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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

07. Juli 2014 Neue Perspektiven: Pertuzumab und Trastuzumab Emtansin in der Behandlung des HER2-positiven Mammakarzinoms

Die Überlebensperspektiven für Frauen mit metastasiertem HER2-positivem Mammakarzinom haben sich innerhalb des vergangenen Jahres entscheidend verbessert: Mit dem HER2-Dimerisierungs-Inhibitor Pertuzumab (Perjeta®) und dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat T-DM1 (Trastuzumab Emtansin; Kadcyla®) wurden 2013 gleich zwei neue HER2-gerichtete Therapien zugelassen, die das Überleben der Patientinnen signifikant verlängern - und dies bei gleichzeitig guter Verträglichkeit (1, 2). PD Dr. Marc Thill, Frankfurt am Main, und Dr. Ingo Schwaner, Berlin, erläutern den Stellenwert von Pertuzumab und T-DM1 im klinischen Alltag sowie die konkreten Vorteile für die einzelne Patientin.

Bei etwa jeder 5. Patientin mit Brustkrebs wird eine HER2-Überexpression auf der Oberfläche der Tumorzellen diagnostiziert (3). Der positive HER2-Rezeptorstatus geht mit einem aggressiven Tumorverhalten einher und ist unter konventionellen Therapien mit einem kurzen krankheitsfreien Intervall und Gesamtüberleben assoziiert. Die Einführung des ersten anti-HER2-gerichteten Antikörpers Herceptin® (Trastuzumab) hat die Prognose der betroffenen Frauen bereits signifikant verbessert. Gerade für die fortgeschrittene Behandlungssituation fehlte es jedoch an weiteren HER2-spezifischen Therapien. "Mit Pertuzumab und T-DM1 haben sich unsere Therapieoptionen entscheidend erweitert", so Schwaner.

Patientinnen, die gegen die metastasierte Erkrankung noch keine anti-HER2-Therapie oder Chemotherapie erhalten haben, leben länger, wenn sie Pertuzumab zusätzlich zur Kombination aus Herceptin plus Docetaxel erhalten. Die Phase-III-Zulassungsstudie CLEOPATRA belegt den signifikanten Überlebensvorteil: Das Mortalitätsrisiko der Patientinnen reduzierte sich unter zusätzlicher Behandlung mit Pertuzumab signifikant um 34% (HR 0,66; p=0,0008) (1). Zudem verlängerte sich die Zeit bis zum erneuten Fortschreiten der Erkrankung signifikant um über ein halbes Jahr (18,5 vs. 12,4 Monate; HR 0,62; p<0,0001) (4).

Neu zugelassen ab der 2nd-Line ist das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat T-DM1. Die innovative Substanz vereint den bewährten Antikörper Trastuzumab mit dem hochpotenten Zytotoxin DM1 zu einem neuen kombinierten Wirkmechanismus. In der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie EMILIA bewirkte T-DM1 bei Patientinnen, die gegen die HER2-positive metastasierte Erkrankung bereits mit Herceptin und einem Taxan vorbehandelt waren, im Vergleich zur Kombination Capecitabin plus Lapatinib eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens um fast ein halbes Jahr (30,9 vs. 25,1 Monate; HR 0,68; p=0,0006). Auch hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens erwies sich die neue Substanz als signifikant überlegen (9,6 vs. 6,4 Monate; HR 0,65; p<0,001) (2). Erste Resultate der Phase-III-Studie TH3RESA belegen die hohe Wirksamkeit des Antikörper-Wirkstoff-Konjugats auch in späteren Therapielinien (5).

"Unsere Erfahrungen aus der Praxis bestätigen die beeindruckenden Studiendaten zur Wirksamkeit von Pertuzumab und T-DM1", so Thill. "Mit beiden Substanzen bieten wir unseren Patientinnen die Aussicht auf ein signifikant verlängertes Gesamtüberleben - dieser Gewinn an Lebenszeit sollte keiner Patientin vorenthalten werden." Die aktuellen Therapieleitlinien der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) untermauern den hohen Stellenwert: Die 1st-Line-Kombination aus Pertuzumab, Herceptin und Docetaxel sowie der Einsatz von T-DM1 ab der 2nd-Line werden jeweils als einziges Regime mit dem höchsten Empfehlungsgrad (++) bewertet (6).

Die Lebensqualität im Fokus

Neben der hohen Wirksamkeit profitieren die Patientinnen von der guten Verträglichkeit von Pertuzumab und T-DM1. So führte die zusätzliche Behandlung mit dem HER2-Dimerisierungs-Inhibitor in der CLEOPATRA-Studie zu keiner klinisch relevant erhöhten Toxizität (4). "Wir beobachten zudem, dass schwerere unerwünschte Ereignisse (≥ Grad 3) fast ausschließlich während der initialen Kombination mit Docetaxel auftreten", so Schwaner. "Durch eine Reduktion des Taxans bzw. eine alleinige Fortsetzung der Behandlung mit Pertuzumab und Herceptin bis zum Progress lassen sich eventuelle Nebenwirkungen in der Regel gut handhaben." T-DM1 erwies sich in der EMILIA-Studie sogar als erheblich besser verträglich als die Kombination Capecitabin plus Lapatinib: Schwerere unerwünschte Ereignisse (≥ Grad 3) traten unter dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat deutlich seltener auf (40,8% vs. 57,0%) (2). Dieser für die fortgeschrittene Therapiesituation besonders wichtige Vorteil bestätigte sich in den Auswertungen zum subjektiven Therapieempfinden ("patient reported outcomes"): Die Behandlung mit T-DM1 wurde von den Patientinnen hinsichtlich des allgemeinen Wohlbefindens besser bewertet als die Kombinationstherapie (7). "Gerade in der fortgeschrittenen Situation ist die Verträglichkeit der Behandlung ein zentrales Kriterium für die Therapieentscheidung", so Thill.

Pressegespräch: "Neue Perspektiven für Frauen mit Brustkrebs - Perjeta® und Kadcyla® in der Behandlung des metastasierten HER2-positiven Mammakarzinoms", im Rahmen des Senologie-Kongresses 2014, Berlin, 19.06.2014, Veranstalter: Roche Pharma AG

Literaturhinweise:
(1) Swain S et al. Lancet Oncol 2013; 14:461-71.
(2) Verma S et al. N Engl J Med 2012; 367:1783-91.
(3) Wolff A et al. Arch Pathol Lab Med 2007; 131:18-43.
(4) Baselga J et al. N Engl J Med 2012; 366(2):109-19.
(5) Krop I et al. Lancet Oncol 2014; 15:689-99.
(6) www.ago-online.de
(7) Welslau M et al. Cancer 2014; 120:642-51.


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