Samstag, 19. September 2020
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

26. März 2015 Palliatives Setting - Afatinib als NSCLC-Erstlinientherapie: OS-Vorteil bei Del19-Subgruppe

Die Studie LUX Lung (LL) 3 hat bereits gezeigt, dass sich das progressionsfreie Überleben (PFS) bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und häufigen EGFR-Mutationen unter Afatinib (GIOTRIF®)* mit 13,6 Monaten vs. 6,9 Monate unter Cisplatin/Pemetrexed signifikant verlängert (1), ein Ergebnis, das sich auch in der LL6-Studie gegenüber Cisplatin/Gemcitabin (2) widerspiegelte. Kürzlich veröffentlichte Daten einer kombinierten Post-hoc-Analyse beider Studien (3) haben auch einen Vorteil für das Gesamtüberleben (OS) erbracht: Bei den häufigen Mutationen zusammengenommen ergab sich mit dem irreversiblen ErbB-Family-Blocker Afatinib ein signifikanter Überlebensvorteil gegenüber Chemotherapie von 3 Monaten (27,3 vs. 24,3 Monate) (Abb. 1) (3). Ein OS-Vorteil war mit reversiblen EGFR-Inhibitoren bisher in keiner Phase-III-Studie gezeigt worden, sagte Prof. Frank Griesinger, Oldenburg. Eine präspezifizierte Subgruppenanalyse von LL3 hat nun für Patienten mit Del19-Mutation ein um 12,2 Monate längeres OS gezeigt.

Anzeige:
Fachinformation

"Das NSCLC hat nach wie vor eine hohe Mortalität", so Dr. Karl-Matthias Deppermann, Düsseldorf. Vor allem im Stadium IV entscheidet die Erstlinientherapie, ob das progressionsfreie und Gesamtüberleben verlängert werden können: "Dies kann erreicht werden, wenn ein gutes Tumor-Ansprechen erzielt und daraus eine gute Tumor- und Symptomkontrolle resultieren. Die zielgerichtete Therapie mit EGFR-Inhibitor ermöglicht bei EGFR-Mutation ein solches gutes Ansprechen. Mit Afatinib, das neben EGFR auch die übrige ErbB-Familie hemmt, werden seit einem Jahr positive Praxiserfahrungen gesammelt."
 

Abb. 1: Vorteil im Gesamtüberleben bei NSCLC mit den beiden häufigsten Mutationen Del19 und L858R durch Afatinib-Behandlung (nach (3)).
 

Del19 und L858R sind unterschiedliche Entitäten

Epidemiologisch sind vor allem Frauen, Asiaten sowie Nichtraucher von den beiden häufigsten Mutationen, Del19 und L858R, betroffen. Die Studien LL3 und 6 haben gezeigt, dass es sich bei Del19 und L858R um zwei tumorbiologisch unterschiedliche Entitäten handelt: bei Del19 wird auf dem Exon 19 die Tyrosinkinase permanent aktiviert, während es sich bei der Punktmutation L858R auf Exon 21 um eine veränderte ATP-Bindungsdomäne handelt, erläuterte Griesinger.

Die präspezifizierte Subgruppenanalyse der LL3-Daten zeigt bei Del19 ein OS von 33,3 Monaten gegenüber 21,1 Monaten unter CT (Cisplatin/Pemetrexed), also einen signifikanten OS-Vorteil für diese Subgruppe. Für Patienten mit L858R-Mutation von Exon 21 bestand hingegen kein signifikanter Überlebensvorteil (22,1 Monate vs. 26,9 unter CT). Die Onkopedia Leitlinie NSCLC wird in der nächsten Aktualisierung beide Subgruppen nun als unterschiedliche Entitäten in den Algorithmus für die palliative medikamentöse Erstlinientherapie übernehmen, sagte Griesinger. "Bei Exon-19-Mutation sollte Afatinib in der Erstlinie der Standard werden."

EGFR-Testung und Nebenwirkungsmanagement

"Die EGFR-Mutationsanalyse bei Adenokarzinomen ist mittlerweile zwar Standard, muss aber noch besser etabliert und organisiert werden", sagte Prof. Eckart Laack, Hamburg. "Lungenkarzinome werden in der Regel stationär diagnostiziert, der Patient muss für eine Testung in den ambulanten Bereich wechseln, wodurch zeitliche Verzögerungen auftreten. Aus Gründen der Test-Standardisierung und Qualitätssicherung sollten Pathologen möglichst Ring-zertifiziert sein."

"Die Patienten haben das Ziel, möglichst lange und bei guter Lebensqualität zu leben“, sagte Laack. Unter Afatinib falle es ihnen leichter als unter Chemotherapie, ihre sozialen Aktivitäten weiterzuführen oder im Beruf zu bleiben. "Die klassenspezifischen unerwünschten Wirkungen von EGFR-Inhibitoren wie Rash und Diarrhoe sind handhabbar, weil man inzwischen genug Erfahrungen, auch mit präemptiven Maßnahmen, gesammelt hat."

ab

*Afatinib ist zugelassen für die Behandlung von EGFR-TKI-naiven erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit aktivierenden EGFR-Mutationen.

Pressekonferenz "1 Jahr nach Einführung von Giotrif®", von Boehringer Ingelheim, 04.02.2015, Ingelheim

Literaturhinweise:

(1) Sequist LV et al. JCO 2013;31(27:3327-3334.
(2) Wu YL et al. Lancet Oncol 2014;15: 213-222.
(3) Yang JC et al. JCO 2014; 32 (5s): suppl; abstr 8004.


Anzeige:
Fachinformation

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Palliatives Setting - Afatinib als NSCLC-Erstlinientherapie: OS-Vorteil bei Del19-Subgruppe"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib