Donnerstag, 22. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Medical Cloud CAR T
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

05. Januar 2003 Neue Kombinationen in der Pankreaskarzinomtherapie

Pankreaskarzinom

Etwa 70% der Patienten mit Pankreaskarzinom haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen. Mit best supportive care ist mit einem medianen Überleben von 3–5 Monaten zu rechnen. Durch Gemcitabin und Cisplatin in diesem Stadium ließ sich das Überleben auf etwa 8 Monate verlängern. Darauf aufbauend wurde in Studien die Kombination Gemcitabin mit Oxaliplatin geprüft. Über aktuelle Daten wurden auf der Jahrestagung der DGHO/ÖGHO berichtet.
Anzeige:
Empliciti
Empliciti
Unter Gemcitabin wurde ein klinischer Nutzen von 24%, ein medianes Überleben von 5,6 Monaten und ein 1-Jahresüberleben von 18% erreicht. Diese Ergebnisse hätten zwar bereits einen Fortschritt bedeutet, so Privatdozent Volker Heinemann, München, auf einem Satellitensymposium. Aber angesichts der hohen Malignität dieser Tumorerkrankung sei die Entwicklung effektiverer Kombinationen erforderlich gewesen.
Der erste Schritt zu diesem Weg war Gemcitabin in Kombination mit Cisplatin gewesen. Diese erwies sich in 5 Studien mit einer medianen Responserate von 26%, rangierend von 11,4%-52,4% als durchaus vielversprechend.
Die Rationale, auch Oxaliplatin zu testen, lag in der hohen Wirksamkeit des Zytostatikums beim Adenokarzinom des Gastrointestinaltraktes und der besseren Handhabung als Cisplatin.

Neuer Partner für Gemcitabin
In einer Studie von Louvet et al. (J Clin Oncol 2002; 20: 1512-18) an 64 Patienten mit lokal fortgeschrittenem und metastasiertem Pankreaskarzinom waren die Nebenwirkungen unter Gemcitabin/Oxaliplatin außerordentlich gering. Die Patienten erhielten die Kombination in der Sequenz Gemcitabin gefolgt von Oxaliplatin, da von diesem Schema ein synergistischer Effekt berichtet wurde. Im metastasierten Stadium (n = 34) betrug die Ansprechrate 30,3%, das mediane Überleben 8,7 Monate und die 1-Jahresüberlebensrate 26%. Die 30 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom sprachen zu 31% auf die Therapie an, überlebten median 11,5 Monate und 47% erreichten das 1-Jahresüberleben.
In einer italienischen Studie in der gleichfalls Oxaliplatin/Gemcitabin gegeben wurde, kam es zu einer Ansprechrate (OR) von 21% und zu einem Krankheitsstillstand von 50%.
Heinemann fasste die Daten so zusammen, dass Oxaliplatin sicherlich als ein ernstzunehmender Kombinationspartner in der Therapie des metastasierten Pankreaskarzinoms zu werten ist. Die Wirksamkeit dieser Kombination ist vergleichbar mit der Kombination Gemcitabin/Cisplatin.
Im Rahmen der AIO wird derzeit eine randomisierte Studie durchgeführt, die in 3 Armen die Kombination Gemcitabin/Oxaliplatin gegen Capecitabin/Oxaliplatin und Capecitabin/Gemcitabin vergleicht.

Kombination Gemcitabin mit R115777
In einer internationalen randomisierten doppelblinden Phase-III-Studie mit deutscher Beteiligung (Oettle et al. # 431) wurde der Farnesyltransferase Inhibitor R115777 (Zarnestra™) in Kombination mit Gemcitabin versus Plazebo plus Gemcitabin beim lokal fortgeschrittenen und metastasierten Pankreaskarzinom an 688 Patienten untersucht. R115777 hat in vitro und in vivo gegen Pankreaskarzinomzell-Linien eine Aktivität sowie synergistische Effekte zu Gemcitabin gezeigt.
Die Patienten im Alter von median 62 Jahren waren in beiden Armen gut ausbalanciert. 76% hatten Metastasen. Die Patienten waren systemisch nicht vorbehandelt gewesen. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben, sekundär wurden das 6-Monate- und 1-Jahresüberleben, progressionsfreies Überleben sowie Sicherheit und Lebensqualität bewertet.
Die vorläufigen Ergebnisse zeigen keinen Überlebensvorteil für die Kombination Gemcitabin plus R115777 gegenüber der Monotherapie mit Gemcitabin. Das mediane Gesamtüberleben in der R115777-Gruppe war 193 Tage gegenüber 182 Tage. Die 1-Jahres-Überlebensrate betrug 27% gegenüber 24% , das progressionsfreie Überleben 112 vs 109 Tage.
Die Inzidenz nichthämatologischer Nebenwirkungen war in beiden Gruppen gleich. Die Patienten hatten im R115777-Arm eine bessere und länger anhaltende Lebensqualität als die Patienten der Plazebogruppe.
Fazit dieser Studie. Die Kombination 115777/Gemcitabin verlängert das Überleben bei Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom nicht stärker als Gemcitabin allein. Die Kombination hat aber ein akzeptables Nebenwirkungsprofil.

Secondline-Therapie
Ob es eine Alternative zu best supportive care (BSC) beim Gemcitabin-refraktären Pankreaskarzinom gibt, untersuchten U. Pelzer und Mitarbeiter, Berlin in einer Phase-II-Studie (#180). Sie setzten Oxaliplatin in Kombination mit hochdosiertem 5-FU/FA (OFF) als Salvagetherapie bei 55 Patienten im Stadium IVa/IVb ein. Das Regime wurde gut vertragen, Toxizitäten Grad 4 traten nicht auf. Das mediane Überleben seit Beginn der Secondline betrug 28 Wochen, das Überleben seit Beginn der Erstdiagnose lag bei median 17 Monaten.
Diese Ergebnisse haben eine Phase-III-Studie der Berliner „Studiengruppe Pankreaskarzinom“ angestoßen, die BSC+OFF gegenüber BSC allein in der Secondline-Therapie prüfen will.


Anzeige:
Kyprolis

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Neue Kombinationen in der Pankreaskarzinomtherapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab