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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. September 2015 Polycythaemia vera: Mit Ruxolitinib gleichmäßige und anhaltende Hämatokritkontrolle

Der JAK1/2-Inhibitor Ruxolitinib (Jakavi®) ist bei Hydroxyurea(HU)-resistenter und -intoleranter Polycythaemia vera einer herkömmlichen Therapie überlegen, wie die ersten Ergebnisse der RESPONSE-Studie gezeigt haben. Die beim EHA-Kongress in Wien präsentierten 80-Wochen-Daten der Studie belegen eine deutliche Besserung von Symptomatik und Lebensqualität.

Patienten mit Polycythaemia vera sollten nach den Empfehlungen des European LeukemiaNet (ELN) bei niedrigem Risiko für thromboembolische Komplikationen mit niedrig-dosierter Acetylsalicylsäure oder Phlebotomie behandelt werden. Der überwiegende Anteil der Patienten benötigt jedoch im längerfristigen Krankheitsverlauf eine zytoreduktive Therapie zur Kontrolle der gesteigerten Myeloproliferation mit Hydroxyharnstoff (HU), Interferon oder Busulfan (die beiden letzteren sind für diese Indikation nicht zugelassen). Sie kann laut ELN-Leitlinie auch bei Patienten mit niedrigem Thromboembolie-Risiko gerechtfertigt sein, wenn die Milz vergrößert ist, eine progrediente Leuko- oder Thrombozytose oder unkontrollierbare Symptome der Erkrankung vorliegen oder wenn der Patient Schwierigkeiten mit Phlebotomien hat – dann droht möglicherweise ein Eisenmangel. Eine Leukozytose (d.h. mehr als 10.000 Leukozyten/ml) gilt heute neben dem erhöhten Hämatokrit als unabhängiger Risikofaktor für thromboembolische Komplikationen und Tod. Bei Vorliegen einer HU-Unverträglichkeit oder bei Nichterreichen der Therapieziele mittels HU (Hämatokritkontrolle und Symptomreduktion) bietet sich der Einsatz des JAK1/2-Inhibitors Ruxolitinib an.

Die Zulassung von Ruxolitinib für Polycythaemia vera basiert auf der RESPONSE-Studie. Primärer Endpunkt der Studie, in der die Patienten randomisiert entweder Ruxolitinib (2x 10 mg/d) oder die beste verfügbare Therapie erhalten hatten, war eine Kombination aus der Kontrolle des Hämatokrits und einer Reduktion des Milzvolumens um mindestens 35%, berichtete Jean-Jacques Kiladjian, Paris. Diesen Endpunkt hatten 22,7% der Patienten in der Verum-, aber nur 0,9% in der Kontrollgruppe erreicht (Odds Ratio 28,64; p<0,0001). Bei den einzelnen Komponenten des primären Endpunkts war die Überlegenheit des JAK-Inhibitors noch ausgeprägter: 40% der Patienten im Ruxolitinib-Arm, aber nur 0,9% derer im Kontrollarm erzielten eine mindestens 35%ige Verkleinerung der Milz, der Hämatokrit konnte bei 60% vs. 20% der Patienten kontrolliert werden. 84,5% im Verumarm nahmen nach mindestens 80 Wochen (median 111 Wochen) noch Ruxolitinib ein, in der Kontrollgruppe wurde zu diesem Zeitpunkt kein einziger Patient mehr mit der ursprünglich eingesetzten Therapie behandelt.

Die Behandlung mit Ruxolitinib verbesserte Symptome und Lebensqualität, gemessen mit dem EORTC QLQ-C30-Fragebogen, deutlich und anhaltend in sämtlichen Domänen, während sie unter der Kontrollbehandlung bestenfalls gleich blieben, sich in vielen Fällen sogar verschlechterten.

Ruxolitinib, so Kiladjian, ist bei der Polycythaemia vera mit anhaltenden Verbesserungen bei guter Verträglichkeit verbunden und stellt einen wichtigen Fortschritt in der Behandlung dieser Patienten dar, deren Zustand sich mit herkömmlichen Therapien nicht ausreichend verbessern lässt.


Hämatokrit bei vielen Patienten über 80 Wochen stabil

Eine weitere Analyse der RESPONSE-Daten zur Dauerhaftigkeit des Ansprechens stellte Martin Grießhammer, Minden, vor: Der mittlere Hämatokrit-Wert war zwischen den Wochen 2 und 12 der Behandlung mit Ruxolitinib kontinuierlich abgefallen und blieb danach relativ stabil. Auch für Patienten, deren Hämatokrit vor Studienbeginn durch Phlebotomien nicht kontrolliert werden konnte, nahm der Mittelwert auf unter 45% ab und blieb während des Studienzeitraums niedriger als in der Kontrollgruppe. Während Woche 12 bis 80 war der Hämatokrit im Ruxolitinib-Arm um 3,12% bis 4,36% niedriger als bei Behandlungsbeginn, im Kontrollarm hingegen um 0,06-1,03% höher. Dementsprechend hatten die Kontroll-Patienten über 39,1% der Gesamtdauer der Behandlung einen Hämatokrit von über 45%, die Patienten im Ruxolitinib-Arm nur über 3% dieses Zeitraums. Zwischen den Wochen 8 und 32 benötigten mehr Patienten im Kontrollarm mindestens 1 (62% vs. 20%) bzw. 3 Phlebotomien (20% vs. 3%). Von den 66 Patienten, die zwischen den Wochen 8 und 32 ohne Phlebotomie, d.h. nur mit Ruxolitinib ihren Hämatokrit unter Kontrolle gehalten hatten, hielten 89% dies bis zur Woche 80 durch. Während die Phlebotomie zu fluktuierenden Hämatokritverläufen führt, bewirkt Ruxolitinib eine gleichmäßige und anhaltende Hämatokritkontrolle.

Ein stabiler Hämatokrit-Wert von weniger als 45% ist nach den Ergebnissen der CytoPV-Studie ein Hauptziel der Therapie der Polycythaemia vera, wenn man das Risiko für thromboembolische Ereignisse reduzieren will, so Grießhammer. In der RESPONSE-Studie ermöglichte Ruxolitinib den Patienten in weitaus größerem Maß das Erreichen dieses Ziels als die herkömmlichen Therapieoptionen nach HU-Intoleranz oder -Resistenz.

Mit freundlicher Unterstützung der Novartis Pharma GmbH

jg

Quelle: 20th Congress of the European Hematology Association (EHA) vom 11.-14. Juni 2015 in Wien


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