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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

11. Dezember 2014 Neue Optionen in der Erstlinientherapie der CLL: Höhere Flexibilität mit Ofatumumab

DGHO 2014

Die CLL gehört zu den derzeit am häufigsten auftretenden leukämischen Erkrankungen der westlichen Industrienationen. Dabei sind die größtenteils älteren, oftmals multimorbiden Patienten auf alters- und fitnessgerechte Therapiekonzepte und damit auf ebenso antileukämisch effektive wie auch nebenwirkungsarme Therapieoptionen angewiesen. Für CLL-Patienten, für die eine Fludarabin-basierte Therapie nicht in Frage kommt, bietet die Zulassungserweiterung von Ofatumumab in Kombination mit Chlorambucil oder Bendamustin in der Erstlinientherapie eine neue Therapiealternative.

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Fachinformation

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) repräsentiert die derzeit am häufigsten diagnostizierte leukämische Erkrankung des Erwachsenen in den westlichen Industrieländern (1, 2). Betroffen sind vor allem Menschen höheren Lebensalters: Das mediane Alter bei Erstdiagnose beträgt bei Männern 70 Jahre und 72 Jahre bei Frauen (2). Die aktuelle CLL-Leitlinie der Fachgesellschaft zur Diagnostik und Therapie hämatologischer und onkologischer Erkrankungen empfiehlt, bei der Erstlinientherapie die Therapiewahl weniger am kalendarischen Alter als an der Komorbidität, am genetischen Status sowie der Nierenfunktion des Patienten auszurichten (2). Im Hinblick auf schnellen Progress, Therapierefraktärität und kürzere Überlebenszeiten kämen der 17p-Deletion und TP53-Mutation die derzeit wichtigste prognostische Relevanz zu, so Dr. Valentin Goede, Köln.

Ofatumumab in der CLL-Erstlinientherapie


Bislang galten mildere Therapieregime wie Bendamustin oder Chlorambucil (CHL) in Monotherapie beim älteren Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und/oder erhöhter Komorbidität als verträglichere Alternative für Fludarabin-haltige Therapien. Eine weitere Steigerung der Wirksamkeit gegenüber der Monochemotherapie lässt sich über die Kombination einer dieser Substanzen mit einem CD20-Antikörper erzielen (2-6). Als in dieser Therapiesituation - sowohl mit CHL als auch Bendamustin - neu zugelassenen Kombinationspartner begrüßte Prof. Michael Kneba, Kiel, den CD20-Antikörper Ofatumumab: Der monoklonale, als einziger vollständig humane CD20-Antikörper (Arzerra®) in dieser Indikation, wurde am 3. Juli 2014 für die Erstlinientherapie von therapienaiven CLL-Patienten zugelassen. Die Zulassungserweiterung beruhte auf den Daten von zwei Studien, die bei Patienten mit nicht-vorbehandelter CLL erhoben wurden (COMPLEMENT 1/Studie OMB110911 und Studie OMB115991) (3, 7-10). Die Patienten mussten eine aktive, behandlungsbedürftige Erkrankung aufweisen und durften z.B. aufgrund ihres Alters und/oder Komorbiditäten für eine Fludarabin-basierte Therapie nicht in Frage kommen.

COMPLEMENT 1 - Ofatumumab plus Chlorambucil


In der offenen Phase-III-Studie COMPLEMENT 1 war die Kombination von Ofatumumab plus CHL aufgrund des um 71% auf 22,4 Monate verbesserten medianen progressionsfreien Überlebens der Monotherapie mit CHL gegenüber überlegen (primärer Endpunkt, HR 0,57; 95%-KI 0,45-0,72). Die behandlungsfreie Zeit unter dem Kombinationsregime mit Ofatumumab zeigte sich zudem um 15 Monate verlängert (3, 7, 8). Auch erreichten die Patienten ein signifikant höheres Gesamtansprechen (ORR) als unter der CHL-Monotherapie (82% vs. 69%; p<0,001) sowie eine höhere Rate an kompletten Remissionen (12% vs. 1%). Ein Anteil von 37% der Patienten mit einer kompletten Remission wurde zudem MRD-negativ (MRD, minimale Resterkrankung) versus 0% unter CHL allein. Das Kombinationsregime wurde in der Regel gut vertragen: Trotz der häufiger beobachteten Neutropenien sei das Infektionsrisiko unter Ofatumumab plus CHL nicht zusätzlich erhöht gewesen, betonte Kneba.

Abb. 1: Ofatumumab plus Bendamustin in der CLL-Erstlinientherapie (bei nicht vorbehandelten erwachsenen CLL-Patienten, die nicht für eine Fludarabin-basierte Therapie geeignet sind): Ansprechraten (Beurteilung durch den Prüfarzt) (nach (3, 10)).
 

Für mehr Flexibilität: Ofatumumab plus Bendamustin

In der einarmigen Phase-II-Studie OMB115991 wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Ofatumumab plus Bendamustin bei 44 Patienten mit nicht vorbehandelter CLL untersucht, die für eine Fludarabin-haltige Therapie nicht geeignet waren (3, 9). Die Mehrheit der Patienten schloss alle 6 Therapiezyklen ab (89%). Die Patienten erreichten eine Gesamtansprechrate von 95% (95%-KI 85-99), wobei 43% der Patienten sogar eine komplette Remission aufwiesen und 5% eine unvollständige Blutbild-Erholung (CRi) zeigten (Abb. 1). Mehr als die Hälfte der Patienten (56%) mit einer kompletten Remission war nach Beendigung der Behandlung MRD-negativ, wobei nahezu alle Patienten (98%) nach einem medianen Follow-up von 14 Monaten noch progressionsfrei waren (9). Da Bendamustin gerade beim älteren, therapienaiven CLL-Patienten in der Praxis deutlich häufiger eingesetzt werde als CHL, erklärte Kneba, ermögliche die neue Kombinationsoption mit Ofatumumab eine flexiblere Therapiewahl.

Dr. med. Yuri Sankawa

GSK-Satellitensymposium: "CLL 2014 - worauf kommt es heute an?", 10.10.2014

Literaturhinweise:

(1) Hallek M et al. Blood 2008; 111:5446-5456.
(2) DGHO-Leitlinie Chronische Lymphatische Leukämie (CLL). Stand: Januar 2012.
(3) Fachinformation ARZERRA. Stand: 2014.
(4) Fischer K et al. J Clin Oncol. 2012; 30:3209-3216.
(5) Goede V et al. J Clin Oncol. 2013; 31: abstr 7004.
(6) Österborg A. Expert Opin Biol Ther. 2010; 10:439-49.
(7) GlaxoSmithKline Clinical Study Register. Study OMB110911.
(8) Hillmen P et al. Blood 2013; Abstr. 528 und oral presentation.
(9) GlaxoSmithKline Clinical Study Register. Study OMB115991.
(10) Offner F et al. Abstr. u. Poster, iwCLL 2013: 4.29.


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