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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. September 2013 Neues und Bewährtes zur Supportivtherapie - Highlights vom MASCC

Ziel der Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) ist es, dass eine Krebstherapie immer durch geeignete supportive Maßnahmen bestmöglich unterstützt wird. Drei der Themen der diesjährigen MASCC-Jahrestagung wurden in einer Post-MASCC-Presseveranstaltung näher von Experten beleuchtet: Die Antiemese mit 5-HT3-Antagonisten, die adäquate Behandlung von Knochenmetastasen und die Neutropenie-Prophylaxe mit G-CSF.

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Antiemese

Wie der Apotheker Dr. Hans-Peter Lipp, Tübingen, erklärte, nimmt der 5-HT3-Rezeptorantagonist Palonosetron (Aloxi®) einen Sonderstatus in der Prophylaxe der Chemotherapie-assoziierten Nausea und Emesis (CINV) ein - unabhängig von der Wahl der jeweiligen Kombinationspartner. Palonosetron ist bereits das 5. Setron, das zugelassen wurde, es zeigte sich aber in Studien wirksamer und verträglicher als ältere Setrone. Dies äußerte sich in höheren Raten kompletter Remissionen, stärkerer Verringerung von Übelkeit und signifikant besserer Wirksamkeit in der akuten, verzögerten und Gesamtphase. Ein weiterer Vorteil ist, dass Palonosetron oral und i.v. verabreicht werden kann. Es ist gut verträglich, besonders die bei anderen Setronen auftretenden kardiovaskulären Toxizitäten wurden unter Palonosetron nicht beobachtet. Daher wird es ausdrücklich in den Antiemese-Leitlinien der ASCO, der MASCC und der NCCN bei moderat emetogener Chemotherapie genannt und bevorzugt bei hoch emetogener Chemotherapie empfohlen. Lipp zu Folge ermöglicht die stärkste antiemetische Prophylaxe bereits ab dem 1. Zyklus die besten Gesamtergebnisse. "Wichtig ist ein gutes Antiemetikum, damit ein Patient auch alle Zyklen der Chemotherapie und diese ohne Dosisanpassungen erhalten kann", sagte Lipp, "doch leider werden die antiemetischen Leitlinien derzeit nur zu etwa 25% eingehalten".

Osteoprotektion für mehr Lebensqualität

Knochenmetastasen treten bei Patienten mit soliden Tumoren immer häufiger auf. Die steigende Inzidenz erklärte Prof. Ingo Diel, Mannheim, durch die längeren Überlebenszeiten dank der immer besseren Therapien. Mit den längeren Überlebenszeiten steige auch das Auftreten skelettbezogener Ereignisse (SRE), so Diel. Zu den SRE zählen die Bestrahlung des Knochens, pathologische Frakturen, Rückenmarkkompressionen und operative Eingriffe am Knochen. SRE sind mit Schmerzen verbunden und beeinträchtigen alle Aspekte der Lebensqualität der Patienten. Sie verlängern die Dauer von Klinikaufenthalten und sind mit einer verkürzten Überlebenszeit assoziiert. "Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist die Krebserkrankung beim Auftreten von Knochenmetastasen inkurabel", sagte Diel. "Daher steht in der Behandlung der Erhalt der Lebensqualität im Vordergrund", so Diel weiter. Der monoklonale Antikörper Denosumab (XGEVA®) hat sich dabei gegenüber den Bisphosphonaten als wirksamer erwiesen. Er erreicht eine größere Verlängerung des Zeitraums bis zum Auftreten eines SRE und eine Verringerung der Zahl der SRE. Denosumab verhindert das Fortschreiten der Schmerzen und führt zu einem Erhalt der Lebensqualität durch Schmerzprävention. Daher müssen unter Denosumab weniger Analgetika eingesetzt werden als unter Bisphosphonaten. Des Weiteren ist Denosumab besser verträglich als Bisphosphonate. Allerdings kommt es häufiger zu Hypokalzämien. "Um dieser Nebenwirkung vorzubeugen, empfiehlt es sich, prophylaktisch Vitamin D einzunehmen, denn dadurch kann Kalzium aus der Nahrung besser aufgenommen werden", erläuterte Diel. So könne auch das Risiko einer Kieferosteonekrose durch eine prophylaktische Zahnsanierung verringert werden.

Leitlinien zur FN-Prophylaxe zu wenig beachtet


Prof. Hartmut Link, Kaiserslautern, stellte die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage in Deutschland vor, der zu Folge die Leitlinien zur Neutropenie-Prophylaxe mit G-CSF nur ungenügend berücksichtigt werden. Dabei zeigte sich, dass das Befolgen der Leitlinie von der Fachrichtung des behandelnden Arztes abhängig ist. Besonders Patienten mit Lungenkarzinom würden nicht korrekt supportiv behandelt. So haben bei Vorliegen eines Lungenkarzinoms mit hohem Risiko für eine febrile Neutropenie (FN) nur 11% der Patienten eine G-CSF-Prophylaxe erhalten. Bei Lymphomen waren es 82% und bei Patienten mit Mammakarzinom 72,6%. "Von diesen Patienten hätte jeder eine G-CSF-Prophylaxe erhalten müssen", so Link. Auch im intermediären Stadium wurden die meisten Patienten mit Lungenkarzinom (70%) nicht leitliniengemäß behandelt. "Der Grund für die Nicht-Einhaltung der Leitlinien war anscheinend, dass die behandelnden Ärzte die Leitlinien missverstanden haben. Dabei ist die prophylaktische Gabe rekombinanter G-CSF-Präparate wie Pegfilgrastim (Neulasta®) weltweit in den Leitlinien festgelegt und die Empfehlungen unterschieden sich auch kaum", erklärte Link. Zunächst müsse vor Beginn der Chemotherapie das individuelle FN-Risiko festgelegt werden. Ab einem FN-Risiko von ≥ 20% sollte eine G-CSF-Prophylaxe routinemäßig gegeben werden. Bei einem FN-Risiko durch die Chemotherapie von 10-20% soll die G-CSF-Therapie erfolgen, wenn Patienten-bedingte Faktoren vorliegen, wie Alter > 65 Jahre, fortgeschrittene Erkrankung, schlechter Allgemein- oder Ernährungszustand und Komorbiditäten wie Leber-, Nieren- oder kardiovaskuläre Erkrankungen. Dabei sei eine Neubewertung für jeden Zyklus notwendig. "Leitlinien müssen gelesen, verstanden und angewendet werden!", forderte Link.

sk

24. Münchener Fachpresseworkshop „Post MASCC“, 18.07.2013, München


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