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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

18. Oktober 2011 Onkologische Supportivtherapie – Highlights vom MASCC Kongress in Athen

Die onkologische Supportivtherapie umfasst Maßnahmen der Prophylaxe und Therapie von Nebenwirkungen sowie rehabilitative Strategien und außerdem die Palliativtherapie bei unheilbarer Erkrankung. Die Multi-national Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) beschäftigt sich ausschließlich mit diesen für die moderne Tumortherapie unverzichtbaren Themenkomplexen und stellt aktuelle Erkenntnisse in ihren jährlichen Symposien vor. 850 Teilnehmer aus 57 Nationen nahmen am Jahressymposium in Athen im Juni 2011 teil. Abstracts, Poster, Preise und Highlights sind online einzusehen unter http://www.mascc.org/mc/page.do?sitePageId=128486&orgId=mascc.
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Workshops

Bereits im Vorfeld des Kongresses wurden geschlossene Workshops der Studiengruppen abgehalten, deren Ergebnisse auf der MASCC-Webseite in der Rubrik “Study Groups” zu finden sind. So fand ein Halbtages-Workshop der „Nutrition Study Group” statt, der sich mit der Konzeption klinischer Studien mit vielversprechenden Substanzen gegen Anorexie/Kachexie auseinandersetzte. Die Antiemesis-Studiengruppe beschäftigte sich in ihrem Workshop mit ungelösten Problemen der antiemetischen Therapie und ging sehr detailliert auf das Problem Übelkeit ein. Die Studiengruppen „Pediatrics“ und „Rehabilitation/Survivorship” führten in diesem Jahr einen gemeinsamen Workshop durch, der sich mit dem Thema Überleben nach kindlicher Tumorerkrankung und deren Einfluss auf das Leben als Erwachsener befasste. Die Studiengruppe Mukositis stimmte in einem ganztägigen Workshop in einer Konsensus-Abstimmung über ihre aktualisierten klinisch-praktischen Leitlinien ab und stellte die Ergebnisse auf dem Kongress vor. Die Ergebnisse werden in Kürze auf der MASCC-Webseite als Guideline-Update publiziert.

Keynote Lectures

Die beiden Plenarsitzungen des Eröffnungstages beschäftigten sich wie in den Jahren zuvor mit schwierigen Themen. „Wie kann man sozial ausgegrenzte Patienten oder arme Patienten in sozial schwachen Ländern einer adäquaten Tumorbehandlung zuführen?“ fragten D. Keefe, Australien, und K. Syrigos, Griechenland, in ihrer Sitzung. Zudem wurde die Fragestellung der Ethik bei Forschung an Schwerstkranken und deren Würde diskutiert. Wie heute das Sterben aussieht und wie man sich die Zukunft vorstellen könnte, stellte V. Pace, UK, vor, während G. Samonis aus Griechenland aus kunstphilosophischer Sicht den Lebenszyklus von der Geburt bis zum Tod darstellte. M. Aapro, Schweiz, ging auf die Problematik älterer Patienten ein, die nach wie vor den Großteil der onkologischen Patienten ausmachen und die eine besonders sorgfältige Überwachung und supportive Begleitung benötigen.

Satellitensymposien zur intravenösen Eisentherapie und zur Emesis

Aapro war auch Chairman des von Vifor Pharma organisierten Symposiums zum Thema intravenöse Eisentherapie. Er führte aus, dass fast zwei Drittel der zuvor nicht anämischen Patienten im Verlauf einer Chemotherapie eine Anämie erfahren. Diese belastet die Patienten erheblich, da sie mit Erschöpfungszuständen (Fatigue) vergesellschaftet ist. Das Krankheitsbild sollte immer abgeklärt und, falls erforderlich, entsprechend der Ursache behandelt werden. Aktuelle Studien lassen darauf schließen, dass die Kombinationstherapie aus einem Erythropoese-stimulierenden Agens (ESA) und parenteralem Eisen die chemotherapieinduzierte Anämie am effektivsten korrigiert. Darüber hinaus gibt es aktuelle Daten, dass bei bestimmten Patientenpopulationen mit i.v. Eisen alleine vergleichbare Ergebnisse wie durch eine ESA-Therapie erzielt werden können. Voraussetzung ist die zuverlässige Diagnose eines funktionellen Eisenmangels mittels Bestimmung des Ferritinwerts und der Transferrinsättigung, da der funktionelle Eisenmangel in engem Zusammenhang mit Anämie steht (Abbildung 1).

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Abb. 1: Funktioneller Eisenmangel korreliert eng mit Anämie.
GI=gastrointestinal; EM=Eisenmangel (TSAT < 20%); FEM=funktioneller Eisenmangel (Ferritin 30 ng/ml und TSAT 10-20%).

Ein von MSD unterstütztes Satellitensymposium beschäftigte sich mit den jüngsten Fortschritten in der anti-emetischen Therapie, die durch die einmalige Gabe des NK1-Antagonisten Fosaprepitant erneut vereinfacht wurde. Wie S. Grunberg, USA, andeutete, könnte zukünftig eine eintägige antiemetische Kombinationsprophylaxe aus NK1-Antagonist, 5-HT3-Antagonist und Glukokortikoid ausreichen, um einen ganzen Chemotherapiezyklus abzudecken. Doch nach wie vor ist das Problem Übelkeit noch nicht zufriedenstellend gelöst, wie Grunberg ebenfalls anmerkte. Hier könnten Substanzen, die den Appetit stimulieren, wie Olanzapin, Dronabinol oder Megestrolacetat, eine Rolle spielen.

Toxizität von EGFR-Inhibitoren

Dem Thema Hauttoxizität unter EGFR-Inhibitoren waren eine gesamte Sitzung und mehrere Poster gewidmet, was die Bedeutung dieser neuen Toxizität unterstreicht. Diese Nebenwirkung ist für die Patienten optisch stigmatisierend, jedoch scheint das Auftreten der Hauttoxizität bei Cetuximab und Panitumumab mit dem Ansprechen zu korrelieren. Die MASCC Study Group „Skin Toxicities“ hat soeben ihre klinischen Leitlinien zum Management publiziert (Support Care Cancer 2011 Aug;19(8):1079-95. Epub 2011 Jun 1).

Zusammenfassung und Ausblick

Die konsequente, bereits von Anfang an in das Therapiekonzept integrierte Supportivtherapie stellt sicher, dass die Behandlung einer Tumorerkrankung bei bestmöglicher Lebensqualität erfolgt. Hierdurch wird die Patientencompliance verbessert und so wiederum der Therapieerfolg wahrscheinlicher. Die nächsten Jahressymposien der MASCC finden vom 28. bis 30. Juni 2012 in New York und vom 26. bis 29. Juni 2013 in Berlin statt.

Dr. Petra Ortner, München

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