Mittwoch, 28. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Medical Cloud CAR T
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. Mai 2008 Neuroonkologie 2008: Aktuelle Strategien in der Therapie primärer Hirntumoren und Hirnmetastasen

Studienkonzepte und aktuelle Studien zur Diagnostik und Therapie von Gliomen, Hirnmetastasen, Meningeosis neoplastica und ZNS-Lymphomen standen im Mittelpunkt eines neuroonkologischen Symposiums in Potsdam. Einen Fortschritt in der Behandlung von Hirntumoren markiert das Alkylans Temozolomid. Neue Erkenntnisse zur Tumorbiologie lassen darüber hinaus für die Zukunft vielversprechende Entwicklungen im Management von primären und sekundären Hirntumoren erwarten.
Anzeige:
Tecentriq
Tecentriq
 
Das Glioblastom ist der bösartigste Hirntumor und die Prognose der Erkrankung ist denkbar schlecht. Eine Re-sektion mit anschließender Bestrahlung brachte den Patienten nur eine mittlere Überlebenszeit von 9 bis 12 Monaten. Erst in den letzten Jahren konnte durch neue Therapiestrategien die mittlere Überlebenszeit auf 15 Monate verlängert werden, berichtete Prof. Peter Vajkoczy von der Neurochirurgischen Klinik der Charité Universitätsmedizin Berlin.

Standardtherapie ist heute bestmögliche Resektion und eine kombinierte Radio-Chemotherapie mit dem Alkylans Temozolomid (Temodal®) parallel zur Bestrahlung und danach adjuvant über 6 Zyklen. Dieses Regime hatte in einer großen randomisierten Studie der European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC) gegenüber der alleinigen Radiotherapie die mediane Überlebenszeit der Patienten mit Glioblastom von 12,1 auf 14,6 Monate verlängert. Nach zwei Jahren waren in der Kontrollgruppe noch
10,4%, in der Temozolomid-Gruppe dagegen noch 26,5% der Patienten am Leben. Dass mittlerweile ein Viertel der Patienten länger als zwei Jahre überleben, wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen, so Vajkoczy.

Molekulargenetische Faktoren scheinen bei alkylierenden Substanzen wie Temozolomid ausschlaggebend zu sein. Die Methylierung der Promoterregion von MGMT (Methylguanin-DNA-Methyltransferase) war in der EORTC-Studie ein unabhängiger, günstiger prognostischer Faktor. MGMT ist ein Enzym, das durch alkylierende Chemotherapie verursachte DNA-Schäden repariert.

Doch selbst nach erfolgreicher Standardtherapie ist ein Rezidiv fast immer die Regel. Bislang gibt es keine allgemein akzeptierten Standard-Therapieprotokolle. So hatten die Patienten der EORTC-Studie nach den Rezidiv unterschiedlichste Therapien erhalten – diejenigen aus dem Radiotherapiearm zum Beispiel zu 60% Temozolomid, während es bei denjenigen, die in der Studie bereits mit dem Alkylans behandelt worden waren, nur 25% waren.

Inzwischen werden verschiedene Rezidivprotokolle nach Temozolomid-Behandlung in kontrollierten Studien geprüft. So gibt es Hinweise darauf, dass die Resistenzentwicklung überwunden werden kann, indem das Medikament wochenweise alternierend verabreicht wird.

Neben alternativen Dosierungsschemata für Temozolomid wird die Wirksamkeit des VEGF-(vascular endothelial growth factor)-Antikörpers Bevacizumab in Kombination mit verschiedenen klassischen Chemotherapeutika wie Nitrosoharnstoff, Temozolomid, Topoisomerase-Inhibitoren oder Platinderivaten untersucht, erklärte Prof. Michael Weller, Zürich. Ein weiterer auf die Tumorangiogenese abzielender Wirkstoff ist die peptiderge Substanz Cilengitide, welche bestimmte Integrine hemmt und über diesen Weg das Wachstum von tumoreigenen Blutgefäßen und dadurch die Nährstoffversorgung des Tumors unterbindet.
Zerebrale Metastasen

Das Risiko für Hirnmetastasen ist bei einem malignem Melanom am höchsten, so Weller, gefolgt vom Bronchial-, Mamma- und schließlich Nierenzellkarzinom. Auch bei diesen Absiedelungen ist – wenn möglich – die Resektion die Basis jeder Therapie, gefolgt von konventioneller externer, fraktionierter Radiotherapie oder gezielt und in hoher Dosis mit dem „Gammaknife“, und schließlich der Chemotherapie.

Erste Hinweise sprechen dafür, dass die kombinierte Radiochemotherapie mit Temozolomid zu einer deutlichen Erhöhung der Ansprechrate im Vergleich zu alleiniger Strahlentherapie sowie zu einer Verbesserung des Neurostatus führt. Offenbar erhöht Temozolomid die Empfindlichkeit der Metastasen gegenüber den Strahlen, vermutet Weller. Da die Substanz die Blut-Hirn-Schranke gut überwindet, ist auch ein adjuvanter Einsatz von Temozolomid gegen die Entwicklung von Hirnmetastasen denkbar. Grundsätzlich erfordern Hirnmetastasen immer eine individuelle Behandlungsstrategie, sagte Weller, wobei Zahl und Lokalisation der Metastasen, Art des Primärtumors, Alter und Begleiterkrankungen des Patienten berücksichtigt werden müssen.

Hoc

Quelle: Symposium und Pressekonferenz „Aktuelle Aspekte bei der Behandlung von primären Hirntumoren und Hirnmetastasen“ der essex pharma GmbH, Potsdam, 14. März 2008


Anzeige:
Tecentriq
Tecentriq
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Neuroonkologie 2008: Aktuelle Strategien in der Therapie primärer Hirntumoren und Hirnmetastasen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib