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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. Dezember 2004 Oxaliplatin: Standard in der Therapie des kolorektalen Karzinoms

Im September 2004 wurde Oxaliplatin zur adjuvanten Therapie des Kolonkarzinoms im Stadium III nach vollständiger Resektion des Primärtumors zugelassen. Basis für die Zulassung waren die Ergebnisse der MOSAIC-Studie, in der die zusätzliche Gabe von Oxaliplatin zur Standardtherapie 5-FU/Folinsäure der alleinigen Gabe von F-FU/Folinsäure signifikant überlegen war.
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Mehr als die Hälfte der Patienten mit Kolonkarzinom werden im Stadium II oder III diagnostiziert. Nach 3 Jahren treten bei bis zu drei Viertel von ihnen Rezidive auf, berichtete Dr. Peter Reichardt, Berlin. Selbst nach R0-Resektion liegt bei Patienten im Stadium III, je nach Ausmaß des Lymphknotenbefalls, die 5-Jahresüberlebensrate nur zwischen 30 und 60%.

MOSAIC-Studie
In den letzten Jahren konnte die adjuvante Chemotherapie des kolorektalen Karzinoms durch den Einsatz von 5-FU und Levamisol und später von 5-FU/Folinsäure schrittweise verbessert werden. Hoffnung auf eine noch bessere Therapie weckten die Ergebnisse der MOSAIC-Studie, in der sich erstmals beim fortgeschrittenen kolorektalen Karzinom die Hinzunahme von Oxaliplatin zu 5-FU/Folinsäure (FOLFOX 4)der alleinigen Gabe von 5-FU/Folinsäure als überlegen erwies. Die Rezidivrate sank um 23% im Vergleich zum bisherigen Standard.
Wie eine Subgruppenanalyse ergab, profitierten von FOLFOX4 alle Patienten, betonte Reichardt. Die Therapie erwies sich als sicher. Eine häufige Nebenwirkung waren therapiebedingte Neuropathien, die jedoch bei den meisten Patienten zumindest teilweise reversibel waren. Als Konsequenz aus der MOSAIC-Studie wurde die Therapie mit FOLFOX4 von der Leitlinienkonferenz „Kolorektales Karzinom“ als einzige adjuvante Chemotherapie mit einem Empfehlungsgrad A versehen.
Die Sorge, dass nun im metastasieren Stadium und bei Rezidiv eine wirksame Therapieoption fehlen könnte, teilt Reichardt nicht. Wie die Ergebnisse der OPTIMOX-Studie zeigen, besteht eine Alternative zu der sonst üblichen Behandlung bis hin zum Progress darin, eine höher dosierte Induktionstherapie mit Oxaliplatin, gefolgt von einer Erhaltungstherapie ohne Oxaliplatin, durchzuführen. Es zeigte sich kein Unterschied in der Gesamtüberlebensrate und nach Progression konnten die Patienten erneut mit Oxaliplatin erfolgreich behandelt werden. Durch die geringere kumulative Oxaliplatin-Dosis ließ sich die Rate an schweren Neuropathien reduzieren.

Neoadjuvante Therapie
„Ein spannendes Thema ist die neoadjuvante Therapie des kolorektalen Karzinoms“, so Prof. W.-O. Bechstein, Frankfurt am Main. Beim fortgeschrittenen Rektumkarzinom ermöglicht die neoadjuvante Therapie zum Downstaging eine höhere Rate sphinktererhaltender Operationen und wird in den interdisziplinären Leitlinien empfohlen. Einige Patienten mit metastasiertem Kolonkarzinom und zunächst irresektabel erscheinenden Lebermetastasen, können durch eine neoadjuvante Therapie mit Oxaliplatin und 5-FU/Folinsäure sekundär reseziert werden, berichtete Bechstein. Wie Studien belegen, ist mitunter sogar eine sekundäre R0-Resektion nach neoadjuvanter Chemotherapie möglich (Bismuth et al., Giachetti et al., Adam et al.). Derzeit wird in einer Phase-III-Studie (EORTC 40983) an mehr als 330 Patienten mit metastasiertem Kolonkarzinom untersucht, ob eine Chemotherapie mit jeweils 6 Zyklen Oxaliplatin und 5FU/Folinsäure vor und nach Leberteilresektion Vorteile gegenüber der sofortigen Leberteilresektion und Nachbeobachtung hat.

Neue Kombinationen
Prof. H-J. Schmoll, Halle-Wittenberg, ist davon überzeugt, dass es einen weiteren Sprung in der Überlebenschance geben wird durch die Kombination von Chemotherapien mit neueren Substanzen wie zum Beispiel Bevacizumab, Cetuximab, Gefitinib und Eloxatin. Basis für alle Studien in der adjuvanten Therapie ist Oxaliplatin. Mit dem Angiogenese-Hemmer Bevacizumab werden derzeit in laufenden Studienprotokollen mehr als 14.000 Patienten behandelt. Wie Schmoll erläuterte, wird der Antikörper 12 Monate lang verabreicht, da man aufgrund experimenteller Daten hofft, dass die Antiangiogenese die Mikrometastasenbildung hemmt.
„Die Entwicklung in der Therapie des kolorektalen Karzinoms ist dramatisch“, so das Resüme von Schmoll. „Es wird immer mehr Heilungschance geben, gleichzeitig werden die Entscheidungen immer schwieriger“. Die praktische Umsetzung hinkt den Entwicklungen hinterher: Wie eine Auswertung von Grothey und Schmoll im Jahr 2002 ergab, werden mehr als die Hälfte der Patienten mit kolorektalem Karzinom nicht nach Leitlinien behandelt.


Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung der Dt. Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), Innsbruck, 4. Oktober 2004. Veranstalter: Sanofi-Synthelabo.

as


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