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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. Oktober 2018
Seite 2/4




Entwicklung der trimodalen Therapie

Pancoast-Tumoren sind ein Paradebeispiel für die Effektivität von multimodalen Behandlungsansätzen. Bis zur Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wurde lediglich in palliativer Intention bestrahlt (18), während danach bimodale Therapien mit Induktions-Radiotherapie gefolgt von radikaler Resektion zu einer Verbesserung der 5-Jahres-Überlebensraten bis zu 40% führten (18-21). Dieses bimodale Schema war lange Zeit der Standard, während negative prognostische Faktoren wie der N2-Lymphknotenbefall, R1-Resektion oder Gefäß- bzw. Wirbelkörperinfiltration (T4) identifiziert wurden. Eine R0-Resektion konnte in dieser Zeit bei T3-Tumoren in 65% und bei T4-Tumoren in 40% der Fälle erreicht werden (22, 23). In den 80er und 90er Jahren wurde eine Reihe neuer operativer Techniken entwickelt. Dartevelle entwickelte den vorderen Zugang zu Tumoren mit Infiltration der Subclavia-Gefäße (24), welcher weite Verbreitung fand und verschiedene Modifikationen – wie den transmanubrialen Zugang – erfuhr (25, 26). Ebenso entwickelten sich gemeinsam mit Neurochirurgen und Orthopäden Methoden der Laminektomie und Wirbelkörperresektion bei Befall dieser Strukturen. Trotz dieser technischen Verbesserungen kam es jedoch zu keinem wesentlichen Fortschritt in den Langzeitüberlebensraten und sowohl systemische Rezidive als auch Lokalrezidive blieben bei mehr als 40% der operierten Patienten ein Problem (27, 28), sodass verbesserte Konzepte der Lokal- und Systemtherapie gesucht wurden, die letztlich in den bis heute aktuellen trimodalen Therapieschemata mit neoadjuvanter Chemo-Strahlentherapie gefolgt von operativer Resektion mündeten und eine dramatische Verbesserung der 5-Jahres-Überlebensraten brachten. Tabelle 2 fasst die wichtigsten Studien mit trimodalen Therapieschemata zusammen.
 
Tab. 2: Ergebnisse der retrospektiven Studien über trimodale Therapie des Pancoast-Tumors. *3-Jahresüberleben, **ab 2000 mit Vinorelbin
Erstautor Publika-
tionsjahr
Patien-
ten (n)
Inklusiv
N2
Induktionsprotokoll Operiert R0-Rate 5-Jahres-Überleben
Martínez-
Monge (43)
1994 18 ja Cisplatin/ Mitomycin/ Vindesin od. Carboplatin, simultan 46-50 Gy 15 (83%) 76% 56%
Wright (44) 2002 15 nein Cisplatin/ Etoposid-16, simultan 51 Gy 15 (100%) 93% 84%
Kwong (39) 2005 36 ja Cisplatin-Doublette, simultan 56,9 Gy 36 (100%) 97% 50%
Goldberg (45) 2005 27 nein Cisplatin-Doublette, simultan 45 Gy 27 (100%) 76% 48%
Rusch (46) 2007 110 nein Cisplatin/ Etoposid
(2 Zyklen), simultan 45 Gy
88 (80%) 87% 44%
Marra (42) 2007 31 ja Cisplatin/ Etoposid oder Paclitaxel
(3 Zyklen), dann Cisplatin/Etoposid
(1 Zyklus), simultan 45 Gy
29 (94%) 100% 46%
Kunitoh (47) 2008 76 ja Cisplatin/ Mitomycin/ Vindesin
(2 Zyklen) simultan 45 Gy
57 (75%) 89% 56%
Pourel (48) 2008 107 ja Cisplatin/ Etoposid-16, simultan 45 Gy 72 (67%) 98% NR
Fischer (49) 2008 44 ja Cisplatin/ Etoposid, simultan 45 Gy 44 (100%) 89% 59%
Kappers (50) 2009 38 ja Cisplatin/ Carboplatin od. Gemcitabin, simultan 20-39 Gy 21 (55%) 100% 39%
Li (51) 2010 22 nein Cisplatin/Etoposid, simultan 45 Gy 22 (100%) 91% 36%
Kernstine (52) 2014 44 nein Cisplatin/ Etoposid, simultan 45 Gy 29 (66%) 97% 61%*
Marulli (53) 2015 56 ja Carboplatin**/ Mitomycin/Vinblastine, simultan 30-44 Gy 56 (100%) 85% 38%
Waseda (54) 2017 46 ja Platin-basierte Doublette Therapie/ 45-66 Gy 46 (100%) 96% 63%







 

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