Montag, 26. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Giotrif
Giotrif

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

04. Mai 2009 Neuroonkologie 2009: Gliome dosisdicht therapieren, prädiktive Marker bestimmen

Im Hinblick auf die Behandlung maligner Gliome gibt es weiterhin keinen kurativen Ansatz, so Prof. Joachim Peter Steinbach, Frankfurt, auf einer Pressekonferenz anlässlich des Kongresses Neuroonkologie 2009 in München. Die Erfahrung aus bisher durchgeführten Studien sowie neue Erkenntnisse zur Tumorbiologie geben aber Anlass zur Hoffnung: die Kombinationstherapie aus Radiotherapie und Temozolomid lässt die Patienten länger überleben. Neue Studien sollen vor allem den MGMT-Status als prädiktiven Marker mit einbeziehen sowie ein definitives Behandlungsschema für die Praxis etablieren. Besonderes Augenmerk gilt hier dem metronomischen Protokoll und einer dosisdichten Therapie.
Anzeige:
Avastin MammaCA BC
Avastin MammaCA BC
 
Obwohl die chirurgische Intervention im Gegensatz zu anderen Tumorentitäten keine Heilung in Aussicht stellen kann, bleibt die makroskopische Komplettresektion auch aus tumorbiologischer Sicht sinnvoll, so Steinbach. Einerseits kann durch die Operation eine Tumorzellmassenreduktion und damit eine bessere Ausgangslage für eine adjuvante Chemotherapie erreicht werden. So wird auch die Wahrscheinlichkeit für Resistenzen gesenkt. Zum anderen, so Steinbachs, wird durch die Operation ein hypoxisches Tumormikromilieu vermieden, das bei ungehemmtem Wachstum über die Angiogenese die Tumorprogression noch aggressiver vorantreiben würde.

Mit der Einführung von Temozolomid (TMZ) beim Rezidiv [1] und den daraus resultierenden Erfahrungen wurde durch die Kombination von TMZ mit einer Radiotherapie schließlich auch ein Konzept für die Primärtherapie etabliert, das Gliompatienten eine längerfristige Stabilisierung ihrer Erkrankung ermöglicht [2].


MGMT-Status als Prädiktor für die Therapie

Temozolomid methyliert N7- und O6-Positionen von Guanin-Resten in der DNA der Tumorzellen und führt so die Apoptose dieser Zellen herbei. Die körpereigene M-Guanin-Methyl-Tranferase (MGMT) macht DNA-Methylierungen unschädlich, indem sie die Methylgruppe auf sich selbst überträgt und dabei verbraucht wird. Daher ist das Vorhandensein von wenig MGMT für eine Temozolomid-Therapie die beste Voraussetzung. Die MGMT ist als prädiktiver Marker beim Gliom in den Fokus gerückt, weil circa 50% der Gliompatienten eine hypermethylierte Promoterregion im MGMT-Gen mit entsprechend verringerter Enzym-Expression aufweisen. Diese Patienten mit MGMT-Methylierung erreichen unter TMZ die besten Überlebensraten, auch wenn Temozolomid bei den anderen Patientenkollektiven eine Verbesserung des Überlebens verglichen mit Radiotherapie allein erzielt [3]. „Ein 5-Jahresüberleben von 9,8% ist zwar immer noch nicht befriedigend, historisch jedoch lag man hier stets bei 2-3%“, so Steinbach (Tabelle 1).
0
Tabelle 1: Update der EOTC 26981-22981/NCIC CE. (3) Studie: 5-Jahresüberleben unter Radiotherapie plus Temozolomid bei Patienten mit MGMT-Methylierung 13,8%.

Optimierung der Therapie durch metronomisches Protokoll und Dosisdichte

Gemessen an der Schwere der Erkrankung sei die Intensität der Therapie beim Gliom eher niedrig, so Steinbach. „Leukämien werden wesentlich dosisdichter behandelt.“ Um alle in Teilung befindlichen Tumorzellen künftig noch besser fassen zu können, gehen die Bestrebungen in der Gliomtherapie dahin, metronomisch zu behandeln, d.h. die Dosis gleichmäßiger auf einen definierten Zeitraum zu verteilen. Der Grund liegt darin, dass eine täglich verabreichte TMZ-Therapie mehr DNA-Läsionen erzeugt, als das Enzym MGMT beheben kann; dadurch wird der Tumor massiv geschädigt.

Einigkeit herrscht darüber, dass ein dosisdichtes Protokoll potenter als das Standardprotokoll ist, so Steinbach. Die EORTC/RTOG-Studie [4], deren Ergebnisse voraussichtlich auf dem diesjährigen ASCO präsentiert werden, stratifiziert 1200 Patienten nach ihrem MGMT-Status, hier wird eine definitive Aussage dazu erwartet, ob die konkomitante Behandlung mit Temozolomid zur Radiotherapie gegenüber Radiotherapie allein zu einem verbesserten Therapieeffekt führt, und wie das Nebenwirkungsprofil aussieht. Eine weitere Studie [5] untersucht die Therapie älterer Gliompatienten, die die Kombinationstherapie schlechter vertragen, hinsichtlich ihrer Lebensqualität. Die Patienten erhalten sequentiell Strahlentherapie und Temozolomid-Therapie bzw. erst Temozolomid und dann Strahlentherapie, 100mg/m2 TMZ als Tabletten über 7 Tage alle 14 Tage ambulant. Bereits 300 Patienten wurden dafür rekrutiert, erste Ergebnisse werden für 2010 erwartet. Steinbach zeigte sich optimistisch, dass die Subgruppenanalyse der Patienten mit methyliertem MGMT-Gen die Erkenntnis bringen könnte, dass zugunsten einer alleinigen TMZ-Therapie auf eine Strahlentherapie bei diesen Patienten ganz verzichtet werden kann.
Besonders bemühe man sich auch darum, so Steinbach, ein definitives Schema für die Praxis zu etablieren, diesbezüglich soll die jetzt gestartete DIRECTOR-Studie [6] Aufschluss geben, bei der mit Temozolomid vorbehandelte Gliompatienten mit Rezidiv nach Bestimmung ihres molekularen Status mit einem intensivierten Dosisprotokoll behandelt werden. Hier wird das 7/14-Schema (One-week-on – one-week-off) mit dem 21/28-Schema (Temozolomid-Therapie an 21 Tagen eines 28-Tages-Zyklus) verglichen.
ab

Literatur:
1. Yung et al., 2000, „A phase II study of temozolomide vs. procarcazine in patients with glioblastoma multiforme at first relapse“, British Journal of Cancer (2000) 83/5), 588-593
2. Radiotherapy and Temozolomide for Newly Diagnosed Glioblastoma: Recursive Partitioning Analysis of the EORTC 26981/22981-NCIC CE3 Phase III Randomized Trial, Journal of Clinical Oncology, Vol 24, No 16 (June 1), 2006: pp. 2563-2569
3. Effects of radiotherapy with concomitant and adjuvant temozolomide versus radiotherapy alone on survival in glioblastoma in a randomised phase III study: 5-year analysis of the EORTC-NCIC trial. Stupp et al., Lancet Oncol. 2009, doi 10-1016/S1470-2045(09)70025-7
4. EORTC/RTOG-Studie (Phase III Trial Comparing Conventional Adjuvant Temozolomide with Dose-Intensive Temozolomide in Patients with Newly Diagnosed Glioblastoma)
5. Temozolomid (one week on/one week off) versus Strahlentherapie in der Primärtherapie anaplastischer Astrozytome und Glioblastome bei älteren Patienten: eine randomisierte Phase III-Studie (Methvsalem), (http://www.kgu.de/neuroonkologie/html/noa-08-studie.html)
6. DIRECTOR (Dose-Intensified rechallenge with Temozolomide, one week on one week off versus three weeks on one week off: a randomized trial (http://neuro-oncology.dukejournals.org/cgi/content/abstract/11/1/69)

Quelle: Meet the Expert „Temodal® in der Gliomtherapie – eine Erfolgsgeschichte“, 13.3.09, München; essex


Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Neuroonkologie 2009: Gliome dosisdicht therapieren, prädiktive Marker bestimmen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib