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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

28. April 2015 Polycythaemia vera: JAK-Inhibitor als neue Therapieoption

Mit dem Januskinase-Inhibitor Ruxolitinib ist seit März 2015 eine neue zielgerichtete Therapie der Polycythaemia vera zugelassen. Sie ermöglicht eine hohe Symptomkontrolle der myeloproliferativen Neoplasie und reduziert das Risiko für vaskuläre Komplikationen.

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Die Polycythaemia vera (PV) ist die häufigste myeloproliferative Neoplasie (MPN). Bei etwa 98% der Patienten ist eine Mutation im Gen für die Janus-Tyrosinkinase-2 (JAK2) nachweisbar, die die Proliferation hämatopoetischer Zellen über den JAK/STAT-Signalweg reguliert. Die Mutation V617F (95% der Patienten) bzw. in Exon 12 (2-4%) führt zu einer Überaktivierung des Signalwegs und reife hämatopoetische Zellen proliferieren unkontrolliert. Die resultierende Erythrozytose steigert die Blutviskosität und den Hämatokrit (HK), stört die Zirkulation und erhöht das thromboembolische Risiko. Die Lebenserwartung der Patienten ist vor allem aufgrund vaskulärer Komplikationen deutlich verkürzt.

Neben einer Splenomegalie sind Fatigue, aquagener Pruritus und Nachtschweiß belastende Symptome, die unspezifisch sind und die Diagnose erschweren und verzögern. Gemäß WHO basiert die Diagnose auf den Hauptkriterien Erythrozytose und charakteristischen Mutationen, sowie den Nebenkriterien Hyperzellularität aller drei Zelllinien, vermindertem Serum-Erythropoetin und endogenen erythroiden Kolonien in vitro. Beide Hauptkriterien plus ein Nebenkriterium oder das erste Hauptkriterium plus zwei Nebenkriterien müssen für die Diagnose erfüllt sein, so PD Dr. Florian Heidel, Magdeburg.

Therapie der Wahl sind Aderlässe, die - unterstützt durch niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) - den HK unter 45% halten, die Hyperviskosität des Blutes senken und das thromboembolische Risiko verringern können, wie Heidel erklärte. Die Therapieeskalation erfolgt mit Hydroxyurea (HU) als bislang einzig zugelassenem Medikament. Eine mögliche Alternative ist Interferon, das in dieser Indikation allerdings noch nicht zugelassen ist.

Als neue Therapie nach HU-Versagen oder -Unverträglichkeit ist jetzt Ruxolitinib (Jakavi®) zugelassen. Der Januskinase (JAK) 1/2-Inhibitor verbessert die PV-Symptome, wie die Phase-III-Studie RESPONSE* gezeigt hat (1): Nach 32 Wochen war Ruxolitinib der besten verfügbaren Therapie im kombinierten Endpunkt (Hämatokritkontrolle und Reduktion der Milzgröße) signifikant überlegen (p<0,001). Daneben wurden weitere PV-assoziierte Symptome, die auf HU häufig nicht ansprechen, deutlich gebessert und die Lebensqualität gesteigert.

Michael Koczorek, Bremen

*Randomized, Open-Label, Multicenter Phase III Study of Efficacy and Safety in Polycythaemia Vera Subjects Who Are Resistant to or Intolerant of Hydroxyurea: JAK Inhibitor INC424 Tablets Versus Best Available Care)

Klinik Workshop „Polycythaemia vera - der unterschätzte Blutkrebs“, 24.03.2015, Magdeburg; Veranstalter: Novartis Oncology

Literaturhinweis:
(1) Vannucchi AM et al. N Engl J Med 2015; 372: 426-35.


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