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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

03. Juni 2014 Oraler Eisenchelator Deferasirox (Exjade®) bei MDS und Thalassämie

Patienten mit einem Myelodysplastischem Syndrom (MDS) oder Thalassämie benötigen regelmäßige Bluttransfusionen, die auf Dauer zu einer Eisenüberladung des Körpers führen. Die Einlagerung des Eisens in unter anderem Leber und Herz hat schwerwiegende Schäden zur Folge. Auf dem 3. Symposium HÄMATOLOGIE HEUTE referierten Prof. Dr. med. Mathias Schmid, Zürich, über MDS, und Dr. Stefan Balzer, Düsseldorf, über transfusionsabhängige Anämien. Dr. Gisela Janßen, Düsseldorf, gab einen Einblick in nicht-transfusionsabhängige Anämien (NTDT). Vor allem bei MDS- und Thalassämie major (TM)-Patienten wirkt der Eisenchelator Deferasirox einer Eisenüberladung entgegen und verbessert zugleich die Hämatopoese. Zudem wird das Überleben der Patienten verlängert.

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Myelodysplastisches Syndrom

"Die sekundäre Eisenüberladung war bei MDS-Patienten lange Zeit von untergeordneter Bedeutung“, erläutert Prof. Schmid, „da ihre Prognose schlecht war und die Folgen einer chronischen Eisenüberladung unterschätzt wurden." In der EPIC-Studie (Evaluation of Patients´ Iron Chelation with Exjade®) wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von Deferasirox bei 1.744 transfusionsabhängigen Patienten über einen Zeitraum von einem Jahr untersucht (1). Bei MDS-Patienten erzielte Deferasirox ein positives Ansprechen beim Serumferritin. Das mediane Serumferritin sank signifikant um -253 ng/ml (p=0,0019). Bei einem Teil der Patienten verbesserte sich die Blutbildung für Erythrozyten (21,5%), Thrombozyten (13%) und Neutrophile (22%), was zugleich einen noch stärkeren Rückgang des medianen Serumferritin-Spiegels bei diesen Patienten zur Folge hatte. Mit dem sinkenden Serumferritin-Spiegel wird der Transfusionsbedarf gesenkt und die Neuaufnahme von überschüssigem Eisen weiter reduziert (2). In zwei unabhängigen Studien konnte für Patienten, die mindestens 6 Monate mit einer Eisenchelat-Therapie behandelt wurden, zusätzlich ein signifikanter Überlebensvorteil nachgewiesen werden, der bei 102,5 Monaten vs. 48,7 Monaten (p<0,0001) (3) bzw. 126 Monaten vs. 37 Monaten (p<0,001) (4) lag. Bei Niedrigrisiko-MDS-Patienten führte eine Eisenchelation von mind. 6 Monaten zu einer verzögerten Entwicklung einer akuten myeloischen Leukämie (77,0 Monate vs. 45,6 Monate; p=0,0001) und zu einem reduzierten Herzinfarktrisiko aufgrund der Verhinderung der kardialen Eisenablagerungen.

Für eine erfolgreiche Therapie mit Deferasirox ist jedoch eine korrekte Dosierung entscheidend. Die Dosis richtet sich nach dem Ausmaß der Eisenüberladung und beträgt zwischen  20-40 mg/kgKörpergewicht pro Tag. Der größte Vorteil von Deferasirox liegt in der oralen Einnahme. Das in Tablettenform erhältliche Exjade® wird idealerweise in stillem Wasser aufgelöst und abends vor dem Schlafengehen eingenommen.

Transfusionsabhängie Anämien

"Auch bei der Thalassämie major ist das Ziel der Transfusionstherapie", so Dr. Balzer, "eine zufriedenstellende körperliche Leistungsfähigkeit und ein altersentsprechendes Wachstum zu ermöglichen, die ineffektive Erythropoese weitgehend zu supprimieren sowie das Überleben zu verlängern." Dazu wird Deferasirox nach demselben Schema wie bei MDS-Patienten je nach Schwere der Eisenüberladung dosiert. Die Auswertung der EPIC-Studie zeigt für 1.115 Thalassämie-Patienten eine dosisabhängige Serumferritin-Reduzierung. Während bei 974 Patienten eine Dosis von 20-30 mg/kg/Tag eine mediane Reduzierung von -93 ng/ml erbrachte, konnte eine Dosis ≥ 30 mg/kg/Tag eine mediane Reduktion von -926 ng/ml erzielen (n=141; p<0,0001) [1].

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Diarrhoe, gastrointestinale Störungen und Hautausschläge sowie ein Anstieg des Serumkreatinins. Die Ausprägung der Nebenwirkungen war jeweils leicht bis mittelschwer, sie treten im Allgemeinen nur vorübergehend auf und können zumeist durch Dosisanpassungen behandelt werden (1).

Nicht-transfusionsabhängige Anämien

Für Patienten mit NTDT - darunter fallen Krankheitsbilder wie z.B. ß-Thalassämie intermediate, die HbH-Krankheit sowie die HbE/ß-Thalassämie - ergibt sich durch vermehrte Eisenresorption aus dem Darm  erst zu einem späteren Zeitpunkt eine Eisenüberladung, die jedoch ebenfalls eine kontinuierliche Eisenchelat-Behandlung benötigt, so Dr. Janßen.

Fazit

Insgesamt verdeutlichen die gesammelten Daten, dass Deferasirox bei Patienten mit transfusionspflichtigem MDS und den verschiedenen Thalassämie-Syndromen auch langfristig eingenommen werden kann und signifikant den Serumferritin-Spiegel senkt. Dadurch lassen sich Organschäden vermeiden.  bei MDS-Patienten wird die Hämatopoese verbessert und das Überleben verlängert.

cm

Literaturhinweise:
(1) Cappellini MD et al. Haematologica 2010; 95:557-566.
(2) Angelucci E et al. Eur J Haematol 2014. [Epub ahead of print, DOI: 10.1111/ejh.12300].
(3) Lyons RM et al. 55th ASH 2013; Abstr. #2775.
(4) Delforge M et al. Haematologica 2012; 97(Suppl.1):144.


3. Symposium HÄMATOLOGIE HEUTE: Session "Sekundäre Eisenüberladung - Update zu Diagnostik und Therapie." Veranst. Novartis Onkology. Berlin, 12. März 2014


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