Samstag, 24. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Myelofibrose
Myelofibrose
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

11. Dezember 2001 Opioidtherapie: Mehr Komfort mit transdermalem Pflaster

Interview mit Dr. med. Marianne Kloke, Essen

Transdermale Systeme vermitteln chronisch Schmerzkranken einen hohen Therapiekomfort. Sie müssen nicht mehr nach einem festen Zeitschema Tabletten einnehmen und werden durch die Therapie nicht mehr in ihren Alltagsaktivitäten beeinträchtigt. Dr. Marianne Kloke von der Schmerzambulanz der Universität Essen bewertete in einem Gespräch Nutzen und Risiken der Schmerztherapie mit transdermalen Systemen.
Frau Dr. Kloke, worauf muss man bei der Schmerztherapie mit Opioiden in der Praxis achten? Zunächst muss immer kontrolliert werden, ob der Patient einen opioidsensiblen Schmerz hat, ob also der Schmerz durch diese Medikamente wirklich gebessert werden kann. Dazu muss die Schmerzintensität als Basisparameter beurteilt werden und es muss erfragt werden, wie der Patient sich im Alltag verändert hat, wie sich seine psychische Situation durch den Schmerz verändert und wie er sich in seiner sozialen Situation erlebt. Es muss immer geprüft werden, ob die Behandlungsmöglichkeiten der Stufe I und II des Stufenschemas der WHO ausgeschöpft sind und eine Indikation für die Verordnung eines starken Opioids besteht. Welche Gesichtspunkte spielen für den Arzt eine Rolle bei der Wahl eines transdermalen Opioid-Pflasters? Und welche Rolle spielt der Patientenkomfort? Die transdermale Therapie ist für den Patienten angenehm und wird in aller Regel sehr gut akzeptiert. Der Therapiekompfort ist hoch, denn es muss nicht regelmäßig an die Tabletteneinnahme gedacht werden. Das ist vor allem für alte Menschen bedeutsam, die Schwierigkeiten haben, Tabletten nach einem festen Zeitplan einzunehmen. Die transdermale Therapie bewirkt außerdem sehr konstante Wirkstoffspiegel, wie sie in der Schmerztherapie angestrebt werden. Allerdings ist das System träge, der Wirkstoff flutet nur langsam an und diese Applikationsform empfiehlt sich deshalb nur bei stabilen Schmerzformen ohne ausgeprägte Tagesrhythmik. Der Patientenkompfort ist selbstverständlich ein sehr wichtiger Parameter einer jeden Behandlungsform. Er ist bei der transdermalen Therapie hoch, was selbstverständlich nicht nur bei älteren Menschen zum Tragen kommt. So haben auch jüngere Schmerzpatienten Vorteile, insbesondere wenn sie berufstätig sind. Denn die transdermale Therapie beeinträchtigt die normale Tagesrhythmik nicht, was besonders bedeutsam für all jene ist, bei denen eine Reintegration in das Berufsleben angestrebt wird. Wie beurteilen sie das neue Buprenorphin-Schmerzpflaster? Dieses stellt eine Bereicherung des therapeutischen Spektrums dar. Es wird wahrscheinlich auf der Grenze zwischen der Stufe II und III des WHO-Schemas einzuordnen sein. Buprenorphin selbst ist aus meiner Sicht eine spannende Substanz und zwar wegen des hohen Anteils der fäkalen Elimination, die auch bei eingeschränkter Nierenfunktion eine problemlose Therapie erlaubt. Der Wirkstoff ist außerdem erfreulich wenig spasminogen und es kommt zu vergleichsweise geringen gastrointestinalen Nebenwirkungen. Das pharmakologische Wirkprofil lässt ferner nur wenig oder möglicherweise gar keine psychotropen Nebenwirkungen erwarten. Wie bewerten Sie das Verhältnis von Wirkungen und Nebenwirkungen von Opioiden, speziell bei Buprenorphin? Bei den Opioiden unterscheiden wir Wirkungen mit und ohne Intensitätsverlust. Eine Wirkung ohne oder mit geringem klinisch relevanten Intensitätsverlust ist die Schmerzlinderung und konkret das macht man sich bei der Schmerztherapie zunutze. Eine Wirkung ohne Wirkverlust (Toleranzentwicklung) ist aber leider auch die Obstipation, so dass bei praktisch jeder Opioidgabe begleitend ein Laxanz verordnet werden muss. Wirkungen mit Wirkverlust sind Sedierung, Übelkeit und Erbrechen sowie psychotrope Wirkungen. Es fehlen wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse zu Unterschieden in der Nebenwirkungshäufigkeit und -art bezogen auf einzelne Substanzen. Neben stoffwechselbedingten Veränderungen (z.B. Nieren- und Leberfunktionseinbußen) sprechen vermutlich individuelle Faktoren eine wichtige Rolle hinsichtlich der Verträglichkeit. Man muss den Patienten somit auf die Nebenwirkungen vorbereiten, ihn darüber aufklären, dass die Beschwerden nach einer gewissen Zeit abklingen und man muss unter Umständen eine Begleitmedikation, also beispielsweise ein Antiemetikum verordnen. Besonders vorteilhaft bei den Opioiden ist die fehlende Organtoxizität zu bewerten, die auch bei schwer kranken, multimorbiden Patienten eine effektive und risikoarme Analgesie erlaubt.

Anzeige:
Alecensa
Alecensa
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Opioidtherapie: Mehr Komfort mit transdermalem Pflaster"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab