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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. Juli 2018
Seite 1/3
Palliative Chirurgie

M. Tachezy, K. Karstens, J. R. Izbicki, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Bei einem großen Teil onkologischer Patienten ist eine Heilung aufgrund eines fortgeschrittenen Tumorstadiums nicht mehr möglich. Die palliativen Therapien können medikamentös konservative, interventionell endoskopische oder radiologische, aber auch radioonkologische und chirurgische Behandlungen beinhalten. Die chirurgischen Therapien können zwei unterschiedliche Ziele verfolgen: Erstens, die Behandlung tumorassoziierter Symptome und Komplikationen zur Verbesserung der Lebensqualität und Zweitens, die zytoreduktiven Verfahren, die zu einer Lebenszeitverlängerung der Patienten beitragen können. Im Vordergrund der chirurgischen Verfahrenswahl steht die Abwägung zwischen zu erwartendem Nutzen für Lebensqualität und Lebenszeitverlängerung und der Eingriff-spezifischen Morbidität und Mortalität, der Hospitalisierungs- und Rekonvaleszenzzeit.
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Epidemiologie
 
In Deutschland leben etwa 1,6 Millionen Menschen mit einer Krebserkrankung, ein großer Teil davon bei Diagnosestellung schon in einem unheilbaren Stadium (1). In den meisten Fällen ist bei lokaler Infiltration von Nachbarorganen oder Fernmetastasen eine Heilung nicht mehr möglich, sodass einerseits eine Behandlung der Symptome und andererseits eine Lebenszeitverlängerung angestrebt wird. Durch die verbesserten medikamentösen onkologischen Therapien und somit längere Lebenserwartung ist eine Zunahme tumorassoziierter Beschwerden und Komplikationen zu verzeichnen.
 
 
Klinik
 
Die tumorbedingten somatischen Beschwerden der Patienten mit einer palliativen Erkrankung haben eine große Bandbreite, die im Wesentlichen dem verdrängenden Tumorwachstum oder der Ausbildung von Aszites, Pleura- oder Perikarderguss zuzuschreiben sind. Infolgedessen kommt es zu Passagestörungen mit den entsprechenden Konsequenzen wie Perforationen, Obstruktionen und septischen Krankheitsbildern, Dyspnoe, aber auch Schmerzen. Auch lokale Infektionen können eine invalidisierende Auswirkung haben, wie in dem Fallbeispiel beschrieben, und systemische Therapien verhindern. Prinzipiell sind minimalinvasive und nicht-invasive Verfahren zu bevorzugen, können aber eine klassische Chirurgie nicht immer ersetzen, wenn es um eine schnelle und nachhaltige Symptom- oder Komplikationskontrolle geht (Tab. 1).
 
Tab. 1: Übersicht palliativer interventioneller und operativer Eingriffe bei verschiedenen Tumorentitäten.
Allgemeine Verfahren
Drainage Aszites
Pleuraerguss (maligne)
Perikarderguss
Perkutane transhepatische Cholangiodrainage
Videoassistierte Thorakoskopie und Pleurodese Pleuraerguss (maligne)
Rezidivierender Pneumothorax
Ernährungskatheter Perkutane endoskopische Gastrostomie/
perkutane Endoskopische Jejunostomie
Portsystem
Stentimplantation Intestinal
Endovaskulär
Endotracheal/endobronchial
Ablative Verfahren Argon-Plasma-Koagulation
Photodynamische Therapie
Radiofrequenzablation
Laserinduzierte Thermotherapie
Tumorspezifische Verfahren
Ösophaguskarzinom Palliative Ösophagusresektion
Magen- oder Kolonbypass
Diskontinuitätsresektion
Magenkarzinom Palliative Magenresektion
Gastroenterostomie
Kolonkarzinom Palliative Hemikolektomie (rechts/links)
Subtotale/totale Kolektomie
Bypass-Verfahren
Anlage eines Dick- oder Dünndarmstomas
Rektumkarzinom/Analkarzinom Palliative Rektumresektion
Palliative Rektumexstirpation
Anlage eines Dickdarmstomas
Exenteration
Pankreaskarzinom/Hepatobiliäres Karzinom Palliative Pankreatikoduodenektomie
Gastroenterostomie
Biliodigestive Anastomose
Palliative Leberresektion/Debulking
Anlage portosystemischer Shunts
Neuroendokrine Neoplasie Palliative Resektion
Bypass-Verfahren
Thorakale Neoplasien Palliative Tumorresektionen
 

 
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