome bei Patienten mit Polycythaemia vera.
Abb. 1: Krankheitsrelevante Symptome bei Patienten mit Polycythaemia vera.

 

 

Die Wirksamkeit von Ruxolitinib konnte anhand der Phase-III-Studie RESPONSE (Randomized Study of Efficacy and Safety in Polycythaemia Vera with JAK Inhibitor Ruxolitinib Versus Best Available Care) mit HU-resistenten PV-Patienten verdeutlicht werden. Ein Vergleich zwischen Ruxolitinib und der besten verfügbaren Therapie (BAT) ergab eine signifikante Überlegenheit von Ruxolitinib zur BAT hinsichtlich des kombinierten Endpunktes Kontrolle des Hämatokrit und Reduktion der Milzgröße nach 32 Wochen (21% vs. 1%; p<0,001). Der Hämatoonkologe Prof. Martin Grießhammer, Minden, berichtete von einer HK-Kontrolle bei 60% der Patienten mit Ruxolitinib im Vergleich zu 20% der BAT-Gruppe. Eine Milzreduktion um mindestens 35% war bei 38% der Ruxolitinib-Patienten nachweisbar verglichen mit knapp 1% in der BAT-Gruppe. 24% versus 9% erlangten eine vollständige hämatologische Remission (p=0,003). Die Wahrscheinlichkeit, das primäre Ansprechen über 1 Jahr aufrechtzuerhalten, lag bei 94%. Die Rate thromboembolischer Ereignisse war unter Ruxolitinib geringer (1 Ereignis vs. 6 Ereignisse).

Neben den körperlichen Beschwerden erfahren Patienten mit PV aufgrund der Symptomlast große Einbußen in der Lebensqualität. Einige solcher krankheitsbezogenen Symptome, unter denen PV-Patienten sehr stark leiden, sind in Abbildung 1 dargestellt. Die von Prof. Konstanze Döhner, Ulm, präsentierten Zahlen aus der RESPONSE-Studie verdeutlichten bei 49% der Patienten eine Verbesserungen der Symptome ≤ 50% in der 32. Woche. Krankheitsrelevante Symptome wie z.B. Nachtschweiß, Juckreiz, Völlgefühl, Schwindel, Schalflosigkeit oder Bauchschmerzen wurden bei den Ruxolitinib-Patienten deutlich weniger, während bei der BAT-Gruppe einige Beschwerden, wie Nachtschweiß, Schwindel oder Bauchschmerzen sogar zunahmen.

(sko)

Quelle: Pressekonferenz: „Jakavi® - die neue Therapie bei Polycythemia vera“, 17.04.2015, Frankfurt/Main; Veranstalter: Novartis


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