Samstag, 24. August 2019
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. April 2014 Neuer anti-angiogener Wirkstoff in der klinischen Prüfung

Das Magenkarzinom wird immer noch zu spät diagnostiziert. Daraus resultiert der Umstand, dass nur maximal 40% der Patienten einer kurativen Resektion unterzogen werden können. In den meisten Fällen ist der Tumor bereits so weit fortgeschritten, dass nur noch eine palliative Chemotherapie vorgenommen werden kann. Kommt es dann zur Progression, kann neuerdings auf eine Forschungssubstanz mit dem Wirkstoff Ramucirumab zurückgegriffen werden. Der Angiogenesehemmer hat in zwei Phase-III-Studien das Gesamtüberleben und die progressionsfreie Überlebenszeit jeweils signifikant verlängert.

Anzeige:
Fachinformation

Bei dem neuen anti-angiogenen Wirkstoff Ramucirumab (IMC-1121B) handelt es sich um einen komplett humanen monoklonalen Immunglobulin-1-Antikörper, der sich spezifisch gegen die extrazelluläre Domäne des VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor)-Rezeptors 2 richtet. Er wird als zentraler Mediator der physiologischen wie der pathologischen Angiogenese angesehen. Wird der VEGF-Rezeptor 2 stimuliert, werden weitere Faktoren freigesetzt, die das Tumorwachstum und die Metastasierung fördern. So verwundert es nicht, dass die Fünfjahres-Überlebensrate laut Prof. Salah-Eddin Al-Batran, Frankfurt am Main, nur rund 30% erreicht.

Für Ramucirumab konnte nachgewiesen werden, dass es die Überlebenszeit von Patienten mit einem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs nicht nur in Kombination mit Chemotherapeutika, sondern auch als Monotherapeutikum zu verlängern vermag. "Und das ist bemerkenswert", konstatierte PD Dr. Sonja Loges, Hamburg. Allem Anschein nach kann dem neuen Angiogenesehemmer auch eine gefäßnormalisierende Wirkung zugeschrieben werden. Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen wurden bislang nicht beobachtet. Laut derzeitigem Erkenntnisstand ist Ramucirumab "ein sehr attraktives Medikament zur Behandlung des Magenkarzinoms", so Loges.

Wirksamkeit und Sicherheit von Ramucirumab wurden in der internationalen und doppelblinden Phase-III-Studie REGAIN überprüft. Teilnehmer waren 355 Patienten mit metastasiertem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs. Bei ihnen hatten sich trotz einer Platin- und/oder Fluoropyrimidin-haltigen Kombination als Erstlinientherapie Metastasen entwickelt.

Signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens dank Anti-Angiogenese

Generell gilt, dass das Magenkarzinom häufig in einem bereits fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird. Dann ist die Palliation als Behandlungsziel anzustreben. Bislang bietet sich dafür als einzige Option die kombinierte Chemotherapie an. Bildet sich unter der Erstlinien-Chemotherapie ein Rezidiv, ist die Prognose besonders ungünstig. In dieser Situation kann eine Zweitlinien-Chemotherapie gestartet werden. Man kann alternativ aber auch mit einer Forschungssubstanz wie dem Angiogenesehemmer Ramucirumab therapieren.

Sämtliche Patienten der REGAIN-Studie bekamen die Best Supportive Care (BSC). Bei 238 Teilnehmern wurde Ramucirumab eingesetzt, die übrigen 117 erhielten stattdessen Placebo. Die Ergebnisse sprechen für sich: Das Gesamtüberleben als primärer Endpunkt der Studie verlängerte sich von 3,8 Monaten unter Placebo auf 5,2 Monate unter Verum und damit signifikant. Die progressionsfreie Überlebenszeit als sekundärer Endpunkt stieg von 1,3 Monaten unter Placebo auf 2,1 Monate unter Ramucirumab und damit hochsignifikant an. In beiden Endpunkten stellte sich also der Angiogenesehemmer als überlegen heraus. Unerwartete Toxizitäten wurden nicht registriert.

Zweite Studie bestätigt den Erfolg der ersten

Nicht zuletzt aufgrund der ermutigenden Resultate der REGAIN-Studie wurde die Phase-III-Studie RAINBOW in die Wege geleitet. Die aus 27 Ländern stammenden 665 Patienten litten an einem Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs, das trotz Platin- oder Fluoropyrimidin-haltiger Erstlinientherapie weiter fortgeschritten oder refraktär geworden war. Behandelt wurde entweder mit Ramucirumab plus Paclitaxel oder mit Paclitaxel plus Placebo.

Auch in dieser Phase-III-Studie wurde das Gesamtüberleben als primärer Studienendpunkt unter der Ramucirumab-haltigen Kombination signifikant verlängert. Unter dieser Kombination schnitten die Patienten auch in puncto progressionsfreie Überlebenszeit signifikant besser ab. Günstig beeinflusst wurden darüber hinaus die Gesamtansprechrate, die Lebensqualität und die Sicherheit. Als Nebenwirkungen der Anti-Angiogenese wurden arterielle Hypertonie, Fatigue, Leukopenie und Bauchschmerzen angegeben.

kbf

Lilly-Symposium "Anti-Angiogenese reloaded – Neues aus Forschung und Therapie" im Rahmen des DKK, Berlin, 20.02.2014


Das könnte Sie auch interessieren

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung
© Fotolia / cryonoid_media

Mit einem Pressegespräch am 19. April in Berlin nimmt EuropaColon Deutschland e. V. seine Tätigkeit als spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung von Darmkrebspatienten auf. Der neu gegründete Verein ist die deutsche Tochter der seit zwölf Jahren europaweit aktiven Patientenorganisation EuropaColon, die in 24 Ländern Europas Menschen mit Darmkrebs unterstützt und gegenüber der Gesundheitspolitik für deren Interessen eintritt. Der Verein soll Anlaufstelle...

Lungenkrebs: Experten fordern mehr Prävention

Lungenkrebs: Experten fordern mehr Prävention
© nerthuz / Fotolia.com

Ein Großteil der Lungenkrebserkrankungen wäre vermeidbar, insbesondere durch konsequente Tabak-Kontrollmaßnahmen. Der wichtigste Schlüssel auf dem Weg zur Präzisions-Medizin ist die molekulare Diagnostik, sie bildet die Basis für eine zunehmend individualisierte und damit wirksamere Therapie beim Lungenkrebs. Gezielte Screening-Programme bei Rauchern mit besonders hohem Lungenkrebs-Risiko könnten die Sterblichkeit deutlich senken. Multimodale...

Sächsische Krebsgesellschaft e.V.: „Aktiv gegen Krebs“

Das Vermitteln von Wissen zum Thema Krebs versteht die Sächsische Krebsgesellschaft e.V. (SKG) als ihre vordringlichste Aufgabe. Das betrifft das Wissen der Betroffenen, also der an Krebs erkrankten Menschen, die sich in allen
Fragen rund um ihre Erkrankung an die SKG wenden können, wie auch das Wissen der Bevölkerung. "Wir wollen vermitteln, dass man mit Krebs leben kann", erklärt Professor Dr. Ursula Froster, Vorstandsvorsitzende der SKG.

Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten

Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten
© Frantab / fotolia.com

„Danke für den gemeinsamen Spirit. Möge er uns weiter beflügeln“, so ein Feedback zum ersten Sommertreffen junger Krebspatienten in Deutschland. Frauen und Männer aus der gesamten Bundesrepublik kamen vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 das erste Mal in Lauterbach (Hessen) zu einem gemeinsamen Kennenlernen und Austausch zusammen. Die etwa 50 Teilnehmer engagieren sich in den TREFFPUNKTEN der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Die Stiftung hatte...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Neuer anti-angiogener Wirkstoff in der klinischen Prüfung "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich